Boris Herrmann, Andreas Wolfers – Allein zwischen Himmel und Meer
Boris Herrmann, Andreas Wolfers – Allein zwischen Himmel und Meer

Boris Herrmann, Andreas Wolfers – Allein zwischen Himmel und Meer

„A race we must win“

In seinem Besteller Allein zwischen Himmel und Meer erzählt der Profisegler Boris Herrmann von seiner ersten Teilnahme bei der Vendée Globe, einer Non-Stop Einhand-Segelregatta durch den atlantischen, indischen und pazifischen Ozean. Die genaue Route von Herrmanns Segeltour kann man auf einer übersichtlichen Karte auf dem Vorsatzpapier einsehen. Gemeinsam mit 32 anderen Teilnehmer*innen startete er am 08.11.2020 als erster Deutscher in das Rennen, welches trotz der COVID-19-Pandemie stattfinden konnte.

Authentisch und nahbar erzählt Herrmann von den Freuden und Herausforderungen während des Rennens. Dabei gibt er detaillierte Einblicke in tägliche Abläufe als Segler. Man erfährt, wie sein Tagesroutine aussieht, was er isst, wie er sich wäscht, wie er mit dem permanenten Schlafmangel umgeht und vieles mehr.

„Ein Badezimmer gibt es nicht auf Rennyachten. […] Will ich eine Dusche nehmen, ziehe ich mich aus, setzt mich angeleint aufs Vorderschiff und warte, bis eine Welle über das Schiff bricht. Oder ich stelle mich nackt in den Regen.“

Zusätzlich erzählt Hermann auch von der emotionalen Achterbahnfahrt. Immer wieder kämpft er mit Einsamkeit, Heimweh und Höhenangst. Interessant ist auch seine Perspektive auf die anderen Teilnehmer*innen und den Leistungsdruck, der teilweise herrscht. Zeitweise ist es für Herrmann nur noch ein Durchhalten, dann wieder ein harter Kampf um eine gute Platzierung. Er meint, dass nur “die Harten” die Vendée Globe genießen können. Gleichzeitig betont er immer wieder, dass es bei dieser Regatta um weiter mehr, als um den Sieg geht: „Wer plant, an diesem Rennen teilzunehmen, der entscheidet sich nicht nur für eine besonders herausfordernde Regatta. Er entscheidet sich, sein Leben geradezurücken. Weil er den Mut aufbringt, den Traum seines Lebens tatsächlich verwirklichen zu wollen.“

Neben den persönlichen Motiven spielt auch gesellschaftliches Engagement eine große Rolle. Einige Teilnehmer*innen nutzen die Vendée Globe, um auf Missstände aufmerksam zu machen oder Spenden für Hilfsorganisationen zu sammeln. Herrmann selbst ist im Dienst der Wissenschaft unterwegs. Auf seiner Reise versenkt er Messbojen im Meer, welche wertvolle Daten für den Umweltschutz liefern. Das Motto United behind the science ziert das Großsegel der Open 60 Seaexplorer, seiner Rennyacht. Zum einen tut er das aus „staatsbürgerliche Verantwortung“, zum großen Teil aber auch, weil er sich seit seiner Kindheit mit dem Meer emotional verbunden fühlt.

Seine Reise selbst ist abhängig von wissenschaftlichen Daten. So bekommen die Teilnehmer*innen täglich Informationen zu den Wettervorhersagen der nächsten Tage. Dabei gibt es immer wieder Überraschungen und oft entscheidet das Bauchgefühl über die Route. Ob der Wind dann tatsächlich von der richtigen Seite kommt, weiß man vorher nie sicher.

„Segelst du […] allein, beginnt dein Tag mit der Morgendämmerung, und geht die Sonne unter, hast du wahrscheinlich immer noch zu tun – und wie lange oder kurz dir der Tag und die nun folgende Nacht vorkommen, das bestimmt einzig das Wetter.“

Durch die Abhängigkeit von den Windverhältnissen kann es zu vielen unerwarteten Wendungen kommen und Herrmann zeigt in seinem Buch, wie oft und heftig sich dadurch die Platzierungen verschieben können. Wer gerade erst einen großen Vorsprung rausgefahren hat, kann im nächsten Moment in einer Flaute landen. Interessanterweise vertritt Herrmann dabei den Standpunkt, dass ein Sieg nicht vom Glück, sondern von der Vorbereitung und  den richtigen Entscheidungen abhängt, eine Niederlage nennt er aber Pech. Besonders auf der Strecke vom Kap Hoorn über den Atlantischen Ozean bis ins Zielkreuz in der Biskaya sorgt diese Tatsache für große Spannung.

„Jeder von uns in den Top Ten hat seinen Spitzenplatz selber verdient, hart verdient. Glück gibt es für uns nur in der Form von abwesendem Pech.“

Allein zwischen Himmel und Meer ist ein sehr empfehlenswertes Buch, welches temporeich, unterhaltsam und sehr persönlich von der ersten Teilnahme des deutschen Segelsportlers Boris Herrmann bei der Vendée Globe erzählt.

von Jasmin Fuchs

Boris Herrmann, Andreas Wolfers
Allein zwischen Himmel und Meer
C. Bertelsmann 2021
320 Seiten
29,00 Euro
ISBN 978-3-570-10454-5

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert