Lesung von Caroline Wahl in Bayreuth
Lesung von Caroline Wahl in Bayreuth

Lesung von Caroline Wahl in Bayreuth

„Die dunkle Variante des bei ZDFneo oder ARTE ausgestrahlten Der Teufel trägt Prada

CW: Blut, Drogenkonsum, Machtmissbrauch, Manipulation

Am Dienstag, den 13. Januar 2026 las Caroline Wahl im ZENTRUM Bayreuth, veranstaltet durch die Motion Kommunikationsgesellschaft mbH, aus ihrem dritten Roman Die Assistentin, welcher bereits vom Rezensöhnchen rezensiert wurde, und gab dabei neue Einblicke in ihr Leben und Schreiben.

Caroline Wahl wurde mit einem warmen Applaus vom überwiegend weiblichen und recht altersgemischten Publikum begrüßt. Auf ihren lockeren Einstieg – eine Anekdote über ein neu gekauftes, nicht funktionierendes Glätteisen – reagierte das Publikum sehr wohlwollend und rief ihr eifrig Hinweise zu Rückgabemöglichkeiten entgegen.

Nach einem kurzen einführenden Monolog las die Autorin den Buchanfang vor. Der Roman handelt von der jungen Protagonistin Charlotte, die sich als Assistentin des Chefradakteurs eines renommierten Münchner Verlags bewirbt, obwohl sie von Anfang an ein schlechtes Gefühl dabei hat. Später bestätigt sich ihr Verdacht, aber sie hält weiterhin an der Bewerbung fest, weil ihr Vater sich dadurch für sie den Beginn einer erfolgreichen Karriere erhofft.

Es folgte ein Wechsel aus kurzen Zusammenfassungen, Hintergrundinformationen zum Schreibprozess und Lesestellen. Die Textpassagen zeichnen immer wieder das Verhältnis zwischen Charlotte und dem Verleger nach und beschäftigten sich mit dem Thema Machtmissbrauch. Diese ernste Thematik wird im Roman in teils humorvolle Sätze verpackt, die vom Publikum mit herzlichem Lachen quittiert wurden:

„Jetzt sieht [der Verleger] immer noch gut aus. Aber nur gut für sein Alter.“

Einige Ausschnitte trug Wahl auswendig vor, las sie aber anschließend zusätzlich nochmal vor. Durch diese Wiederholung verloren einige Worte leider ihre Stärke. Schade war auch, dass sie sich beim Lesen mehrfach verhaspelte, was sie versucht durch Selbstironie zu retten, die beim Publikum gut ankam. Während des Abends bestätigte sich der Eindruck, der sich schon beim Lesen ihrer Bücher einstellt: Wahl hat eine ausgeprägte Beobachtungsgabe und ihr gelingt es sehr gut, originelle Szenen zu schreiben. Ihre Dialoge sind hingegen sind eher flach und wirken teils unausgereift. So kommentierte sie eine Passage beim Vorlesen selbst mit den Worten: „Das ist so dumm. Und dann wundere ich mich, dass ich nicht für den deutschen Buchpreis nominiert wurde“.

Besonders erfrischend war es zu erleben, wie Wahl sich selbst inszeniert. In zahlreichen Interviews wurden ihr die gleichen Fragen gestellt. Jetzt zu erfahren, welche Themen sie selbst setzt, wenn sie den Abend komplett allein gestaltet, war sehr interessant und ermöglichte neue Einblicke in ihr Leben als Autorin und ihren Schreibprozess. Insgesamt überzeugte Wahl durch ihre authentische und unverblümte Art und bescherte den Zuhörer*innen einen unterhaltsamen und kurzweiligen Abend.

von Jasmin Fuchs

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