Jehona Kicaj – ë
Jehona Kicaj – ë

Jehona Kicaj – ë

„Du denkst immer alles zu Ende, bevor du sprichst.“

CW: Krieg, Rassismus, Trauma

Jehona Kicajs Debütroman ë erzählt von der Sprache des Körpers, vom Vergessen und Verdrängen und der literarischen Suche nach dem, was über Generationen und Generationen wichtig bleibt – auch wenn der Kosovokrieg aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden zu sein scheint.

Eine namenslose Erzählerin berichtet von der Flucht ihre Eltern aus dem Kosovo, ihrem Auswachsen in Deutschland und ihrer Beziehung zur albanischen Sprache. Anhand von abgebrochenen Zähnen, einem schmerzenden Kiefer und nächtelangem Zähneknirschen wird die Geschichte der Protagonistin entfaltet. Wo Sprachlosigkeit sich ausbreitet, erzählt der Körper weiter.

„Elias sagte einmal zu mir: Du denkst immer alles zu Ende, bevor du sprichst. Die Wahrheit scheint mir zu sein: Ich zermahle jedes einzelne Wort, bevor ich spreche.“

Das schmale Büchlein enthält zahlreiche fragmentarische und anekdotische Geschichten. Geschickt spielt die Autorin mit den Leerstellen und lässt Form und Inhalt ineinander verschmelzen. Kicaj beweist dabei ihre ausgeprägte Beobachtungsgabe und ihr feines Sprachgefühl. Voller Klarheit und Sorgfalt wendet sie sich den hochemotionalen Themen zu.

„Wenn man mich fragt, woher ich ursprünglich komme, möchte ich antworten: Ich komme von einem Ort, der verwüstet worden ist. Ich wurde in einem Haus geboren, das niederbrannte. […] Ich komme aus der Sprachlosigkeit.“

Aufgrund des außergewöhnlichen Konzepts, der hohen sprachlichen Qualität und der enormen thematischen Dichte wurde ë bereits vielfach gelobt und landetevöllig zurecht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

von Jasmin Fuchs

Jehona Kicaj
ë
Wallstein 2025
176 Seiten
22,00 Euro
ISBN 978-3-8353-5949-9

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