Theater Hof – Die Geisterbraut
Theater Hof – Die Geisterbraut

Theater Hof – Die Geisterbraut

Der Klang eines dunklen Märchens

Es lässt einen frösteln: Passend zur kalten Jahreszeit feierte am 30. Januar 2026 Antonín Dvořáks schauerliche Kantate Die Geisterbraut im Theater Hof Premiere. Unter der musikalischen Leitung des Musikdirektors Peter Kattermann und der künstlerischen Einrichtung des Intendanten Lothar Krause wurde das Stück, das 1885 uraufgeführt wurde und auf einer tschechischen Ballade nach Karel Jaromír Erben basiert, erstmals im Haus inszeniert.

Es ist eine düstere Geschichte, die in Dvořaks Kantate, hier durch die eindrucksvolle Stimme von James Tolksdorf, erzählt wird: Ein junges Mädchen (Inga Lisa Lehr) betet abends zur Jungfrau Maria und bittet sie inständig, dass ihr Geliebter (Minseok Kim) heimkommen möge, der sie nach drei Jahren in der Fremde heiraten wollte. Scheinbar wird sie erhört, denn ein Klopfen an der Tür offenbart den Verlorengeglaubten, der darauf drängt, seine Braut bis zum Morgengrauen heimzuführen. So entführt er das Mädchen auf eine wilde Hast durch Wald und Moor, bei der sie auf sein Drängen ihre christlichen Symbole von sich wirft. Mit blutenden Füßen erreicht sie an seiner Hand schließlich das vorgegebene Ziel – das sich als sein Grab entpuppt.

Das gekonnte Spiel der Hofer Symphoniker dieser dramatisch-romantischen Kantate bildet die Basis des Werks, dessen theatrale Atmosphäre sich einem durchdringenden Nebel gleich im Saal ausbreitet. Eindrucksvoll geben die Sopranistin Inga Lisa Lehr dem unschuldigen Mädchen und der Tenor Minseok Kim dem zurückgekehrten Toten ihre Stimmen, wohingegen das Publikum von Bariton James Tolksdorf als Erzähler durch die Geschichte geleitet wird. Begleitet werden die drei vom Opernchor des Theaters Hof.

„Dumpf heulend schlugen Hunde an, als eilen sie die beiden sahen, sie heulten wundersame Mär. Habt Acht, uns naht ein Gast vom toten Heer!“

Zum besseren Verständnis des klassisch gesungenen Texts sind auf einem über der Bühne hängenden Bildschirm Übertitel eingeblendet, die es dem Publikum erleichtern, der rein musikalischen Geschichte zu folgen. Ein besonderes Highlight der Hofer Aufführung ist zudem die Ergänzung der Musik durch live entstehende Sandmalerei der ukrainischen Künstlerin Svetlana Telbukh. Während diese rechts auf der Bühne an einem Stehpult arbeitet, wird die Bebilderung der Geschichte für das Publikum auf einer Leinwand über dem Orchester sichtbar. Die entstehenden Szenerien erinnern an Lotte Reinigers Scherenschnittfilme, und werden so geschickt erweitert und ergänzt, dass die Bilder einem tatsächlichen Film gleich nahtlos ineinander übergehen. So wird beispielsweise aus dem Mond eine Uhr, aus einem den Toten symbolisierenden Nachtfalter eine Lampe und aus einer blühenden Margerite das trauernde Mädchen.

Die Thematik der Blütenblätter verlierenden Margerite, die für das Mädchen steht, wird auch im Kleid der Sopranistin aufgegriffen: Ein blauer pflanzen- und blütenförmiger Spitzenbesatz auf hellem Kleid ist am Oberkörper noch dicht, wohingegen er nach unten hin immer lichter wird, und die Figur des Mädchens metaphorisch nicht mehr mit der Erde verwurzelt zu sein scheint. Auch die Farbe Blau ist allgegenwärtig, da sie sich als Grundfarbe auf dem Plakat, als Einfärbung des Hintergrunds auf der Bühne und als Schein der sanften Beleuchtung von oben auf das Orchester wiederfindet. Alles in allem formt sich so ein wunderbar durchdachtes Gesamtbild, das die reine Musikalität der Kantate hervorragend abrundet. Ein durch und durch empfehlenswertes Stück, das ein einzigartiges Erlebnis bietet.

Weitere Aufführungen von Die Geisterbraut finden am 04.02., 06.02., 28.02. und 04.04. um jeweils 19:30 Uhr und am 22.03. um 18:00 Uhr im Theater Hof statt. Jeweils eine Dreiviertelstunde vor Beginn gibt es im Studio eine Einführung in das Stück durch die Dramaturgin Alena Pardatscher.

von Nike Kutzner

Fotos ©H.Dietz Fotografie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert