Catherine Mory, Jean-Baptiste Hostache, Oliver Gallmeister, François Guérif – Es war einmal Amerika. Eine Geschichte der amerikanischen Literatur. Band I: Das 19. Jahrhundert
Catherine Mory, Jean-Baptiste Hostache, Oliver Gallmeister, François Guérif – Es war einmal Amerika. Eine Geschichte der amerikanischen Literatur. Band I: Das 19. Jahrhundert

Catherine Mory, Jean-Baptiste Hostache, Oliver Gallmeister, François Guérif – Es war einmal Amerika. Eine Geschichte der amerikanischen Literatur. Band I: Das 19. Jahrhundert

„Es war einmal ein Amerika, in dem sich die Natur ausbreitete, wie es ihr gefiel…“

Wer schrieb eigentlich den Lederstrumpf? Was sind die bekanntesten Werke von Nathaniel Hawthorne und Emily Dickinson? Kannten sich Walt Whitman und Henry David Thoreau? Und woher kennt man eigentlich Herman Melville? Auf diese und noch weitere Fragen gibt es nun eine gebündelte Antwort in Buchform: Den ersten Band von Es war einmal Amerika. Eine Geschichte der amerikanischen Literatur. Diese Graphic Novel schildert auf etwa 200 Seiten die Kurzbiografien von zehn einflussreichen US-amerikanischen Schriftsteller*innen des 19. Jahrhunderts.

Neben den oben genannten Namen sind James Fenimore Cooper, Edgar Allan Poe, Mark Twain, Henry James und Jack London jeweils eigene Kapitel gewidmet, die mit viel Witz und Charme den Lebensweg der Personen schildern und ihre wichtigsten Werke benennen oder sogar in Kurzform nacherzählen. So bekommt man einen Eindruck der sozialen und politischen Umstände, die die einzelnen Personen geprägt haben, welche Ereignisse eventuell als Inspiration für ihre Autor*innenenschaft dienten und wie man sie in die Geschichte der USA einordnen kann. Jedes Kapitel endet mit einem sprichwörtlichen Stammbaum, der Werke von Autor*innen zeigt, die in der gleichen Tradition stehen wie die des*der vorgestellten Autor*in oder die sich direkt von diesem*dieser Autor*in haben inspirieren lassen.

„Warum sollte die Geschichte dieser [amerikanischen] Literatur nicht auch in Bildern erzählt werden können?“

Obwohl das Buch humorvoll und sehr zugänglich gestaltet und vor allem geschrieben ist, ist hervorzuheben, dass es nicht zur Idealisierung neigt. Erfolgserlebnisse der Autor*innen werden ebenso thematisiert wie ihre Lebensumstände in Krankheit, Armut oder der Allgegenwart des Todes, sowie die rassistischen Ansichten einiger. Die Ausbeutungen und Gräueltaten an der indigenen Bevölkerung durch die Gründerväter, die sich den ersten Menschen in einem Garten Eden gleich auf neuem Land ausbreiten wollen („Jungfräulich ist dieses Land allerdings schon seit Jahrtausenden nicht mehr […]“) sowie die Versklavung und Verschleppung von Afrikaner*innen („Alle europäischen Mächte sind in diesen schmutzigen Handel verwickelt.“) werden sachlich-neutral kommuniziert. Das führt zur unbewussten, aber erfrischenden und wichtigen ‚Neuerkennung‘ der Geschichte des Globalen Nordens, die vom Gedanken der ‚Entdeckung von Amerika‘ aus eurozentristischer Weltsicht wegführt, wie sie heutzutage sehr zu begrüßen ist.

Unabhängig davon handelt es sich bei Es war einmal Amerika um das perfekte Buch für Groß und Klein, um einen ersten oder auch tieferen Einblick in die US-amerikanische Literaturgeschichte zu bekommen und sich gegebenenfalls auch Inspiration für neuen Lesestoff geben zu lassen.

von Nike Kutzner

Catherine Mory, Jean-Baptiste Hostache, Oliver Gallmeister und François Guérif
Es war einmal Amerika. Eine Geschichte der amerikanischen Literatur. Band I: Das 19. Jahrhundert
Aus dem Französischen von Edmund Jacoby
Jacoby & Stuart 2025
224 Seiten
32,00 €
ISBN 978-3-96428-272-9

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