Gaea Schoeters – Das Geschenk
Gaea Schoeters – Das Geschenk

Gaea Schoeters – Das Geschenk

20.000 Elefanten aus Botswana

 

CW: (Post-)Kolonialismus, Rechtsextremismus

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Nach dem Sensationserfolg von Gaea Schoeters‘ Roman Trophäe, welcher mit dem Literaturpreis Sabam for Culture ausgezeichnet wurde, folgte nun, dank Lisa Mensing, die deutsche Übersetzung des neuen Romans Das Geschenk. Auch diesmal befasst sich Schoeters mit dem Thema. Jagdtrophäen und deren Bedeutung im Kontext von Kolonialismus und Globalisierung. Entwickelt wird die Geschichte jedoch ausgehend von einer vollkommen anderen Grundsituation: Der Präsident von Botswana lässt Deutschland über Nacht 20.000 Elefanten zukommen. Dieses ungewöhnliche „Geschenk“ ist die Reaktion auf das kürzlich erlassene Gesetz zum Einfuhrverbot von Jagdtrophäen. Was als Maßnahme zum Artenschutz dienen soll, sorgt für Menschen in Botswana zum Verlust ihrer Lebensgrundlage.

„Die paar hundert Jagdlizenzen sind keine Bedrohung für diese Art, dass wissen sie genauso gut wie ich. Ein solches Importverbot ist eine emotionale und diplomatische Maßnahme, die tatsächlichen Auswirkungen sind minimal.“

Die Erzählung gliedert sich in vier Abschnitte: Paukenschlag, Verzweiflung, Veränderung und Verrat. Schoeters Roman lässt offen, wie die Elefanten nach Deutschland gekommen sind und entfaltet entlang verschiedener Politiker*innen den Umgang mit dieser Situation. Im Zentrum steht der Bundeskanzler Hans Christian Winkler, welcher auf jeder Seite des Buches darum ringt, zu klären, wer welche Verantwortung trägt und tragen sollte. Durch den auktorialen Erzähler werden den Leser*innen auch Gedenken des aufstrebenden rechten Politikers Holger Fuchs zugänglich gemacht.

In Das Geschenk werden zahlreiche politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragestellung verhandelt. Aktuelle Themen werden auf zeitgemäße Art zugänglich gemacht. Erneut verdichtet die Autorin auf den gerade einmal 144 Seiten Debatten über Klimawandel, Globalisierung, Tier- und Menschenrechte, Wirtschaftskrisen, Rechtextremismus und soziale Gerechtigkeit. Wo einerseits Zusammenhänge aufgezeigt werden, wird andererseits Komplexität reduziert. Diese Mischung regt permanent zum Mitdenken an.

„Jeden Morgen erinnern ihn seine steifen Knochen daran, dass er in einem Land auf der Straße geschlafen hat, das dafür zu kalt ist.“

In Sätzen wie diesem dokumentiert sich der moralischen Drahtseilakt, den Schroeters wagt. Sie solidarisiert sich mit niemandem, als ihr Protagonist gegen Obdachlose pöbelt. Statt sich mit dem Problem der Obdachlosigkeit ernsthaft auseinanderzusetzten, liegt der Fokus auf dem Wetter. Ethische Fragen werden zu einem Nebenschauplatz, bei dem die Leser*innen selbst entscheiden können, wie viel Aufmerksamkeit sie ihnen schenken. Auch als sich der Ausgang der Geschichte anbahnt, geschieht dies geradezu sachlich, obwohl es unter den Protagonist*innen wenig später zu hitzigen Debatten und emotionalen Auseinandersetzungen kommt.

Lobend hervorzuheben sind die gelungenen Kapitelüberschriften, welche eine gute zeitliche Orientierung bieten. Ebenso verdienen auch die liebevollen Elefantenbeschreibungen Aufmerksamkeit. Besonders rührend wird die Geburt eines Elefantenbabys beschrieben. Ähnlich wie bei Trophäe kommt es im hinteren Teil des Buches zu einigen Längen, welche möglicherweise stilistisch bewusst so angelegt wurden, bevor das Buch erwartbar endet. Insgesamt lässt sich aber sagen, dass Gaea Schoeters erneut einen interessanten Denkanlass geschaffen hat, um sich mit globaler Verantwortung und Postkolonialismus auseinanderzusetzten. Gerade wer Trophäe mochte, sollte Das Geschenk lesen.

von Jasmin Fuchs

Gaea Schoeters
Das Geschenk
Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing
Zsolnay 2025 
144 Seiten 
22,00 Euro 
ISBN 978-3-552-07574-0

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