Ein Freundschaftsdienst mit Folgen
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CW: Krankheit, Tod
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„Es gibt im Leben wohl keine wichtigere Entscheidung als die Wahl seines Partners oder Partnerin.“
Raphael ist schwerkrank. Und Nala ist es ebenfalls. Um ihre verbleibende Lebenszeit nicht allein zu verbringen, begeben sich beide auf die Suche nach Gleichgesinnten und finden schließlich auf der anonymen Datingplattform „The Walking Dead“, die schwerkranken Personen ein letztes Verliebtsein ermöglichen möchte, zueinander.
Als Nala darauf besteht, Raphael endlich in Realität zu treffen, bittet dieser in letzter Sekunde seinen besten Freund, für ihn einzuspringen. Überrumpelt von dieser ungewöhnlichen Bitte lässt sich sein langjähriger Freund Julius schließlich doch zu diesem außergewöhnlichen Freundschaftsdienst überzeugen. Julius soll sich als Raphael ausgeben und Nala zumindest ein paar heitere Stunden schenken. Ein Treffen im Café, nichts Ungewöhnliches, verspricht Raphael.
Und so stolpert Julius völlig unvorbereitet in das Treffen mit Nala.
„Julius gibt alles.“
Was zunächst wie ein überschaubarer Gefallen wirkt, entwickelt sich schnell zu einem Strudel aus Missgeschicken, Notlügen und großer Erklärungsnot. Als Nala „Raphael“ schließlich darum bittet, ihn spontan zu einer Familienfeier zu begleiten und dieser es nicht übers Herz bringt, ihr diesen Gefallen auszuschlagen, nehmen die Dinge unaufhaltsam ihren Lauf.
Ehe Julius sich versieht, ist er wortwörtlich gefangen auf einer unvorstellbar abstrusen Familienfeier. Julius gibt alles, um die Notlüge seines Freundes Raphael zu decken und damit seine eigene Identität zu verheimlichen.
Gefangen zwischen fußballspielenden Elefanten, Fruchtbarkeitsritualen und Familienmitgliedern, die ihm unangenehm genau auf den Zahn fühlen, bleibt für Julius schließlich nur noch eines: die Flucht nach vorn. Dabei verliert er sich zunehmend in der Rolle seines Freundes Raphaels.
Tragik trifft auf Situationskomik
In Horrordate verknüpft Fitzek das tragische Schicksal seiner Protagonist*innen mit einer ausgeprägten Portion Humor.
Julius gerät von einem Missgeschick ins nächste, und selbst in Momenten, in denen man glaubt, es könne kaum schlimmer kommen, beweist Fitzek eindrücklich das Gegenteil.
Auch wenn der Handlungsverlauf stellenweise stark konstruiert erscheint, gelingt es Fitzek durch seine humoristische Erzählweise dennoch, die Leser*innen an die Seiten zu binden. Getragen von einer ausgeprägten Situationskomik, die während der Lektüre wirklich zu lautem Lachen führt, rückt die mangelnde Plausibilität der Geschichte rasch in den Hintergrund.
Besonders beeindruckend ist dabei, mit welcher Leichtigkeit und welchem Feingefühl Fitzek das Thema Tod mit seiner humoristischen Erzählweise verknüpft. Obwohl das zentrale Motiv des Romans auf der Erkrankung seiner Protagonist*innen aufbaut, gelingt es ihm, durch humorvolle Brechungen und pointierte Dialoge eine überraschende Leichtigkeit zu erzeugen, die den Roman trotz seiner ernsten Thematik zugänglich und unterhaltsam macht.
Mit seinem dritten „Kein Thriller“ lädt Fitzek seine Leserschaft auf eine tragikomische Achterbahnfahrt ein. Für alle, die Fitzek einmal von einer ungewohnt humorvollen Seite erleben möchten und sich nach einer wirklich lustigen Lektüre sehnen, ist Horrordate eine klare Leseempfehlung.
von Margherita Ragucci

Sebastian Fitzek
Horror-Date
Droemer Knaur 2025
336 Seiten
16,99 Euro
ISBN 978-3426561195