„Olympische Spiele sind fantastisch. Unser Sport erhält Aufmerksamkeit in der ganzen Welt. Aber Klettern ist viel mehr.“
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CW: Covid-19, Essstörung, Verletzungen
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Der Erlanger Profikletterer Alexander Megos schreibt mit Unterstützung von Andreas Thamm in Frei am Fels über seine Kindheit, seine ersten Wettkämpfe und seine Karriere. Er erzählt von Naturverbundenheit, Gemeinschaftssinn und dem Kontrast zum Training in der Halle während der Wettkampfvorbereitung.
Voller Ehrlichkeit teilt Megos seine Selbstzweifel und thematisiert offen seinen Umgang mit seinem Scheitern in verschiedenen Wettkämpfen. Gleich zu Beginn des Buches geht er auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris und sein Ringen mit der Frage nach dem Wieso ein.
„Und am Ende gibt es auf diese Frage nur diese unbefriedigende Antwort: Dieser eine saudummer Fehler…“
Detailliert schildert Megos seine Klettertouren in seiner fränkischen Heimat, aber auch in der ganzen Welt. Dabei fokussiert er sich nicht nur auf die einzelnen Erfolge und Stationen seines Lebens, sondern schenkt interessante Einblicke in die Fragen und Herausforderungen, die währenddessen aufkamen. Immer wieder thematisiert er seine Essstörungen, seine Unsicherheit über seinen Berufsweg und sein finanzielles Risiko. Besonders spannend zu lesen ist sein Nachdenken über ein mögliches Studium.
„Vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte diesen Erfolg nicht gehabt, denn er bestätigte mich in der Härte, mit der ich gegen meinen Körper vorging. Die Disziplin, redete ich mir ein, hatte sich ausgezahlt.“
Bereichernd ist auch seine Reflexion über sein eigenes Essverhalten. Aufgrund persönlicher Erfahrungen fordert er strengere Regeln im Klettersport: „Es sollte in den Regeln klar definiert werden, welche Anforderungen erfüllt sein müssen, damit jemand am Wettkampf teilnehmen darf. […] Nur wenn Sportlerinnen und Sportler gesperrt werden, die einen ungesunden BMI haben, kann sich wirklich etwas ändern. Es ist bitter, dass der IFSC, der die Weltcups austrägt, sich beharrlich gegen solche Vorschläge währt und die Verantwortung den nationalen Verbänden zu schiebt.“
Unklar bleibt, wie Megos sich die Umsetzung konkret vorstellt und ob der BMI als Kriterium wirklich aussagekräftig ist. Seine eigene Geschichte zeigt, wie tiefgreifend das Problem ist, und an einigen Stellen werden seine Ausführungen dieser Komplexität nicht gerecht. Vermutlich braucht es mehr als Verbote. Auf Unterstützungsangebote und Wege aus der Essstörung geht Megos leider nur im Kontext seiner eigenen Erfahrung ein.
Wertschätzend äußert er sich über verschiedene Wegbegleiter, egal ob Konkurrenten oder Freunde. Er zeigt auf, was er von ihnen gelernt hat, aber macht auch deutlich, an welchen Punkten er ihr Verhalten als unpassend empfand. Ihm gelingt es sehr gut, das Miteinander unter Kletterern nachvollziehbar einzufangen.
„Es war wiederum Adam, dessen Umgang mit dem Scheitern mich nachhaltig beeindruckte und den ich mir zu Vorbild nahm. In Frankreich wurde ich […] Zeuge, wie er in einer Route, die er schon einmal fast geflasht hatte, immer wieder scheiterte. Ich beobachtete das und wusste: Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich brutal mit mir hadern, nach Hause fahren und mir schwören, die Kletterschuhe an den Nagel zu hängen.“
Trotz aller Schwierigkeiten zeigt Megos ein deutliches Bewusstsein dafür, was für ein privilegiertes Leben er führt und dass sein Erfolg und seine Freiheit von vielerlei Faktoren abhängen. Voller Dankbarkeit spricht er über seine Eltern, Sponsoren und Trainer und würdigt deren Unterstützung.
Frei am Feld ist eine lesenswerte Biografie eines außergewöhnlichen Sportlers und findet hoffentlich nicht nur in der Kletterwelt viel Beachtung.
von Jasmin Fuchs

Alexander Megos
Frei am Fels
Edel Sports 2025
280 Seiten
22,00 Euro
ISBN 9783985881529