Catherine Mory, Jean-Baptiste Hostache, Oliver Gallmeister, Francois Guérif – Es war einmal Amerika. Eine Geschichte der amerikanischen Literatur. Band II: Das 20. Jahrhundert
Catherine Mory, Jean-Baptiste Hostache, Oliver Gallmeister, Francois Guérif – Es war einmal Amerika. Eine Geschichte der amerikanischen Literatur. Band II: Das 20. Jahrhundert

Catherine Mory, Jean-Baptiste Hostache, Oliver Gallmeister, Francois Guérif – Es war einmal Amerika. Eine Geschichte der amerikanischen Literatur. Band II: Das 20. Jahrhundert

„Wenn der Leib eingeschnürt ist, vagabundiert der Geist.“

CW: Drogenmissbrauch, Nacktheit, Queerfeindlichkeit, Rassismus, Sex

Ein bunt bebilderter Roadtrip durch die Literatur der USA ist es, den man hier in den Händen hält, inklusive der wichtigsten Werke als Zwischenstopps auf dem Highway und den Biografien ihrer Schöpfer*innen, die sich irgendwo zwischen der Buntheit der lackierten Reklametafeln und dem Staub auf den Straßen befinden. Wie der Titel unschwer erkennen lässt, handelt es sich bei Es war einmal Amerika. Eine Geschichte der amerikanischen Literatur. Band II: Das 20. Jahrhundert bereits um die zweite Graphic Novel von Mory, Hostache, Gallmeister und Guérif, in der zehn ausgewählte US-amerikanische Schriftsteller*innen sowie deren wichtigsten Werke präsentiert werden.

Der Fokus liegt hierbei auf maßgeblichen Prägungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – sei es die Geburt der Hardboiled Novel, von Erotik durchzogene Werke oder solche, die als Auswirkung auf historische Ereignisse wie die Weltkriege, die Goldenen Zwanziger oder die Great Depression entstanden. Zu den Auserwählten mit jeweils einem einzelnen Kapitel zählen demnach Dashiell Hammett, Henry Miller, Francis Scott Fitzgerald, William Faulkner, Ernest Hemingway, John Steinbeck, Tennessee Williams, Jack Kerouac, Truman Capote und Flannery O’Connor. Die Biografien geben prägende Ereignisse dieser Autor*innen wieder und vor allem, wie diese sie inspirierten und sich in ihren Romanen, Kurzgeschichten oder Theaterstücken wiederfanden. Inhalte der literarischen Texte in Kurzform werden dabei Exkursen gleich an den passenden Stellen in die Biografien eingeschoben. Wie im ersten Band endet jedes Kapitel mit einem Baum, in dessen Zweigen weitere Autor*innen und Werke genannt sind, für der*die Kapitelheld*in die Grundlage legte.

„Er beschließt, entlassen zu werden, und hält sich bewundernswert strikt an diesen Vorsatz.“

Der genutzte Sprachstil ist witzig sowie charmant zugleich und verleiht dem Comic einen trockenen Humor, der sich beinahe slapstickartig zwischen den Zeilen entlädt. Dennoch werden ernste Situationen nicht ins Lächerliche gezogen, sondern außerhalb der Panels kritisch ergänzt oder kommentiert. In Fußnoten werden zudem manche Zitate oder Begriffe erklärt oder historische Hintergründe zur besseren Einordnung wiedergegeben. In einer solchen Fußnote wird auch das N-Wort kritisch eingeordnet, wobei sich Leser*innen bewusst sein sollten, dass der Begriff dennoch das Buch hinweg unzensiert aus Originaltexten zitiert wird. Leider haben die Autor*innen es versäumt, das Gleiche bei queerfeindlichen Begriffen zu machen, die hin und wieder unkommentiert in Dialogen auftauchen, was der Abgerundetheit des Buchs einen kleinen Dämpfer verpasst.

„Nun, der einzige Weg, sich von einer Versuchung zu befreien, ist – nach Oscar Wilde –, ihr nachzugeben.“

Dass die Autor*innen des frühen 20. Jahrhunderts wiederum ihren manierlichen Kokon aufschneiden und ihre Gefühle nicht mehr hinter einem Schleier des guten Tons verstecken, spiegelt das Buch deutlich wider. In mitunter sehr derber Sprache, die ebenfalls aus Originalformulierungen zitiert wird, schreiben sie nun über Tod, Verbrechen, Sex und Lust, weshalb das Buch nur bedingt für jüngere Kinder geeignet ist. Dennoch bietet es einen durchdachten und liebevoll gestalteten Einblick in die Literatur des 20. Jahrhunderts und schafft dabei eine bewundernswerte Balance zwischen Geschichte und Kunstform. Ob man es mit viel oder wenig Hintergrundwissen aufschlägt, es bietet wahre Unterhaltung und macht Lust, sich selbst mit Werken der genannten Autor*innen zu beschäftigen, auch wenn man deren wichtigste Inhalte nun bereits kennt. Einem Roadtrip gleich ist jedoch der Weg das Ziel, und der Weg dieser informativen und unterhaltsamen Reise ist einer, der sich lohnt.

von Nike Kutzner

Catherine Mory, Jean-Baptiste Hostache, Oliver Gallmeister, Francois Guérif
Es war einmal Amerika. Eine Geschichte der amerikanischen Literatur. Band II: Das 20. Jahrhundert
Aus dem Französischen von Edmund Jacoby
Jacoby & Stuart 2025
256 Seiten
35,00 Euro
ISBN 978-3-96428-280-4

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