Momentaufnahmen
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Jeder kennt sie, die Momente, die durch ihre Schönheit bestechen, aber sich nicht richtig fassen lassen: Stadttreiben, Wellenrauschen, Blumen im Wind. Als sich Claude Monet von der akademischen Malerei abwandte, waren es genau diese flüchtigen Augenblicke, deren Stimmung er festhalten wollte. Damit prägte er den Stil des Impressionismus und löste sich von der Kontur, indem er die Farbe statt der Linie zum bestimmenden Merkmal erhob. Anne Sefrioui widmet Monet einen großformatigen Bildband, der die volle Bandbreite seines Œuvres zeigt. Monet: Meisterwerke – Kunst groß im Bild nimmt uns dabei mit auf eine Reise durch das Leben des Malers, durch seine Entwicklungsschritte und Motive, ohne zu sehr dem Biografischen anzuhaften. Die Begleittexte kontextualisieren, lenken den Blick auf verschiedene Maltechniken und warten mit kleineren kunstgeschichtlichen Betrachtungen auf; leicht verständlich bereichern sie so die Bilder durch eine weitere Zugangsebene.
Tageslichtspiele
Was Monet bei seinen Gemälden besonders faszinierte, waren die unterschiedlichen Lichtverhältnisse. Zu diesem und weiteren Aspekten lässt Sefrioui den Maler immer wieder selbst zu Wort kommen und holt ihn so aus dem Staub der Vergangenheit hervor: „Für mich existiert eine Landschaft keineswegs als Landschaft, denn ihr Aussehen verändert sich jeden Augenblick. Und sie lebt durch das, was sie umgibt, durch die Luft und das Licht, die sich immerzu verändern. […] Man muss es verstehen, den jeweiligen Moment im rechten Augenblick zu erfassen, denn dieser Moment wird nie wiederkommen. Und man fragt sich unablässig, ob dieser Eindruck, den man hatte, der richtige war.“ So kam Monet immer wieder zu ähnlichen Motiven zurück, die er zu unterschiedlichen Tageszeiten ausführte, um die spezifischen Lichtverhältnisse festzuhalten. Dafür arbeitete er unter anderem parallel an verschiedenen Bildern, die er je nach Sonnenstand wechselte, um die Lichtveränderungen sichtbar zu machen. Auch wir als Betrachtende lernen diese feinen Farbunterschiede kennen, die Sefrioui durch die passende Gegenüberstellung verschiedener Werke präsentiert.
Der liebevoll gestaltete Bildband mit hochwertigen Drucken ermöglicht es, in die Bilder Monets einzutauchen und jedem einzelnen Pinselstrich nachzuspüren. Das wird besonders durch die aufklappbaren Großdrucke unterstützt, deren Klappfalzen bei zu häufigem Gebrauch leicht Schaden nehmen können. Das bleibt allerdings der einzige (kleine) Kritikpunkt an diesem Band, der Monets Essenz in all ihren Farbfacetten einfängt.
von Lavinia Richter

Anne Sefrioui
Monet. Meisterwerke – Kunst groß im Bild
Übersetzt aus dem Französischen von Barbara Holle
Prestel 2025
172 Seiten
39,00 EUR
ISBN: 978-3-7913-7781-0