Feminismus als Snack: Wenn Satire auf Männerlogik trifft
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CW: Misogynie, Sexismus
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Wer Meik Gundermann auf Instagram unter @meikgundermann folgt, kennt sein Talent, Sexismus in pointierte Satire zu verwandeln und „Männerlogik mit dem Staubwedel aus den Kommentarspalten zu fegen”. In seinem Buch Menners! weitet er diesen Blick nun aus. Er greift dabei auf einen bunten Erfahrungsschatz aus verschiedensten beruflichen Stationen und privaten Lebenswelten zurück. Gundermann nimmt uns nicht nur mit in die Branchen, in denen er gearbeitet hat, sondern vor allem in die Welten, in denen er lebt: Er spiegelt die Erfahrungen wider, die er durch seine tiefen Freundschaften teilt. Dabei schreibt er genau so, wie es der Untertitel verspricht – wie der schwule beste Freund, der im richtigen Moment die Hand hält, aber auch ohne Blatt vor dem Mund sagt, was Sache ist. Er legt den Finger in die patriarchale Wunde, reicht einem aber gleichzeitig das Pflaster in Form von Humor und echtem Verständnis.
Kein wissenschaftlicher Exkurs, sondern eine Ode an die Freundschaft
Wer hier ein trockenes, wissenschaftliches Sachbuch über feministische Theorie erwartet, wird überrascht – und zwar positiv. Gundermann verzichtet auf kompliziertes, aneinandergereihtes Fachvokabular und macht so Feminismus „snackable“. Dabei gelingt es ihm, seinen pointierten Kurzform-Content von Instagram erfolgreich in das Langformat eines Buches zu übertragen, ohne dass der rote Faden verloren geht. Das Buch fühlt sich an wie eine ehrliche Unterhaltung bei einem Drink, bei der man gemeinsam über die Absurditäten des Alltags lacht, lästert und dabei doch tief in die Strukturen blickt, die Frauen und queere Menschen seit Jahrhunderten ausbremsen. Besonders charmant ist dabei seine authentische Art. Die Kapitel sind kurz, knackig und von einem Humor durchzogen, der auch vor scharfer Kritik nicht zurückschreckt. Ein Highlight ist seine Einordnung der Geschichte: „Die Steinzeit war in Sachen Gleichberechtigung moderner als das aktuelle Programm der CDU – keine große Hürde, ich weiß.“
Zwischen Mansplaining und der „zerrupften Orange“
Gundermann arbeitet sich an den klassischen Phänomenen ab: Mansplaining, strategische Inkompetenz im Haushalt und die toxischen Auswüchse von Dating-Apps. Dabei findet er Bilder, die ebenso amüsant wie entlarvend sind. Wenn er etwa beschreibt, wie Männer sich zu Hause plötzlich unfähig stellen, trifft er den Nagel auf den Kopf: „Der CEO mutiert zum hilflosen Azubi, sobald die Wohnungstür ins Schloss fällt.“ Besonders stark ist das Buch dort, wo es uns einen Spiegel vorhält, ohne uns dabei ein schlechtes Gewissen zu machen. Er schafft eine befreiende Klarheit, indem er aufzeigt, dass viele unserer Unsicherheiten hausgemacht – aber eben nicht von uns selbst – sind. Wenn es um die Romantisierung von übergriffigem Verhalten in der Popkultur geht, bietet er einen herrlich pragmatischen Realitätscheck an: „Ich überprüfe meine eigenen Romantikfilter immer mit Donald Trump: Hätte ich das Verhalten auch süß gefunden, wenn die zerrupfte Orange es gemacht hätte?“
Vom Machtinstrument zur persönlichen Freiheit
Durch seinen humorvollen und leicht verständlichen Stil nimmt Meik Gundermann den Druck aus den Themen. Er entlarvt Scham als das, was sie ist: ein Werkzeug, um Frauen klein zu halten. „So konserviert man Macht: indem man Verliererinnen produziert – und ihnen dann selbst die Schuld dafür gibt“, schreibt er und liefert damit die nötige Distanz, um das System zu durchschauen, statt sich selbst zu zerfleischen. Auch beim Thema Dating und Intimität bleibt er gewohnt direkt. Er räumt mit dem Mythos der „Friendzone“ auf – einem Ort, den er als „manipulativ bis auf die Knochen“ und „creepy as fuck“ beschreibt. Sein Fazit ist so simpel wie wahr: „Du willst jemandem in die Seele schauen, nicht in die Unterhose.“ Diese Direktheit ist es, die dem Buch seine Kraft verleiht: Man fühlt sich nach der Lektüre nicht belehrt, sondern schlichtweg besser gewappnet für den ganz normalen Wahnsinn da draußen.
Ein Plädoyer für die Unabhängigkeit
Doch Menners! ist mehr als nur eine Abrechnung. Es ist eine Einladung, die eigenen Bedürfnisse aus der „Abstellkammer“ zu holen. Gundermann zeigt auf, dass wahre Intimität nichts mit „Lörres-Fotos“, sondern mit Vertrauen zu tun hat. Sein Blick auf Freundschaften als „Open-Source-Liebe“ ist erfrischend und rückt eine Beziehungsform ins Zentrum, die oft nur als „Lückenfüller“ abgetan wird. Das Buch bietet zwar keinen komplett innovativen wissenschaftlichen Ansatz, liefert aber eine wichtige neue Perspektive auf Themen, die uns im Alltag beschäftigen. Es ist eine Entscheidungshilfe für alle, die genug von verstaubten Drehbüchern und „Menners-Logik“ haben. Meik macht deutlich: „Kein Mann kann heute noch behaupten, ‚er hätte das alles nicht mitbekommen.‘“
Menners! ist für alle eine absolute Leseempfehlung, die Lust auf Feminismus ohne Zeigefinger, dafür mit viel Herz und Verstand haben. Es ist eine Erinnerung daran, dass das echte Happy End nicht die Hochzeit mit dem Prinzen ist, sondern die eigene Freiheit – serviert mit einer gehörigen Portion Humor.
von Franziska Lindner

Meik Gudermann
Menners! Ein Gespräch über Männer mit deinem schwulen besten Freund
Blanvalet 2026
224 Seiten
18,00 Euro
ISBN 978-3-442-18072-1