Zsuzsa Bánk – Sterben im Sommer
Zsuzsa Bánk – Sterben im Sommer

Zsuzsa Bánk – Sterben im Sommer

Eine Geschichte über die Reise des Abschiednehmens

Triggerwarnung: Tod

Es gibt eine Art von Erschöpfung, die wir alle irgendwann erleben: Wenn ein geliebter Mensch stirbt, man* sich auf den Abschied vorbereitet und dann in der Leere zurückbleibt, die dieser Mensch hinterlässt. In Sterben im Sommer beschreibt Zsuzsa Bánk diesen Prozess in einer Klarheit und Offenheit, die den*die Leser*in die Tiefe des Verlusts nachempfinden lässt. Das Buch erzählt vom allmählichen Verschwinden, dem Tod des eigenen Vaters, wobei die Autorin auch den Umgang mit und die Begleitung durch seinen Sterbeprozess und schließlich die Zeit danach eindrücklich thematisiert. 

Inhaltlich begleitet man die Familie von Zsuzsa Bánk nach Ungarn, auf eine letzte Reise. Das Ziel hat sich ihr Vater vor seinem Tod gewünscht, doch er wird es aufgrund seiner fortgeschrittenen Krankheit nicht erreichen können – die Reise muss frühzeitig abgebrochen werden. Anstatt also, wie erhofft, einen schönen letzten gemeinsamen Sommer in der Heimat zu genießen, verbringt die Familie viel Zeit in Krankenhäusern und schließlich auf dem Friedhof. Vor sommerlicher Kulisse taucht man ein in die Trauer einer Tochter, die versucht, zu verstehen, was so unbegreiflich erscheint. Man* begleitet die Autorin in ihrem ersten Trauerjahr, kehrt mit ihr nach dem Tod ihres Vaters nach Ungarn zurück und durchlebt ihre Emotionen. Das Unverständnis, wie ein Leben so zu Ende gehen kann, die Traurigkeit darüber, mit einem geliebten Menschen nicht mehr sprechen zu können, das Vermissen und die Wut, die man* zwischenzeitlich empfindet, bis man* zu müde wird, um zu verstehen, gegen wen sie sich eigentlich richtet. Die Anstrengung, die mit trauern unweigerlich zusammenhängt, wird von Bánk immer wieder auf eine überraschend schöne Art und Weise hervorgehoben. 

„Es zählt, dass wir es erleben.“

Zsuzsa Bánk nimmt die Leser*innen mit auf eine intime und traurige Reise. Sie gewährt einen schonungslosen Einblick in ihre Gefühlswelt und in diese Ausnahmesituation, die doch jede*r irgendwann ein erstes Mal erfährt. Für Trauernde ist der Tod omnipräsent. Für den Rest der Welt ist er ein Thema, das am Rande der Gesellschaft stattfindet. Wir haben verlernt, damit umzugehen. Sterben im Sommer zeigt einen persönlichen Umgang. Eine große Empfehlung an alle, die sich mit diesem Thema intensiv auseinandersetzen möchten. Menschen, die sich damit schwertun oder momentan unter einem Verlust leiden, sollten sich das Buch vielleicht lieber für einen späteren Zeitpunkt aufheben. Die Geschichte endet trotzdem mit einer tröstenden Erkenntnis. Beim Lesen wird nämlich eine Sache deutlich: Die Liebe und Verbindung zum Verstorbenen überdauern den Tod.

von Antonia Rick

Zsuzsa Bánk
Sterben im Sommer
S. Fischer 2020
240 Seiten
22,00 Euro

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