Rabia Doğan – Trusting was the Hardest Part
Rabia Doğan – Trusting was the Hardest Part

Rabia Doğan – Trusting was the Hardest Part

Für das glückliche Herz ist immer Frühling

– ein altes kurdisches Sprichwort, das Zelal oft von ihrer Mutter gehört hat. Doch der Frühling der Protagonistin ist durchzogen von eisiger Kälte und Angst. Trusting was the Hardest Part ist Rabia Doğans zweiter Band der Hardest Part-Trilogie, eingeordnet in New Adult-Romance. In dem Roman trifft die Masterstudentin Zelal auf den Postdoc Levi Jakab, mit dem sie als studentische Hilfskraft einiges an Zeit verbringt. Zwischen Geldsorgen und dem Auf-sich-allein-gestellt-sein der Protagonistin kommen ihre Selbstfindung und tiefe Gefühle hinzu, die sich zwischen den beiden entwickeln.

„Alles ist einfach zu viel.“

Zelal ist für ihr Lehramtsstudium ohne Unterstützung nach Berlin gezogen, weg von ihrer Familie, weg von erdrückenden Erwartungen und den Leistungsanforderungen, die nicht ihre eigenen sind. Ihr Familienleben ist zerrüttet, ihr Vater abscheulich und die Summe all dessen trifft sie an manchen Tagen unerwartet. Sie sehnt sich nach aufrichtiger Liebe, nach bedingungsloser Liebe, die sie bei ihrer Familie nicht erfährt. Dort fühlt sie sich wertlos. Ihr Zuhause ist für Zelal kein Zuhause, „[d]enn geliebt zu werden, sollte einem nicht so fremd sein.“ Sie bricht den Kontakt trotzdem nicht vollends ab. Bei einem erneuten Aufeinandertreffen bekommt sie allerdings eine Wahrheit ins Gesicht geschleudert, die wehtut, aber auch einiges für sie erklärt.

Der Boden soll sich bitte unter mir spalten, damit ich verschwinden kann. In ein tiefes Versteck, wo meine Sorgen, böse Worte und Angst nicht existieren. Wo ich nicht existieren muss. Denn gerade fühlt es sich wie ein Zwang an. Alles ist ein Muss, Jetzt, Sofort. Ich komme nicht mehr hinterher, verdammt! Mein eigenes Leben hängt mich ab, dabei kann ich nur leise zuschauen und hoffen, dass es mich nicht vollends hinter sich lässt.

Zelal betreibt lieber Gedankenspiele, als wieder verletzt zu werden. Sie sagt ihre Meinung nicht unbekümmert und streitet sich nicht gern, da ihre Stimme früher nichts zählte. Dennoch arbeitet sie unentwegt daran, für sich selbst einzustehen, sich selbst zu lieben und nicht der Scham und der Angst die Übermacht zu überlassen. Warum verzeihen wir anderen, aber uns selbst nicht?

Zwischen Aufgeben und Zulassen.

Rabia Doğan erzählt Gedanken und Gefühle der Figuren – und deren Chaos – auf eine ehrliche Art und Weise. Eine Beziehung zwischen Studentin und Postdoc zu schreiben ist mit einigen Vorurteilen belastet, mit einem stetigen Machtgefälle verbunden und somit eine herausfordernde Arbeit. Zelal hat Grooming in ihrer Vergangenheit selbst erfahren, das sich bis in die Gegenwart hin auf ihr Urteilsvermögen auswirkt. Wenn beide Hauptfiguren zusammen in einem Raum sind, spüren die Lesenden jedoch schnell die authentische Umgangsweise zweier junger Menschen. Der Fachbereich, in dem Levi forscht und den sie bereits bei ihrem Vorstellungsgespräch durchschaut hat, bringt die beiden zudem näher zusammen. Bei Levi fühlt sich die Protagonistin „vollkommen unvollkommen“. Auch für ihn ist klar, dass er sich mit Zelal in die richtige Person verliebt, nur zu der unglücklichsten Zeit: „Wenn sich Untergehen so anfühlt, dann sollen sich meine Lungen endlich mit Wasser füllen. Solange ich in ihr ertrinke.“ Sein Umgang mit ihr ist mal heiß, mal kalt, was nicht nur Zelal verwirrt, sondern auch an die Lesenden die Schwierigkeit dieses Themas vermittelt, in dem die eigene Karriere mit dem Finden von Liebe zusammenstößt. Eine leichte Beklemmung ist spürbar, die der Plot-Twist erst bestärkt und dann langsam wieder herunterfährt, die jedoch nie ganz verschwindet.

„Es ist echt scheiße, dass Schmerzen uns verwunden und Narben hinterlassen, während schöne Momente nichts als flüchtige Erinnerungen sind.“ Trusting was the Hardest Part verdeutlicht, dass sich Probleme nicht von einem Augenblick zum nächsten in Luft auflösen, sondern deren Überwindung Arbeit und Zeit kosten. Und dass das Leben „verdammt kompliziert und meilenweit von perfekt entfernt“ ist, wobei Loslassen guttun kann. In Zelal und Levis Geschichte entdecken die Leser*innen Freude in den kleinen Dingen, in der gemeinsam verbrachten Zeit. Zelal gewinnt wieder Vertrauen in sich selbst und andere, was nicht nur für sie eine tägliche Herausforderung darstellt.

von Paula Heidenfelder

CW: Alkoholmissbrauch, Grooming, Sexuelle Übergriffigkeit, emotionaler Missbrauch innerhalb der Familie, körperliche Übergriffigkeit, Darstellung von Panikattacken, Rassismus, Slutshaming

Rabia Doğan
Trusting was the Hardest Part (Hardest Part 2)
Carlsen 2024
400 Seiten
14,00 Euro


https://www.carlsen.de/softcover/trusting-was-hardest-part-hardest-part-2/978-3-551-58535-6

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