Amt 44 – Talk: Hoffnung neu lernen
Amt 44 – Talk: Hoffnung neu lernen

Amt 44 – Talk: Hoffnung neu lernen

„Sitzt am Grunde der Büchse der Pandora das letzte Übel – die Hoffnung?“

Am Dienstag, den 16. Dezember 2025 ging die erfolgreiche Diskursreihe Amt 44 im Erlanger Markgrafentheater in eine weitere Runde. Erneut widmeten sich vier Expert*innen aktuellen gesellschaftlichen Konflikten, diesmal unter dem Titel „Hoffnung neu lernen“. Im Fokus stand dabei wie immer nicht die richtige Meinung, sondern die richtige Frage.

Auf dem Podium trafen Perspektiven aus Ethik und Theologie, Technologie und Digitalisierung, Aktivismus und Umweltschutz, sowie Zukunftsforschung und Wirtschaftsberatung aufeinander. Moderiert wurde der Talk von Matthias Köhler aus der Regie und künstlerischen Leitung vom Schauspiel Erlangen. Das Thema Hoffnung trifft laut ihm den Zeitgeist und es gebe viele Gründe, warum es sich lohnt, sie neu zu lernen. Dieser Konsens besteht auch zwischen den vier Gäst*innen, welche den Begriff Hoffnung jedoch sehr unterschiedlich definieren. Gesprächsweise ringen sie um eine Haltung, die weder zynisch noch naiv ist. 

„Ich bin nicht unbedingt optimistisch, aber ich lasse mir die Hoffnung nicht nehmen.“ – Prof. Dr. Peter Dabrock

In seinem Artikel Es ist fünf nach Zwölf, welcher am 20. September 2025 bei der ZEIT erschien, warnt Prof. Dr. Peter Dabrock vor der Gefährdung der liberalen Demokratie durch die Verschmelzung von Autoritarismus und Tech-Wirtschaft. Er erklärte auf der Bühne seine Perspektive auf die Polykrise und äußerte dabei mehrfach, dass Hoffnung für ihn als Theologen ein Kernthema bleibt. In seinem Eingangsstatement betonte er: Weihnachten zeigt, dass Schwaches – wie ein Kind in der Krippe – Lebensveränderndes bringt, auch und gerade jenseits aller Erwartungen.

„Das Schönste ist, dass ganz viele Menschen jeden Tag anfangen und mir Hoffnung machen.“ – Baro Vicenta Ra Gabbert

Die Greenpeace-Aktivistin Baro Vicenta Ra Gabbert schenkte interessante Einblicke in die UN-Klimakonferenz 2025 in Brasilien. Das Ergebnis sei laut ihr ein Minimalkonsens und aus dem man das Beste machen müsste, ohne zu wissen, ob es klappt. Statt rückwärtsgewandten Slogans wie „Make America great again.“ spricht sie sich für konstruktive Zukunftsgedanken aus. Besonders begeistert wurde vom Publikum ihre positive Sichtweise auf die Jugend aufgenommen. Sie machte sich stark dafür, dass Jugendliche als Expert*innen ihrer Welt ernstgenommen und ihre Interessen in der Politik stärker berücksichtigt werden.

Der Philosoph und Humboldt-Professor Dr. Vincent C. Müller, welcher sich mit der Erstellung einer Leitvision zu humaner KI-Nutzung beschäftigt, machte mehrfach einen Gegenhorizont auf, indem er den zeitlichen Rahmen größer spannte und die Frage stellte: „Wie viel übler könnte es kommen?“ Er sieht das Durchdenken des Worst Case Szenarios als Chance, um dieses zu verhindern. Außerdem spricht er sich sehr für praktische Maßnahmen zur Stärkung des gesamtgesellschaftlichen Vertrauens aus. Lautstarken Applaus erntete er für die Aussage: „Ich kann über jede Steuerklasse meckern, darf dann aber nicht alles erwarten.“

Die Zukunftsforscherin und Beraterin für Führungskräfte Carina Stöttner bekam vom Moderator mehrfach die Aufgabe zugespielt, die Aussagen der anderen Expert*innen einzuordnen und zusammenzudenken. Ihr gelang es auf charmante Weise dennoch ihre eigenen An- und Einsichten zu platzieren. Besonders zentral war dabei ihre Aussage, dass die Gesellschaft nicht so gespalten ist, wie es medial gezeichnet wird. Laut ihr gibt es eine laute Minderheit, eine leise Mehrheit und die breite Mitte braucht eine mutige Kommunikation.

Vertrauen als gemeinsames Credo

Alle vier Gäst*innen kamen zu der Einigung, dass es eine gesamtgesellschaftliche und generationsübergreifende Aufgabe ist, den Transformationsprozess zu gestalten. Das wird anstrengend, aber nötig, sagen die Expert*innen. Trotz der multiplen Krisen sei „ein kleines Bergauf“ zu verzeichnen. Vertrauen wurde dabei mehrmals als Schlüssel benannt. Prof. Dr. Peter Dabrock sagte dazu: „Es ist mega stressig, wenn wir uns nicht vertrauen, weil wir dann alles kontrollieren müssen.“ Baro Vicenta Ra Gabbert rang noch um das treffende Wort – sei es Mut, Hoffnung, Vertrauen – das Anliegen ist aber ähnlich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Talk sich an zahlreichen großen Themen abarbeitete, die überwiegend aus vier Perspektiven betrachtet wurden – jedoch nicht immer sinnvoll verbunden. Teilweise gab es große inhaltliche Sprünge, die vorwiegend durch den Moderator Matthias Köhler verursacht wurden. Er spielte den Sprecher*innen unterschiedliche Impulse zu, welche nicht immer dankbar aufgenommen wurden. Oft suchten sich die Expert*innen ihre eigenen Themen. Besonders spannend waren jene Gesprächsmomente, in denen eine Eigendynamik zwischen den Gäst*innen entstand und sie direkt aufeinander reagierten.

Insgesamt war der Talk von einer wertschätzenden Diskussionsatmosphäre geprägt, die maßgeblich vom Moderator mitgestaltet und veranlasst wurde. Besonders erfreulich war, dass die Expert*innen die Bühne nicht zur Selbstdarstellung nutzten, sondern der Relevanz der Themen Vorrang einräumten. Dies zeigte sich auch an den Reaktionen auf die Nachfragen aus dem Publikum, für die leider nicht ausreichend Zeit war, sodass einiges diffus blieb. Nichtdestotrotz war es ein sehr gelungener Abend und das Format Amt 44 – Talk ist sehr zu empfehlen. Die nächste Podiumsdiskussion folgt im März 2026 zum Thema Deutschland, mein rechter, rechter Platz ist frei.

von Jasmin Fuchs

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