Monika Kim – Das Beste sind die Augen
Monika Kim – Das Beste sind die Augen

Monika Kim – Das Beste sind die Augen

Rund und blau

CW: Armut, aufdringliches Verhalten von Männern, Blut, Body-Horror, Fetischisierung asiatischer Frauen, Mord, Mordfantasien, performative male, Psychopathie, Rassismus, Sexualisierung von Minderjährigen

In ihrem Debütroman Das Beste sind die Augen beschreibt Monika Kim das Innenleben von Ji-won, nachdem ihr Vater die Familie verlassen hat. Der mental load der Studentin ist seitdem enorm: Ihre Mutter kann die Trennung nicht verarbeiten, ihre jüngere Schwester Ji-hyun braucht eine starke große Schwester und ihre Universität droht ihr, das Stipendium zu streichen, sollten ihre Noten nicht besser werden. Bis auf ihre Familie ist Ji-won allein. Ihrer Freundesgruppe aus der Schule hat sie bereits vor einiger Zeit den Laufpass gegeben und an der Uni lernt sie nur schwer neue Leute kennen. Und bald tritt ein neues Problem in ihr Leben: George, der neue Freund ihrer Mutter. Ein weißer Amerikaner, der Ji-won und ihrer Schwester immer wieder lüsterne Blicke zuwirft, sich direkt die Machtposition innerhalb der Familie sichert und ihre Kultur mit Füßen tritt. Doch Ji-won ist trotz seines widerlichen Charakters von einer Sache an ihm absolut fasziniert: von seinen blauen Augen, die sie bis in ihre Träume verfolgen und sich mit ihrer Vorliebe für das Verspeisen von Fischaugen vermischen…

„Natürlich würde ich Georges Augen niemals wirklich essen wollen. Ich rede mir ein, dass es eher eine Art morbide Faszination ist, die mich antreibt.“

Kim hat mit Das Beste sind die Augen einen äußerst spannenden Roman geschaffen, der tief hinein in eine an Wahnsinn grenzende Obsession blickt und dabei nicht auslässt, welche Belastung diese für die Protagonistin darstellt. Auch feministische Einschübe lassen sich finden, die auf vibrierende Weise die Wut darüber ausdrücken, dass sich die männlichen Figuren einfach nehmen, was sie wollen. Neben diesem Punkt wird außerdem Kritik an der in verschiedenen Formen auftretenden Fetischisierung von asiatischen Frauen geübt.

Die Charakterzeichnung ist der Autorin brillant gelungen. Durch eingefügte Vorgeschichten zu den Figuren lässt sie sich verstehen, innere Kämpfe werden durch eine Sprache, die direkt, eindringlich und ohne verbergende Metaphern funktioniert, hervorragend nachvollziehbar.

Insgesamt ein großartiges Buch, das female rage mit Body-Horror sehr geschickt verbindet!

von Hannah Orth

Monika Kim
Das Beste sind die Augen
Aus dem Englischen von Jasmin Humburg
Kiepenheuer & Witsch Verlag 2025
352 Seiten
23,00 Euro
ISBN 978-3-462-00998-9

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