Florian Schäfer und Elif Siebenpfeiffer – Aufstand der Fabelwesen
Florian Schäfer und Elif Siebenpfeiffer – Aufstand der Fabelwesen

Florian Schäfer und Elif Siebenpfeiffer – Aufstand der Fabelwesen

„Jede Epoche hat ihre Geheimnisse, die es zu entdecken gilt.“ 

– 

Da es sich hier um eine Rezension des dritten Bandes von Konstantin O. Boldts Expeditionen handelt, folgen kleinere Spoiler. Es empfiehlt sich die Besprechungen zu den vorherigen zwei Bänden Fast verschwundene Fabelwesen und Verborgene Fabelwesen der Meere vorab zu lesen.

Im Frühjahr 1866 ist überall in Europa ein Wandel zu spüren. Die magischen Völker wurden zwar vertrieben und sind aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden, doch aus den Meeren erhebt sich eine Armee, die sich das durch die Menschen verlorene Land, mit Gewalt zurückerobern will.

Die bei einem Kongress der „Society of the Supernatural Studies“ gegründete Elpís Gesandtschaft hat es sich zum Ziel gemacht, die verborgenen Reiche der kulturschaffenden Fabelwesen aufzusuchen und sie um Beistand zu bitten. Auch der Mythozoologe Konstantin O. Boldt ist Teil dieser Gruppe. Auf der Expedition, die er in diesem Band unternimmt, geht es um mehr als das Retten und Erforschen von Fabelwesen. Es ist eine diplomatische Mission von höchster Wichtigkeit für den Frieden.

Es dauert zwar recht lange, bis seine Reise beginnt, doch dann wird die Suche nach intelligenten Fabelwesen aus dem vorherigen Teil intensiviert. Konstantin muss versuchen, das zurückgezogenen Moosvolk in den Wäldern und die Zwerge in ihren Hallen aufzuspüren und sie von einer friedlichen Koexistenz von Menschen und Fabelwesen überzeugen.

Während seiner Suche wird der sich anbahnende Krieg mit seinen Überschwemmungen und brechenden Dämmen über Zeitungsartikel vermittelt. Dennoch bleiben Konstantin und die Geschichte etwas isoliert von den Geschehnissen.

„Waren wir Menschen nicht die Feinde, die es zu bekämpfen galt?“

Besonders spannend ist es in diesem Band die Auswirkungen der Handlungen aus den vorherigen Büchern zu beobachten. Beispielsweise wurde der Wald von Dean, da sein Schutzgeist ins Refugium übergesiedelt wurde, ungehindert für den Bergbau erschlossen und abgeholzt. Nach den verstärkten Angriffen der Seeungeheuer im zweiten Band wird auch die voranschreitende Militarisierung und die steigenden Spannungen zwischen den europäischen Staaten deutlich. Es wird natürlich auch Neues in die Geschichte gebracht und so erhält die Frage um die Herkunft und Entstehung der Fabelwesen viel Raum.

Wie schon in den vorherigen Bänden sind die Illustrationen von Elif Siebenpfeiffer überaus beeindruckend und detailliert. In Verbindung mit Florian Schäfers einfachem Tagebuchstil, den er mit sachlichen Informationen auf Zettelchen und Zeitungsausschnitten supplementiert, wird aus dem Buch ein literarisch illustriertes Gesamtkunstwerk.

In diesem Band, wie auch der gesamten Reihe, wird die Hoffnung auf eine Koexistenz mit den Fabelwesen behandelt. Da ihr Leid als Metapher für die Umweltzerstörung der Menschen fungiert, wird die Geschichte leider überaus relevant und zeitgemäß.

Dies ist das letzte Abenteuer von Konstantin O. Boldt. Er ist von einem Sammler und Bewahrer schlussendlich zu einem Vermittler und auch Helden geworden. Seine kurzen Streifzüge außerhalb Europas deuten jedoch an, dass die magische Welt noch viel zu bieten hat und Aufstand der Fabelwesen vielleicht doch nicht das letzte Mal ist, dass wir ihn zu Gesicht bekommen.

von Victoria Dimeo

Florian Schäfer
Aufstand der Fabelwesen. Die dritte sagenhafte Expedition des Konstantin O. Boldt
Illustrationen von Elif Siebenpfeiffer
arsedition 2025
208 Seiten
32,00 Euro
ISBN 978-3-8458-6656-7

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert