„Was du hoffst, bestimmt, wie du lebst.“
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CW: christlicher Fundamentalismus, Hölle
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In seinem christlichen Fachbuch Es ist vollbracht! Oder doch nicht? versucht Martin Thoms Antworten zu geben auf Einwände zur Fantasie der Allversöhnung. Sein Buch bietet einen christozentrischen, biblisch begründeten und hoffnungsgesättigten Optimismus als Gegenentwurf zum Damoklesschwert der Fantasie der Hölle.
„Die Allversöhnung negiert weder die Exklusivität Christi und die Souveränität Gottes noch die biblische Botschaft noch die Gerechtigkeit Gottes noch die Notwendigkeit der freien Zustimmung noch den Sinn von Kirche, Ethik und Mission.“
Diese fünf Kernpunkte wurden vielfach als Argumente gegen die Allversöhnung verwendet. Thoms zeigt nun auf, warum er glaubt, dass diese Argumente der Allversöhnung nicht widersprechen, sondern diese sogar begründen. Nach einer ausführlichen Einleitung – inklusive eines kurzen historischen Abrisses – geht der Autor in fünf Kapiteln strukturiert auf die einzelnen Argumente ein und prüft diese anhand der Bibel. Dabei greift er auf zahlreiche Ausführungen anderer Theolog*innen zurück. Daran zeigt sich gleichermaßen seine intensive Auseinandersetzung mit dem Diskurs, sowie sein eigenständiges Weiterdenken. Durch die Verwendung von Fußnoten wird leicht ersichtlich, auf welche Theolog*innen er sich bezieht. Dank der angenehmen Struktur aus Frage, theologischen Ausführungen, Zuspitzung und Fazit setzt Thoms eigene Gedanken geschickt in Beziehung zum Diskurs und macht transparent, welchen Argumentationslinien er folgt. Besonders lobenswert ist, dass teilweise mehrere Denkrichtungen ausgeführt werden. So sind zum Beispiel im Kapitel zwei Die Frage nach der Gerechtigkeit nacheinander die Ansätze von Ottmar Fuchs, Eberhard Jüngel und Jürgen Moltmann dargestellt.
„Die Fantasie der Allversöhnung wäre also nur dann eine Spekulation, wenn wir der Offenbarung Gottes in Christus nicht vertrauen könnten. Denn in Christus offenbart sich Gott als der Versöhner der ganzen Welt. […] Und: In Christus offenbart sich Gott als Liebe.“
Vielen Passagen merkt man deutlich an, dass der Autor ein studierter Theologe ist und als solcher schreibt er teils sehr komplexe Sätze, welche ein fundiertes Vorwissen und eine grundlegende Kenntnis der biblischen Botschaft voraussetzen. Da er jedoch die zentralen Argumente der einzelnen Theolog*innen, auf die er sich bezieht, angemessen paraphrasiert oder treffend zitiert, ist das Buch auch ohne Theologiestudium verständlich. Trotzdem lohnt es sich, einige Passagen mehrfach zu lesen, um sie wirklich zu durchdringen.
„Es geht also in Wahrheit um ein positives Bewegtsein aus herzlicher Liebe und Erbarmen heraus, nicht um ein negatives Bewegtsein, dass sich aus einer religiösen Existenz- und Höllenangst speist.“
Genau jenes positive Bewegtsein spürt man bei Thoms und man wird beim Lesen regelrecht mitgerissen von seiner Begeisterung für das Evangelium und die Liebe Gottes. Sein authentisches Ringen um Antworten bahnt den Weg, um frei zu werden von religiösen Ängsten und gefährlichen Gottesbildern. Es ist vollbracht! Oder doch nicht? ist definitiv zu empfehlen, auch wenn es sich durchaus um eine anspruchsvolle Lektüre handelt.
von Jasmin Fuchs

Martin Thoms
Es ist vollbracht! Oder doch nicht?
Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2025
252 Seiten
35,00 Euro
ISBN 978-3-374-07869-1