ETA Hoffmann – Vernissage von Robert Seethaler
ETA Hoffmann – Vernissage von Robert Seethaler

ETA Hoffmann – Vernissage von Robert Seethaler

„Mich interessiert das auch nicht. Mich interessiert, ob die Bilder richtig hängen.“

CW: Alkoholsucht, Sexismus, sexuelle Belästigung, Suizidgedanken, Tod

Am 30.04.2026 fand die Uraufführung des Theaterstücks Vernissage vom Wiener Schriftsteller Robert Seethaler statt. Nachdem fast alle der erfolgreichen Romane von Seethaler für die Bühne adaptiert wurden, schrieb er nun sein erstes Bühnenstück.

Das Stück spielt in der Galerie der Kayserlings, welche nicht nur mitten in einem Generationswechsel, sondern auch in einer tiefen Krise steckt. Wo einst Scharen versammelt waren und großen Künstlern ihr Durchbruch gelang, herrscht nun gähnende Leere. Ausgerechnet Alexander (Daniel Warland), ein leider nur mittelmäßig begabter Künstler, soll jetzt das Ruder rumreißen und für einen erfolgreichen Auftakt der Galerie unter der neuen Leitung von Peter Kayserling (Florian Walter) sorgen. So ganz lässt sich sein Vater Wilbert (Florin Walter) das Zepter aber noch nicht aus der Hand nehmen und fordert, noch einmal die Eröffnungsrede halten zu dürfen. Auch Peters Schwester Henriette (Alina Rank) will mitreden. Offiziell führen die Geschwister die Galerie gemeinsam, aber trotz Kunststudium scheint Henriette keine Relevanz zu haben. Auch Peters alkoholsüchtige Ehefrau Hedda (Babara Wuster) und Cornelius (Leon Tölle), der Assistent seines Vaters sorgen für Schwierigkeiten, die sich ausgerechnet in der Nacht vor der Vernissage zuspitzen. Während die Praktikantin Lotte (Sophie Angehrn) und der Hausmeister Helmut (Marek Egert) versuchen, die Wogen zu glätten und die Vernissage bestmöglich vorzubereiten, eskaliert der Streit zwischen den Familienmitgliedern.

„Kunst ist nicht Luxus, sondern Notwendigkeit.“

Seethaler ist es gelungen, acht einzigartige und charakterstarke Figuren zu gestalten, welche von allen Schauspieler*innen großartig verkörpert wurden. Der Handlung fehlt es jedoch insgesamt an Leichtigkeit und Witz, obwohl es sich um eine Satire handelt. Es wird vielfach mit bekannten Theatereffekten gearbeitet, was für Irritationen sorgt, da sich inhaltlich permanent kritisch mit dem traditionellen Kunstverständnis auseinandergesetzt wird. Durch den Einsatz von Musik wird das Stück mit einer Schwere aufgeladen, die vermutlich die Traurigkeit über den Wandel der Kunstwelt und den Abschied von geschätzten Idealen zum Ausdruck bringen soll. Obwohl sie durch Tanzeinlagen unterhaltsam ausgeschmückt werden, bringen sie die Handlung kaum voran.

„Vielleicht habe ich auch gar nichts verstanden und einfach nur Glück gehabt.“

Insgesamt handelt es sich bei Vernissage um eine interessante Auseinandersetzung mit Kunst und dem sich wandelnden Verständnis derselben, sowie weiteren hochrelevanten Themen wie Generationskonflikten und Geschlechterrollen. Leider fehlte es an einigen Stellen an originellen Impulsen dazu, wie sich Kunst weiterentwickeln könnte.

Weitere Aufführungen finden am 02.05., 03.05., 07.05., 08.05., 09.05., 13.05., 15.05., 05.06. und 06.06. jeweils 19:30 Uhr, sowie am 10.05. 18:00 Uhr statt.

von Jasmin Fuchs

Fotos: ©: Marian Lenhard

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