Der Teufel trägt… weniger Prada
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Zwei Jahrzehnte nach ihrer Zeit bei „Runway“ hat sich Andrea „Andy“ Sachs (Anne Hathaway) als seriöse Reporterin etabliert. Doch eine plötzliche Entlassung zwingt sie unverhofft in ihre Vergangenheit zurück: Während Miranda Priestly (Meryl Streep) bereits mit einem medialen Ausbeutungsskandal und der digitalen Transformation des „Runway“-Magazins kämpft, wird sie durch die Geschäftsführung, ohne ihr vorheriges Wissen, mit der Rückkehr ihrer ehemaligen Assistentin Andy konfrontiert. „Runway“ leidet unter schwindenden Print-Zahlen und dem Druck, auf flüchtige Online-Inhalte zu setzen, was die einst unantastbare Miranda in eine ungewohnte Defensive drängt. Während Andy zwischen journalistischem Idealismus und ihrer alten Rolle balanciert, drohen interne Machtkämpfe sowie Übernahmepläne – etwa durch den wohlhabenden Benji (Justin Theroux) und die als Rivalin auftretende Emily (Emily Blunt) – das Magazin zu destabilisieren. Unterstützt von Nigel (Stanley Tucci) und im Spannungsfeld zwischen den harten Unternehmensinteressen des neuen Konzernchefs Jay (B.J. Novak), Andys neuem Partner Peter (Patrick Brammall) und dem drohenden Aus der Print-Ära, versucht der Film, die Dynamik von damals in eine unsichere Gegenwart zu übertragen.
Die Reaktionen auf das Werk fallen schon jetzt geteilt aus. Für ein Publikum, das den Film losgelöst von den hohen Erwartungen an den Klassiker betrachtet, bietet das Geschehen durchaus unterhaltsame Momente. Doch ein direkter Vergleich mit der Vorlage offenbart eine deutliche Diskrepanz. Während der erste Teil durch scharfen Witz und eine präzise Beobachtungsgabe bestach, präsentiert sich diese Fortsetzung in einer überraschenden Sanftheit. Der einst gefürchtete Biss der Modewelt scheint verflogen; selbst Miranda Priestly agiert in weiten Teilen der Handlung als eine fast schon zugängliche Figur, was ihrer ikonischen Rolle die charakteristische Bedrohlichkeit nimmt.
Besonders in der dramaturgischen Struktur zeigt der Film Schwächen und auch die Charakterzeichnung ist in diesem Zusammenhang kritisch zu betrachten. Mit Ausnahme von Nigel, der als einziges Element eine konstante und authentische Brücke zur Vergangenheit schlägt, wirken die Figuren oft wie blasse Karikaturen ihrer selbst. Meryl Streep glänzt zwar in jedem Moment, in dem sie zu sehen ist, doch das Drehbuch lässt sie im Stich: Miranda wirkt weichgespült, ihr gefürchteter „Teufelsstatus“ weicht einer unerklärlichen Nettigkeit. Auch die Entwicklung von Andy Sachs erscheint wenig organisch; ihre Positionierung als „Retterin“ in diversen Situationen – sei es für Miranda, Emily oder Nigel – wirkt konstruiert und untergräbt die Glaubwürdigkeit der erzählten Geschichte.
Überdies bleibt die Chemie zwischen den Figuren hinter den Möglichkeiten zurück. Dies gilt insbesondere für die männlichen Nebenfiguren, die der Handlung kaum Mehrwert verleihen. Der neu eingeführte Partner an Andys Seite, wirkt in seiner Zeichnung flach und für den Fortgang der Handlung entbehrlich, was die Frage aufwirft, warum dieser Charakter überhaupt in das Drehbuch integriert wurde – es scheint, als wäre fast zwanghaft versucht worden, einen Partner für Andy zu integrieren. Ähnliches gilt für den von BJ Novak verkörperten Charakter: Diese Figur mutet wie eine flache Parodie auf moderne Business-Archetypen an und wirkt im Kontext der mondänen Modewelt an der Seite von Emily seltsam deplatziert.
Diese konzeptionellen Probleme ziehen sich durch das gesamte Drehbuch. Zentrale Konflikte, die für die Spannung essenziell wären, werden häufig lieblos über Telefonmontagen gelöst, anstatt sie erzählerisch organisch wachsen zu lassen. Auch technisch bleibt das Werk hinter den Erwartungen zurück: Die Beleuchtung wirkt in vielen Szenen übersteuert, was der eigentlich glamourösen Welt der Mode ein Stück weit ihre Eleganz nimmt. Einzig vereinzelte visuelle Momente, wie eine ästhetische Aufnahme von Miranda auf einem Marktplatz, lassen das Potenzial erahnen, das in der Inszenierung steckte.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Teufel trägt Prada 2 ist ein Werk, das zwar für Nostalgiker Momente der Freude bereithält, aber als eigenständiges Projekt an seinem eigenen Erbe scheitert. Wer eine Fortsetzung erwartet, die das Herz und die beißende Brillanz des Originals einfängt, wird enttäuscht werden. Es ist ein Film, der zwar eine Saison überdauert, aber kaum das Potenzial hat, ein zeitloser Klassiker zu werden.
Die Vorstellungen im Odeon Bamberg finden vom 3. Mai bis 8. Mai täglich (außer sonntags) um 16:20 Uhr sowie abends um 20:30 Uhr (bzw. 20:25 Uhr) statt. Eine Sondervorstellung in der englischen Originalfassung (OMU) wird am Sonntag, den 3. Mai, um 20:30 Uhr angeboten.
von Franziska Lindner

David Frankel
Der Teufel trägt Prada 2
USA 2026
113 Minuten
FSK 12






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