Eine ausgestreckte Hand
Von der Fachschaft Humanwissenschaften ausgerichtet, versammelten sich am Abend des 30.04.2026 im Irmler-Musiksaal Künstlerinnen und Zuschauende zum vierten Poetry Slam „Slam gegen’s Stigma“. Diesmal rund ums Thema Mentale Gesundheit und psychische Krankheiten.
Der Poetry Slam wird vom AK Poetry Slam organisiert, welcher in einem offenen Aufruf nach Texten passend zum gewählten Thema suchte. Bisher fand der Poetry Slam einmal im Jahr statt, aber es ist geplant ihn einmal pro Semester anzubieten. Man musste nicht zwingend Mitglied der HuWi oder der Uni Bamberg sein, um am Poetry Slam teilnehmen zu können. Der Abend ist absichtlich als wertfreier Raum gestaltet, die teils sehr persönlichen Beiträge der Poetry Slammerinnen sind für Aufklärung und Sichtbarkeit da, nicht um diese zu bewerten. Es wird um Applaus gebeten, wenn man seine Meinung ausdrücken will und um Consent, sollte man mit den Künstler*innen ins Gespräch zu ihren Beiträgen gehen wollen.
„Tränen trinken, Perlen pinkeln“
Eröffnet wird der Abend von einer kleinen informellen Rede von Prof. Dr. Jörg Wolstein, Dozent für Pathopsychologie. Die Moderation wird von einem Duo des AK Poetry Slam übernommen, das mit Ruhe und Charme durch den Abend führt.
Das Programm ist eine Abwechslung aus künstlerischen Beiträgen und Hilfsangeboten rund um mentale Gesundheit. Vor jedem Beitrag werden die Künstlerinnen mit Pronomen und einer kleinen Vita vorgestellt, sowie die Content-Warnungen vorgelesen. Die Sorgfalt, mit der der Abend gestaltet wurde, ist überall zu merken, so ist vor Ort ist eine Ansprechperson in Form einer Psychologin anwesend, falls man über die Themen aus den Slams reden möchte. Zudem gibt es einen Awareness-Raum, in den man sich zurückziehen kann. Es wird von der Moderation auch ebenfalls immer wieder freigestellt, den Raum zu verlassen, sollte ein Beitrag zu nahe gehen.
Kunst ohne Wertung
Ein Poetry Slam Beitrag besteht aus einem selbst verfassten Text, mal gereimt, mal eher frei und umfasst zwischen fünf bis sieben Minuten. Die Beiträge selbst setzen sich auf vielen Ebenen mit mentaler Gesundheit auseinander, vom Leidensdruck und Erwartungshaltungen, von Fehldiagnosen und wachsendem Misstrauen ins Gesundheitssystem, von sexuellem Übergriff und Selbstverletzung. Es geht um zerrüttete Elternhäuser, schwindende emotionale Bindungen, selbstzerstörerische innere Kritiker, Glaubenskonflikte aufgrund des erlebten Leidens – und dennoch schwingt in jedem Beitrag ein bisschen Hoffnung mit.
Hoffnung, weil man immer noch da ist.
Hoffnung, weil man auf sich selbst vertraut hat.
Hoffnung, weil man doch nicht allein ist.
Hoffnung, weil so viele Menschen einem gerade zuhören.
Insgesamt acht Poetry Slams von sieben Künstlerinnen sind zu sehen, zwei Musiker*innen runden den Abend an Piano und Gitarre ab. Zwischen den Slam-Beiträgen stellen sich zusätzlich Hilfsangebote an der Uni vor, sodass man Zeit hat, die Texte und Inhalte zu verarbeiten, und zudem noch lernt, welche Anlaufstellen es bei verschiedenen Herausforderungen gibt. In der Pause wird ein kostenfreies Buffet angeboten, sowie eine Möglichkeit, frische Luft zu schnappen, um kurz durchzuatmen.
Der ganze Abend ist mit Sorgfalt und Verantwortung organisiert, was es ermöglichte einen offenen, warmen Raum für schwere Themen zu gestalten. Ein großes Hindernis bei mentalen Erkrankungen ist das Gefühl der Isolation, der Scham, des Allein-seins. Dieser Abend wurde als die Anti-These dazu erschaffen.
von Friederike Brückmann