Jaqueline Scheiber – Schwimmen / Schweben
Jaqueline Scheiber – Schwimmen / Schweben

Jaqueline Scheiber – Schwimmen / Schweben

Ein Liebesbrief an das Strömende im Leben und die Fähigkeit, in unserem Alltag und unseren Gedanken beweglich zu bleiben.

Ein Essay über den Mut, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen.

Jaqueline Scheiber hat in ihrem bisherigen Leben sportliche Aktivitäten eher gemieden, aus Unsicherheit, und der Angst, als Außenseiterin entlarvt zu werden. Doch eines Tages, angeregt durch die Begegnung mit einer Bekannten, nimmt sie ihren ganzen Mut zusammen und geht schwimmen – und betritt damit eine neue Welt, die ihr vorher völlig fremd war. Mit jeder Bahn fühlt sie sich leichter, und sie findet eine tiefe, innere Ruhe.

Ihr autobiographisches Essay Schwimmen / Schweben beschäftigt sich unter anderem damit, wie schwer es ist, Dinge neu anzufangen und wie viel Druck wir uns machen, sie auch durchzuziehen. Stets begleitet von Unsicherheit, Scham oder erlernter Dickfeindlichkeit, Gefühle, die den Beginn noch viel schwieriger machen, doch sich im Schwebegefühl des Schwimmens bald in Luft auflösen. Besser noch, das Wasser zeigt auch nachdem man wieder ins Trockene zurückgekehrt, ist eine bleibende Wirkung.

Neben der Frage nach neuen Routinen berührt der Essay auch verschiedene gesellschaftspolitische Ebenen des Schwimmens. Durch ihre Großmutter, die nie schwimmen lernen durfte, und ihre Mutter, die als ungarische Leistungsschwimmerin in Wettbewerben antrat, ist Schwimmen fest in Scheibers Familiengeschichte verankert. In Textpassagen über Barrierefreiheit, Burkini-Debatten oder dem Recht nach Abkühlung schlägt sie mit ihrem Text eine starke Brücke zwischen persönlichen Erfahrungen und gesellschaftlichen Konflikten. Und sie erinnert auch daran, dass das Mittelmeer für manche ein Erholungsort, und für andere ein Überlebenskampf ist. In Schwimmen / Schweben schafft Scheiber eine Balance zwischen privat und politisch, die dieses Buch besonders wertvoll und außergewöhnlich macht.

„Was ich bin, kann immer auch ergänzt werden – um eine Fußnote, oder um eine ganze Welt“

Durch die Erfahrungen der Autorin im Schwimmsport werden in diesem Essay auch viele gesellschaftliche Themen angeschnitten, wie Identität, Wohlbefinden, Körperwahrnehmung oder Klassismus. So beleuchtet sie unter anderem auch die kritischen Aspekte von Self Care und den allgegenwärtigen Körperoptimierungstendenzen, sodass sich Leser*innen mit verschiedensten Passagen des Buchs identifizieren können, trotz unterschiedlicher Berührungspunkte mit Wasser. Durch die eingestreuten Forschungsergebnisse und Artikel gewinnt der Text zusätzlich an Tiefe und Ausdruckskraft.

Der Essay Schwimmen / Schweben ist von vorn bis hinten stimmig, und durch die wunderschöne Sprache und klugen Beobachtungen entsteht ein kraftvoller Text, bei dem man selbst Motivation bekommt, den eigenen Horizont zu erweitern und Neues auszuprobieren.

von Johanna Listl

Jaqueline Scheiber
Schwimmen / Schweben  
Leykam Verlag 2026
144 Seiten
22,50 Euro
ISBN 978-3-7011-8403-3

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