„Augen zu. Eine Sekunde warten. Augen auf.“
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CW: Psychosen, Tod
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Marko und Claire haben ihr Abi in der Tasche und nun steht ihnen die Welt offen. Er träumt vom Medizinstudium, erhält jedoch trotz Bestnoten nur Absagen von den Universitäten. Der einzige Ausweg: Budapest. Obwohl die Kosten unbezahlbar scheinen, will sein Vater ihn unterstützen und nutzt dafür jede Option. Wo Hoffnung wachsen sollte, beginnt jedoch bald Chaos. Nichts läuft wie geplant. Claire will nach München ziehen und Kommunikationswissenschaft studieren und auch sie muss zurückstecken: Nicht nur die Beziehung zwischen den beiden geht in die Brüche, sondern auch gesundheitliche Probleme erschweren ihr Leben.
In seinem zweiten Roman Salto erzählt Kurt Prödel von der großen Freiheit, wenn das Leben endlich beginnt, und der bitteren Enttäuschung, wenn die eigenen Pläne zerbrechen. Prödel nutzt diese Ausgangssituation, um auf Themen hinzuweisen, die in der Literatur bisher viel zu wenig beleuchtet wurden, und verleiht seiner Coming-of-Age Story damit einen originellen Twist.
„Ich denke, dass Menschen wie Meteoriten sind. Sie streifen dich, und für einen Momenten brennt alles, alles wird hell, alles wird warm. Dann ziehen sie weiter.“
Prödels Schreibstil überzeugt erneut mit einzigartigen Formulierungen und präzisen Beobachtungen von alltäglichen Momenten. Ihm gelingt es durch wenige Details lebendige Szenen zu schreiben und Gefühle zu wecken. Die Figuren bleiben jedoch streckenweise unzugänglich, wodurch eine Langatmigkeit entsteht, über die selbst kurze Kapitel und schnelle Dialoge nicht hinwegtäuschen können. Obwohl die Lebensphase, direkt nach der Schule, oft geprägt ist von Veränderung und persönlichem Wachstum, ist bei Marko kaum Charakterentwicklung vorhanden. Sehr gelungen hingegen ist die Figur seines Vaters Frank, sodass man sich gegen Ende fast fragen könnte, ob er nicht die bessere Hauptfigur gewesen wäre.
Erfreulich ist, dass Salto entgegen dem aktuellen Mainstream nicht nur vom individuellen Erfolg oder Scheitern der Protagonisten geprägt ist, sondern auch systemische Fragen in den Blick genommen werden. Der Autor wirft einen differenzierten Blick auf persönliche und gesellschaftliche Verantwortung.
Insgesamt lässt sich sagen, dass der neue Roman von Kurt Prödel leider nicht mit seinem herausragenden Vorgänger Klapper mithalten kann. Trotzdem handelt es sich um eine bemerkenswerte Coming-of-age Stroy, die man so sicherlich noch nicht gelesen hat.
von Jasmin Fuchs

Kurt Prödel
Salto
park x ullstein 2026
227 Seiten
22,00 Euro
ISBN 9783988160706