Geht das auch anders? – Drei Antwortversuche
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Der dreiteilige Ballettabend Les Ballets Actuels von Justin Peck, Kirsten Wicklund und Richard Siegal am Staatstheater Nürnberg bietet drei experimentelle Stücke, welche je auf ihre eigene Weise die Grenzen des Balletts austesten. Es ist das letzte von drei Programmen aus der Reihe Ballet of Difference – eine Suche nach neuen Visionen des Verhältnisses des Balletts zur Gegenwart vor dem Hintergrund zeitgenössischer Musik.
Hurry Up, We’re Dreaming von Justin Peck spielt mir der Musik von M83, welche geprägt ist von schnellen Elektro-Pop-Klängen. Diese Schnelligkeit spiegelt sich auch in den Bewegungen der Tänzer*innen wider, die immer wieder in verschiedenen Formationen auf der Bühne rennen. Das Stück kommt im Gewand von Alltäglichkeit, Leichtigkeit und Lebensfreude daher und zelebriert das Schöne mitten im gewöhnlichen Leben. Vervollständigt wird dieser Eindruck von glitzernden Kostümen und Sneakern.
Overcast von Kirsten Wicklund stellt einen deutlichen Kontrast dazu her. Ein dynamischer Pas de deux in warmem Licht und hautengen schmucklosen Kostümen bildet das Herzstück des zweiten Teils des Abends. Das atmosphärische Lichtdesign von James Proudfoot wirft die Schatten der Tanzer*innen auf eine große Leinwand. Diese schlichte Installation verleiht dem Ballett eine interessante zweite Ebene, die neue Blickwinkel eröffnet. Besonders gelungen ist dabei der Wechsel aus synchronen und interaktiven Bewegungen.
Der Abend schließt ab mit Richard Siegals My Generation – ein Ausdruck von Jugendkultur und Rebellion, in dem zahlreiche Tanzstile zusammenfließen und eine Verbindung zwischen den vorhergehenden Stücken geschaffen wird. Gerade dieser dritte Teil kam beim gemischten Publikum sehr gut an.
Les Ballets Actuels gelingt es, drei eigenständige Werke gekonnt miteinander zu kombinieren, sodass die jeweiligen Stärken durch die Kontraste noch deutlicher hervortreten. Insgesamt lässt sich eine deutliche Empfehlung für alle aussprechen, die bereit sind, traditionelle Grenzen zu weiten und sich mitnehmen zu lassen, auf die Suche nach zeitgenössischen Ausdrucksformen zwischen Hochkultur und Alltag.
Weitere Aufführungen finden am 14.05. um 18:00 Uhr, 19.05. um 19:30 Uhr, 23.05. um20:00 Uhr, 25.05. und 04.06. um 18:00 Uhr, 12.06., 18.06. und 26.06. um 19:30 Uhr sowie am 01.07. um 20:00 Uhr statt.
von Jasmin Fuchs


Staatstheater Nürnberg Ballet of
Difference

Reiners

Honda

Livial Gil, Lucas Axel, Samuele
Ninci

Benedetta Musso

Renata Peraso

Fotos: © Pedro Malinowski