Manuel Gräßlin – Theophobie
Manuel Gräßlin – Theophobie

Manuel Gräßlin – Theophobie

Gott ist gut, aber nicht sicher.

CW: christlicher Fundamentalismus, religiöser Druck

Diese These beleuchtet Manuel Gräßlin, Pastor vom ICF-Karlsruhe und Dozent am Theologischen Seminar St. Chrischona, in seinem christlichen Ratgeber Theophobie. Gräßlin stellt eine Reihe von Fragen mit religiösem Triggerpotenzial vor und arbeitet sie systematisch auf. Er fordert dazu auf, Zweifel zuzulassen und dadurch zu einem reiferen Glauben zu gelangen. Seine Wortneuschöpfung Theophobie bezeichnet dabei das Kleingedruckte der Bibel bzw. Passagen, die in christlichen Kreisen teilweise verschwiegen werden, aus Angst davor, dass sie dem persönlichen Glauben schaden könnten. Außerdem beschreibt sie die Sorge, dass Gott anders ist, als wir es denken.

„Ja, Gott ist ganz anders. Ein Gott, der sich unseren Vorstellungen entzieht. Immer wieder neu.“

Gräßlin nutzt Fragen, die ihn in seinem eigenen Glaubensleben bewegen, als Ausgangspunkt, um über unterschiedliche Facetten der Theophobie zu schreiben. Dabei wagt er gleichermaßen Dekonstruktion und Rekonstruktion, während er darum ringt, Dissonanzen verständlich zu machen, ohne sie voreilig harmonisieren zu wollen. Vorwiegend widmet er sich zentralen christlichen Themen wie der Frage, was die Bedeutung der Kreuzigung von Jesus Christus ist, und erwähnt kaum Detailfragen, wodurch eine klare Fokussierung entsteht. Leider stellt sich schnell heraus, dass Gräßlin größtenteils auf bereits viel zitierte Antworten von zum Beispiel C.S. Lewis und Timothy Keller zurückgreift und das Buch, trotz des innovativen Ansatzes, große Ähnlichkeit zu anderen christlichen Sachbüchern aufweist. Überraschend hingegen ist, dass auch Perspektiven von jungen Theologen wie Martin Thoms anklingen.

„Denn vielleicht mag unser Glaube nichts Großes zu tun, weil er nicht klein genug ist. Weil er eben nicht so klein ist wie ein Senfkorn, von dem Jesus spricht. Vielleicht bedarf er deshalb einer heilsamen Verkleinerung.“

Gräßlin bezieht sich in seinen Ausführungen auf zahlreiche andere Theolog*innen. Dabei gelingt es ihm sehr gut, ein Spektrum an verschiedenen Positionen aufzuzeigen. Er setzt sich gleichermaßen mit fundamentalistischen, (post-)evangelikalen, liberalen und (neo-)orthodoxen Positionen auseinander, was bisher nur wenigen Autor*innen gelungen ist. Dadurch leistet sein Buch einen wertvollen Beitrag zum interkonfessionellen Dialog. Trotzdem merkt man deutlich, wo der Autor sich selbst verortet. Lobend hervorzuheben ist, dass er in allem die Liebe betont: „Entscheidend ist nicht, ob du (noch) mehr Bibel liest, mehr betest, mehr fastest, mehr spendest oder wie viel du all die anderen christlichen Praktiken tust… Nein! Geistliche Reife misst sich daran, ob du deine Mitmenschen liebst.“

Gräßlins Schreibstil ist sehr locker und leicht verständlich, sodass sich das Buch schnell lesen lässt. Er nutzt alltagsnahe Beispiele, um seine theologischen Ausführungen zugänglich zu machen, sodass sich das Buch auch gut für Jugendliche eignet.  Auch der gelungene Buchsatz sorgt für ein angenehmes Leseerlebnis.

Insgesamt handelt es sich um ein gelungenes Sachbuch, welches leicht verständlich ist und sich deshalb besonders für junge Menschen eignet. Christ*innen, die sich jedoch bereits intensiv mit herausfordernden christlichen Fragestellungen beschäftigt haben, werden vermutlich kaum neue Ansätze finden.

von Jasmin Fuchs

Manuel Gräßlin
Theophobie
R. Brockhaus 2026
224 Seiten
22,00 Euro
ISBN 9783417010763

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert