Ist Liebe allein genug?
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CW: Drogenkonsum
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Alma und Théo lernen sich im Sommer in Frankreich kennen, als Théo seinen Vater unterstützt, den Grabstein für Almas Großvater herzustellen. Schnell merken die beiden, dass sie wie füreinander gemacht sind und ihre Wertevorstellungen, ihre Gefühle füreinander und die Atmosphäre, wenn sie Zeit miteinander verbringen, einfach perfekt passen. Doch nach dem perfekten ersten Sommer müssen beide zurück in den Alltag finden. Obwohl Théo Alma nach München hinterherzieht, um dort ein Architekturstudium zu beginnen, entscheidet sie sich kurz darauf für einen Auslandsaufenthalt in Paris und blüht dort richtig auf – weit entfernt von Théo.
Weißer Sommer von Eva Pramschüfer erzählt wechselnd aus Almas und Théos Perspektive vom aufregenden Leben in den 20ern, wenn man jung und naiv ist, sich aber gleichzeitig schon mit den großen Fragen des Lebens auseinandersetzen muss: Wer bin ich ohne meine*n Partner*in? Wie viel kann eine Beziehung aushalten? Wo ist die Grenze zwischen genug Nähe und Distanz? Und am Ende: Gehen oder bleiben?
Zwei Jahre später verbringen die beiden einen weiteren Sommer gemeinsam in Frankreich, doch nichts ist mehr so unbeschwert wie damals. Getroffene Entscheidungen, vergangene Zeit getrennt voneinander und neue Menschen haben ihre Spuren hinterlassen, und die perfekte Beziehung hat kleine Brüche bekommen. Trotzdem ist da immer noch dieses Gefühl, das sie am Anfang zusammengebracht hat. Nur reicht es noch aus?
Zusammen allein
Weißer Sommer ist ein Debüt, das direkt unter die Haut geht und mit einer bemerkenswerten sprachlichen Feinheit von einer Beziehung erzählt, die zu oft auf den Punkt getroffen wird, um zu schön oder kitschig zu sein. Die beiden Protagonist*innen kommen immer wieder in Situationen, in denen sie scheitern und wachsen, ohne dabei naiv oder unfähig zu wirken. Auch die Nebencharaktere sind vielschichtig und begleiten Alma und Théo kürzer oder länger auf ihrem Weg.
Neben der Liebesbeziehung und den Hindernissen, die die beiden überwinden müssen, stehen auch unbequeme Themen wie Klassenunterschiede, finanzielles Ungleichgewicht und schwierige Familiensituationen im Zentrum. Alma stammt aus einer wohlhabenden Familie, anders als Théo, und für sie ist Geld oft nur ein unwichtiges kleines Detail. Besonders deutlich wird das auch in der Kunst, die anfangs für beide ein verbindendes Glied ist, schließlich jedoch immer deutlicher macht, wie unterschiedlich ihre Welten doch sind.
Weißer Sommer ist eine Liebesgeschichte über zwei Menschen, die wie füreinander gemacht sind, sich aber vielleicht genau dann begegnet sind, als es am wenigsten ins Leben gepasst hat. Genau diese Liebe und Melancholie findet man in jedem Wort dieses Romans wieder.
von Johanna Listl

Eva Pramschüfer
Weißer Sommer
Rowohlt 2026
272 Seiten
24,00 Euro
ISBN 978-3-498-00953-3