Warum wir auch mal keine Lust auf Sex haben
„Kein Bock auf Sex zu haben, ist nichts Unnormales, aber warum fühlt es sich oft trotzdem so an?“ Genau mit dieser Frage beschäftigt sich Kein Bock Club.
Maria Popov setzt sich in ihrem Buch mit Sexualität, gesellschaftlichen Erwartungen und vor allem mit dem Thema „keine Lust haben“ auseinander. Dabei geht es nicht nur um Asexualität, sondern viel allgemeiner darum, wie unterschiedlich Menschen Lust empfinden und warum oft das Gefühl entsteht, bestimmten Normen entsprechen zu müssen.
Inhaltlich ist das Buch relativ breit aufgestellt: Es geht um erste Erfahrungen, Dating, Beziehungen, Freund*innenschaften und feministische Perspektiven auf Sexualität. Popov verbindet dabei persönliche Erlebnisse mit gesellschaftlichen Beobachtungen und auch mit wissenschaftlichen Ansätzen. Dadurch entsteht ein guter Einblick, ohne dass es sich zu theoretisch anfühlt. Die Inhalte sind insgesamt eher knapp gehalten, was gut funktioniert, weil der Fokus klar auf der Bewertung und Einordnung liegt.
Besonders positiv fällt der Schreibstil auf. Das Buch liest sich sehr flüssig, teilweise fast wie ein Gespräch oder ein sehr ehrlicher Blogeintrag. Gerade die persönlichen Geschichten machen das Buch nahbar und sorgen dafür, dass sich viele Momente nachvollziehen lassen, auch ohne direkte persönliche Betroffenheit. Es gibt einige Aha-Momente, vor allem wenn es um gesellschaftlichen Druck geht, der oft ganz unterschwellig wirkt.
Auch die Gestaltung des Buches wirkt sehr gelungen. Das Cover und die Kapitelüberschriften machen neugierig. Das wirkt zunächst oberflächlich, trägt aber durchaus dazu bei, ob ein Buch Interesse weckt.
Besonders wichtig ist, dass das Buch dazu beiträgt, ein Thema zu enttabuisieren, über das viel zu wenig offen gesprochen wird. Es macht deutlich, dass „keinen Bock haben“ nichts ist, wofür man sich rechtfertigen muss. Selbst wenn man sich nicht komplett in den Inhalten wiederfindet, hilft es trotzdem, andere Perspektiven zu verstehen.
Trotzdem gibt es auch ein paar Punkte, die kritisch gesehen werden können. Manchmal fehlt ein klarer roter Faden, weil sehr viele Themen angesprochen werden und nicht immer alles vollständig ausgearbeitet wirkt. Einige Gedanken wiederholen sich oder bleiben eher an der Oberfläche. Das kann den Lesefluss stellenweise etwas unterbrechen, stört insgesamt jedoch kaum.
Besonders ist die Mischung aus persönlicher Ehrlichkeit, gesellschaftlicher Kritik und einem eher lockeren Ton. Das Buch wirkt nicht belehrend oder „von oben herab“, sondern eher wie eine Einladung zur Reflexion eigener Denkmuster und gesellschaftlicher Erwartungen. Genau das scheint auch die Absicht der Autorin zu sein, was größtenteils gelungen umgesetzt wird.
Insgesamt ist Kein Bock Club ein wichtiges und gleichzeitig gut lesbares Buch, das zum Nachdenken anregt, ohne zu überfordern. Das Buch ist vielleicht nicht perfekt strukturiert, dafür aber sehr ehrlich und nahbar. Besonders Menschen, die offen für neue Perspektiven sind oder sich generell mit gesellschaftlichen Erwartungen rund um Sexualität auseinandersetzen möchten, dürften hier interessante Denkanstöße finden.
Am Ende bleibt vor allem eine Erkenntnis hängen: Vielleicht wäre vieles einfacher, wenn Lust – oder eben keine Lust – nicht ständig bewertet werden würde.
von Angelina Beer

Maria Popov
Kein Bock Club – Warum wir auch mal keine Lust auf Sex haben
Kiepenheuer & Witsch 2025
320 Seiten
18,00 Euro
ISBN 978-3-462-01014-5