„Ich habe das Rennen beendet.“
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In meinem Element von Pip Hare ist der Erlebnisbericht von der zweifachen Teilnahme der englischen Profiseglerin bei der Vendée Globe, dem härtesten Segelrennen der Welt. Das Buch setzt sich aus Tagebucheinträgen, kurzen Erklärungen und praktischen Tipps sowie rückblickenden Reflexionen zusammen. Außerdem sind in der Mitte ein paar Fotografien enthalten.
„Je mehr ich mich im Feld nach vorn kämpfte, desto gieriger wollte ich mehr: […] Ich wollte die Grenzen verschieben.“
Hare erzählt mitreißend und authentisch von den zahlreichen Herausforderungen vor und während des Rennens. Besonders bemerkenswert sind dabei ihr starker Wille und ihr unermüdliches Durchhaltvermögen. Trotz ihrer vergleichsweise geringen Erfahrung und ihrer begrenzten Ressourcen kämpft sie beständig weiter. Sie ringt sich und ihrem „alten“ Boot stets persönliche Bestleistungen ab. Wo es ihr an technischer Ausstattung fehlt, wird sie erfinderisch und kompensiert den Mangel mit klugen taktischen Entscheidungen. Gleichzeitig ringt Hare stets um bessere Lösungen und reflektiert ihre Handlungen permanent kritisch.
„Rückblickend würde ich heute vielleicht die Erschöpfung, den Muskelabbau und den Energieverlust auf der Skala der dynamischen Risiken höher einstufen und mir selbst höhere Priorität einräumen.“
Besonders lesenswert machen das Buch auch die Einblicke in den Segelalltag und die Erklärungen zu den Strategien, um mitten im Ozean nicht nur zu überleben, sondern das Leben zu genießen. Hare erzählt sowohl von mentalen Übungen für schwere Momente als auch von den kleinen Alltagsfreuden. Gerade diese Ausgewogenheit macht das Buch so authentisch.
„Ich aß, wenn ich Hunger hatte, schlief, wenn sich die Gelegenheit bot, und arbeitete, wenn es nötig war. Das Schönste daran: Ich war nur da, um zu segeln. Die Zeit gehörte allein mir.“
Großteils sind die Erlebnisse während der Vendée Globe chronologisch erzählt, es gibt aber auch einige Rückblenden und Textabschnitte, in denen die zeitliche Einordnung nicht eindeutig erkennbar ist. Dies ist besonders dann der Fall, wenn Erzählungen thematisch verknüpft werden. Leider verliert man dadurch schnell den Überblick. Auch die Unterschiede zwischen der Teilnahme 2020 und 2024 sind manchmal schwer nachvollziehbar.
Trotz dieser kleinen Kritik handelt es sich um ein sehr gelungenes Buch, welches insbesondere für alle Fans der Vendée Globe zu empfehlen ist. Für alle, die die Bücher von Boris Herrmann gelesen und geliebt haben, bietet In meinem Element interessante Ergänzungen und wird sie sicherlich auch begeistern.
von Jasmin Fuchs

Pip Hare
In meinem Element
Aus dem Englischen von Birte Lindlahr
Delius Klasing 2025
272 Seiten
26,90 Euro
ISBN 978-3-667-13156-0