Montserrag Roig – Die violette Stunde
Montserrag Roig – Die violette Stunde

Montserrag Roig – Die violette Stunde

Zwischen Erinnerung und Veränderung

CW: Emotionale Abhängigkeit, Faschismus, Konzentrationslager, politische Repressionen, Sexismus, Suizid

Die violette Stunde, der dritte Teil der Barcelona-Trilogie von Montserrag Roig, erzählt von Natàlia und Norma, zwei Frauen in den späten 70er Jahren, die über die Liebe und das Glück reflektieren. Als Natàlia Briefe und Tagebucheinträge ihrer Mutter Judit wiederfindet, einer Frau aus den 30er Jahren, die eine innige Beziehung zu ihrer Freundin Kat hatte, fangen Natàlia und Norma an, über ihre Leben und vor allem ihre Beziehungen nachzudenken. Sie stellen sich die Fragen, wieso sie es zulassen, dass sie leiden und wieso sie über ihre Männer sprechen, als müssten sie sie retten. Doch es gibt ein vorher und nachher: Die Geschichten der beiden Frauen aus den 30er Jahren scheint sie zu ändern.

Liebe, Politik und Emanzipation

In träumerischer und dichter Prosa erzählt der Roman aus verschiedenen Perspektiven und ist mit den ungefilterten, ehrlichen Gedanken von und über die zentralen Figuren aufgeladen. Im Zentrum stehen die Freundinnen Natàlia und Norma, die sich immer wieder in Beziehungen mit untreuen Männern wiederfinden und zugleich mit politischen Fragen, ihren Erwartungen an das Leben und ihrem eigenen Glück ringen.

Obwohl das Buch 1980 erschienen ist, wirkt diese Neuauflage aktuell. Durch die Emanzipation der Protagonistinnen wird erkundet, was es bedeutet, eine Frau zu sein und welche Grenzen vielleicht längst hätten überwunden werden sollen. Denn nach wie vor existiert der Druck, traditionelle Frauenrollen einzunehmen, während sich gleichzeitig auch die Forderung nach einem selbstbestimmten und feministischen Leben aufdrängt.

Das Buch beschäftigt sich nicht nur mit Geschlechterrollen, sondern auch mit der eigenen Rolle innerhalb des politischen Geschehens, vor allem während der Transición nach dem Tod Francos in Spanien. Die Figuren und ihre Beziehungspersonen bleiben dabei oft ambivalent, da sie sich zwischen gesellschaftlichen Zwängen und ihren eigenen Wünschen befinden.

Somit ist Die Violette Stunde als dritter Teil von Montserrat Roigs Barcelona-Trilogie ein beinahe fünfzig Jahre altes Werk, das Themen verhandelt, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Der Roman lässt sich zwar unabhängig lesen, doch um die Figuren und ihre Entwicklungen vollständig zu erfassen, empfiehlt es sich, auch die ersten beiden Teile der Trilogie zu kennen.

von Verena Santl

Monserrat Roig
Die violette Stunde
Aus dem Katalanischen von Ursula Bachhausen und Kirsten Brandt
Kunstmann 2025
319 Seiten
26,00 Euro
ISBN 9783956146244

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