Christian Huber – Solange ein Streichholz brennt
Christian Huber – Solange ein Streichholz brennt

Christian Huber – Solange ein Streichholz brennt

„Wie entgleitet ein Leben?“

CW: Blut, Gewalt

In Christian Hubers zweitem Roman Solange ein Streichholz brennt begegnen sich Bohm und Alina – zwei ungleiche Protagonist*innen, zwischen denen sich eine besondere Beziehung aufbaut. Huber verleiht dieser vielfach verwendeten Figurenkonstellation einen neuen Twist.

Bohm lebt seit Jahren auf der Straße und kämpft sich ziellos durchs Leben, indem er selbstgeschnitzte Holzmäuse verkauft. Eines Tages steht plötzlich die junge Fernsehjournalistin Alina vor ihm und fordert, ihn eine Woche für eine Reportage begleiten zu können.

Huber gelingt es wunderbar, authentische Charaktere zu schaffen, mit denen man sofort mitfühlt und erschreckend schnell anfängt, ihr Fehlverhalten entschuldigen zu wollen. Durch kurze Kapitel und wechselndes Erzähltempo lässt sich das Buch schnell lesen. Trotzdem gibt es immer wieder ruhige und tiefe Momente, in denen die Schwere und Komplexität von Themen wie Obdachlosigkeit und Klassismus den angemessen Raum bekommen.

Insgesamt handelt es sich um einen wertvollen Beitrag zur literarischen Auseinandersetzung mit Klassismus, Obdachlosigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung. Wer jedoch das Buch nur aufgrund der Begeisterung für den Besteller-Roman Man vergisst nicht wie man schwimmt lesen möchte, muss offen dafür sein, eine neue Facette von Hubers Schreiben kennenzulernen. Während Man vergisst nicht wie man schwimmt von einer sommerlichen Leichtigkeit und jugendlichem Leichtsinn erfüllt ist, stehen die Protagonist*innen hier mitten im Chaos ihres Lebens. Nicht nur thematisch, sondern auch erzähltechnisch gibt es deutliche Unterschiede. Durch die zweifache Erzählperspektive ist Solange ein Streichholz brennt deutlich komplexer, was ihm nicht nur guttut. Wer Hubers durchdachte Erzählung liebte und sich über liebevolle Kleinigkeiten freute, wird diesmal vermutlich enttäuscht. Leider bleiben am Ende einige Fragen offen und es folgt ein unbefriedigender Ausgang der Geschichte. Was beide Romane jedoch verbindet, sind die emotionale Tiefe und die originellen Details.

Dennoch bleibt am Ende die Vorfreude auf Hubers nächstes Werk. Gerade weil er mit diesem Buch eine andere Richtung einschlagen hat, bleibt es spannend zu erfahren, was er beim nächsten Mal präsentiert. Lobend hervorzuheben ist an dieser Stelle noch die stimmige Gesamtgestaltung des Romans, welcher inhaltlich und optisch immer wieder mit dem Motiv des brennenden Streichholzes spielt.

von Jasmin Fuchs

Christian Huber
Solange ein Streichholz brennt
dtv 2026
352 Seiten
23,00 Euro
ISBN 978-3-423-28540-7

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