Rebekka Endler – Witches, Bitches, It-Girls. Wie patriarchale Mythen uns bis heute prägen
Rebekka Endler – Witches, Bitches, It-Girls. Wie patriarchale Mythen uns bis heute prägen

Rebekka Endler – Witches, Bitches, It-Girls. Wie patriarchale Mythen uns bis heute prägen

Geschichte, Gegenwart, Hoffnung

„Das Patriarchat ist nicht – wie viele uns glauben machen wollen – längst Geschichte, es lebt in uns allen weiter und bestimmt unsere Wahrnehmung bis heute.“

Witches, Bitches, It-Girls zeigt, dass das Patriarchat noch lange kein Mythos ist, es nie war und auch mit Blick auf die Zukunft nicht von heute auf morgen verschwindet. Rebekka Endler geht in ihrem Buch auf Etappen der Menschheitsgeschichte sowie die Geschichtsschreibung zumeist aus männlicher Sicht ein, wirft zudem Blicke auf Frauenbilder, wie sie uns persönlich oder popkulturell vorgelebt und vermittelt werden. Die Autorin legt gegenwärtige misogyne Mythen offen und regt aktiv dazu an, sich selbst und die patriarchale Welt zu reflektieren.

„[K]leine Spitzen von vielen misogynen Eisbergen“

Patriarchale Mythen aus der Antike, Vorurteile und zugeschriebene Geschlechterrollen aus der Steinzeit über Neandertaler*innen (ob die sich überhaupt über Geschlecht Gedanken gemacht haben? – Frage aus dem Buch) und die bildliche Überlieferung von Frauendarstellungen sind nur ein paar beispielhafte Themenbereiche, denen sich im Buch gewidmet wird. Zeitgenössisch-popkulturelle Einschläge werden gleichermaßen behandelt und setzen die Auseinandersetzung mit dem Patriarchat in das Jetzt. Neben der Analyse mit Argumentation und Beurteilung gibt es immer wieder kleine Ausblicke oder eine aktuelle Einordnung, wobei die Kritik an gegenwärtigen Strukturen und (Rückwärts-)Bewegungen durchweg mitschwingt.

„Trost und Aktivierungspotenzial“?

Endler schreibt verständlich und redegewandt, mit teils persönlicher Wertung und in eigenen Worten, dann aber wieder sachlich-argumentativ. Zahlreiche Wörter werden erklärt, Anmerkungen gesetzt und Quellen und weitere Ausführungen detailliert im hinteren Teil des Buches erläutert. Die ganzen Blöcke an Verweisen am Ende des Buches spielen dahingehend eine doppeldeutige Rolle, da es im Buch unter anderem um das Urheberrecht und das systematische Ausradieren von nicht-männlichen Stimmen und Schriften seit Jahrhunderten geht. Zitate und gut recherchierte Beispiele sind in den neun Kapiteln zuhauf integriert, für die sich gerne mehr Zeit genommen werden sollte.

„Fazit: Nur wer recherchiert, erfährt die Geschichte dahinter, womit die antipatriarchale Geschichtskorrektur im öffentlichen Raum nur eine für Eingeweihte ist.“ Mit Witches, Bitches, It-Girls werden viele Verknüpfungen von Ereignissen genannt, hinter denen eine ganze Spurensuche steckt. Neben dem bloßen Lesen der Recherchearbeit Endlers gilt es, angemessene Zeit aufzuwenden, um selbst nachzuforschen und die Situationen und Erkenntnisse für sich selbst und sein eigenes Umfeld zu analysieren. Das ist mitunter gar nicht leicht, da verschiedenste Themenbereiche und Mythen aufgegriffen werden, manche leichter, manche schwerer verdaulich, mit viel Reflexionspotenzial und vielen Augenöffnern, wo das Patriarchat überall seine Finger im Spiel hat.

von Paula Heidenfelder

Rebekka Endler
Witches, Bitches, It-Girls. Wie patriarchale Mythen uns bis heute prägen
Rowohlt 2025
464 Seiten
25,00 Euro
ISBN 978-3-498-00740-9

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert