Streit, Smalltalk und sexuelle Spannung
Mit The Invite liefert die Schauspielerin Olivia Wilde nach Booksmart (2019) und Don’t Worry Darling (2022) ihren dritten Spielfilm als Regisseurin ab. Basierend auf dem spanischen Theaterstück Los vecinos de arriba von Cesc Gay, das bereits mehrfach verfilmt wurde (Sentimental, 2020 sowie Die Nachbarn von oben, 2023) setzt sich das humoristische Kammerspiel mit Beziehungen, Konflikten, Tabus, Lebensängsten und unerfüllten Träumen auseinander.
Joe (Seth Rogen) kommt nach einem frustrierenden Arbeitstag von Rückenschmerzen geplagt nach Hause. Seine gescheiterte Karriere als Musiker hat ihm jede Leidenschaft für die Musik genommen. Den Unterricht seiner Studierenden absolviert er nur noch halbherzig und eigentlich hat er lieber seine Ruhe. Doch in den eigenen vier Wänden angekommen, muss er feststellen, dass seine Frau Angela (Olivia Wilde) in den letzten Stunden die Wohnung bis ins Detail hergerichtet hat: Teurer Käse und Jamón stehen bereit, ein Soufflé backt im Ofen und sogar ein neuer Teppich liegt im Wohnzimmer aus. Angela hat das Paar von oben zum Abendessen eingeladen. Sie scheinen perfekt – Angela bewundert sie sehr und möchte ihnen imponieren. Joe hingegen hat wenig Interesse daran, den Abend mit ihnen zu verbringen. Er behauptet, das erste Mal von ihrem Besuch zu hören, und will, dass Angela sie wieder auslädt – und das zehn Minuten vor der ausgemachten Uhrzeit. Er droht damit, dass er ihnen sonst endlich einmal die Meinung zu dem nächtlichen Lärm und ihren lautstarken Sexeskapaden, die regelmäßig durch die Decke dringen, geigt. Während die beiden, deren Ehe schon lange von Frust und Enttäuschung geprägt ist, wieder einmal lautstark streiten, klingelt es und Pina (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) stehen mit einem selbstgemachten Flan vor der Tür.
„Wir lieben es, wenn Konflikte ausgetragen werden.“
Trotz der angespannten Stimmung bleiben die beiden und schauen sich selbstbewusst in der stilvoll eingerichteten Wohnung um, während Angela und Joe teilweise wie Gefangene in ihrem eigenen Zuhause wirken: Nervös lehnen sie an Wänden und an Türrahmen und auch der höfliche Smalltalk ist von Seiten der Gastgebenden peinlich und ungelenk. Angela versucht ununterbrochen, das Chaos zu kontrollieren – lächelt Joes radikale Ehrlichkeit und seine sarkastischen Kommentare weg, räumt auf, rückt Gegenstände gerade und versucht jede unangenehme Situation zu entschärfen, damit sich das Paar wohlfühlt. Doch je mehr sie dies versucht, desto unangenehmer wird es. Pina und Hawk begegnen den Gastgebenden jedoch mit einer Gelassenheit, die den Kontrast zwischen den Paaren nur noch deutlicher macht. Sie loben Angelas guten Blick für die schöne Einrichtung und bewundern Joes Ehrlichkeit. Als sich das Gespräch zuspitzt und Joe kurz davor ist, dem Besuch doch eine Ansage wegen der nächtlichen Ruhestörung zu machen, eröffnen die beiden, dass auch sie etwas mit Angela und Joe besprechen wollten…
„Wir haben auch etwas, was wir mit euch besprechen müssen.“
Was nach einer alltäglichen Einladung unter Nachbarn klingt, entwickelt sich zu einem ebenso witzigen wie schmerzhaft ehrlichen Abend. Die Figuren kommen sich überraschend nah, geraten jedoch auch aneinander. Je länger der Abend dauert, desto deutlicher treten die Unsicherheiten, unerfüllten Sehnsüchte und tiefsitzenden Verletzungen der vier komplexen Charaktere zutage. The Invite stellt die unbequeme Frage, wie eine Beziehung funktionieren soll, wenn man mit den eigenen Entscheidungen, Träumen und Enttäuschungen nie Frieden geschlossen hat. Es wird klar: Niemand außer einem selbst ist für das eigene Glück verantwortlich.
Filmtheater
Trotz seines dialoglastigen Drehbuchs und der klassisch theatralischen Einheit von Ort, Zeit und Handlung funktioniert der auf 35mm gedrehte Film und macht mit seiner Bildsprache herausragend von den filmischen Möglichkeiten Gebrauch. Die Figuren sind ständig in Bewegung. Durch wechselnde Perspektiven und präzise Bildkompositionen werden die Beziehungen zwischen den Figuren visuell sichtbar gemacht. Joe und Angela werden immer wieder durch Türrahmen, Spiegel, das gemeinsame Bett oder sogar durch den Besuch optisch voneinander getrennt. Auch das Kostümbild erzählt mit: Joe und Angela verschmelzen in gedeckten Blau- und Grautönen beinahe mit ihrer Wohnung, während sich Pina und Hawk in Schwarz deutlich von ihrer Umgebung abheben.
The Invite fordert seinem Publikum durchaus etwas ab. Die ständigen Sticheleien, peinlichen Gespräche und eskalierenden Konflikte können ebenso frustrierend wie beklemmend sein – und genau darin liegt die Stärke des Films. Mit absurdem Humor und überraschend traurig zeigt The Invite, dass manchmal ein einziger Abend genügt, um das eigene Leben zu hinterfragen.
Die nächsten Vorstellungen mit der deutschen Synchronisation finden am 01.08. um 20.45 Uhr, am 02.08. um 16.25 Uhr, am 03.08. um 16.25 und um 20.45 Uhr, am 04.08. um 16.25 Uhr sowie am 05.08. um 16.25 und um 20.45 Uhr im Odeon in Bamberg statt. Alle folgenden Spielzeiten sind dem Kinoprogramm zu entnehmen.
Am 02.08., am 09.08. sowie am 16.08. jeweils um 20.45 Uhr wird der Film im Odeon im englischen Original mit Untertiteln gezeigt.
von Hannah Bockemühl

Olivia Wilde
The Invite
Deutsche Synchronisation
USA 2026
107 min
FSK 12










Fotos © Tobis Film