Im Namen der Barmherzigkeit
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CW: Gewalt, Krieg, Rassismus
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Am Mittwoch, den 26.August 2026 las Karosh Taha im Rahmen der Lesungsreihe “Blind-Date mit Schriftsteller:In”, anlässlich des diesjährigen Buchpreises in der Collibri Buchhandlung in Bamberg aus ihrem Roman Gulistan.
Karosh Taha bahnt sich unauffällig, fast schon schüchtern ihren Weg durch das ahnungslose Publikum. Am liebsten würde sie direkt mit dem Vorlesen beginnen, entscheidet sich auf die Bitte des Publikums hin dann aber doch dazu, eine kleine Einführung in ihren Roman Gulistan voranzustellen. Sech Jahre habe sie an diesem Buch geschrieben und es sich für den dritten Roman selbst zur Aufgabe gemacht, einen anspruchsvollen und zeitlosen Text zu entwickeln, der aus der Menge der gleichförmigen deutschen Literatur heraussteche. Bereits 2020 habe sie die Idee gehabt, sich mit dem Doppelgänger von Sadam Hussian, dem diktatorischen Staatspräsidenten des Iraks, aus der Perspektive einer Frau zu beschäftigen. Diese musste sie sich jedoch erst durch aufwendige Recherchereisen erarbeiten, da sie selbst als Kind von Kurdistan nach Deutschland floh.
„Çiya hatte so lange in fremden Buchstaben gesprochen, bis die Kiefer fielen und die Ohren sich verdrehten.“
Nach der kurzen Einführung liest die Autorin das komplette erste Kapitel des Buches vor, was etwa eine Dreiviertelstunde dauerte. Dabei merkt man deutlich, was für eine gute Vorleserin sie ist und wie viel ihr der Roman bedeutet. Die komplexe Passage löst im ersten Moment Sprachlosigkeit und später viele Fragen bei den etwa vierzig Anwesenden aus. Taha kommt dem Bedürfnis nach, weitere Erklärungen zum Roman zu geben und stellt sich den Fragen der Zuhörer*innen. Ihre Antworten wirken dabei stets so, als spräche sie über ein Geheimnis, von dem sie nicht weiß, ob sie es in die Welt hinausschreien oder lieber für sich behalten soll. Letztendlich formuliert sie den Wunsch, dass die Leser*innen sich an den unzugänglichen Passagen abarbeiten und gerade darin ihren Versuch erkennen, die Gesetzmäßigkeiten der Willkür in Sprache zu überführen. Dafür gibt sie kleine Hinweise mit auf den Weg: So verweist sie beispielsweise auf den Koran und das Alte Testament als Inspirationsquellen. Es sei aber auch völlig in Ordnung, wenn man zu dem Fazit kommt, dass der Roman nichts für einen ist – er muss schließlich nicht allen gefallen.
„Ich habe viele Gründe dafür, dich verhaften zu lassen und keiner davon betrifft deinen Mann.“
Das literarische Blind Date mit Karosh Taha war ein besonderer Abend, bei dem wirklich niemand vorher wusste, wer kommen wird – weder die Autorin noch die Zuhörer*innen – und vielleicht entstand gerade deshalb eine intensive Begegnung zwischen beiden Seiten.
Bis zum 05.09.2026 finden weitere Lesungen der Reihe “Blind-Date mit Schriftsteller:In”, anlässlich des diesjährigen Buchpreises in verschiedenen Städten Deutschlands statt. Verwiesen sei an dieser Stelle exemplarisch auf die Lesung am 03.09.2026 um 19:00 Uhr in der Buchhandlung Bücherwurm in Regensburg
von Jasmin Fuchs