Imani Thomson – Honey
Imani Thomson – Honey

Imani Thomson – Honey

Wie Afropessimismus die Diskurse über die Befreiung Schwarzer Frauen prägt

CW: Blut, Essstörung, Drogen, Gewalt, Medikamentenmissbrauch, psychische Krankheiten, Rassismus, Sexismus, sexuelle Belästigung, Suzid, Tod

Als die Schwarze Doktorandin Yrsa aus Cambridge den Professor tötet, der die Forschungsergebnisse ihrer Freundin gestohlen hat, beginnt eine Reihe von Verbrechen. Während sie sich mit feministischen und antirassistischen Theorien beschäftigt, sucht sie nach einem Ventil für ihre Wut.

Yrsa erweist sich als vielschichtige Protagonistin des gesellschaftskritischen Thrillers. Das akademische Setting bietet zudem einen geeigneten Rahmen für eine tiefgründige Aufarbeitung von struktureller Diskriminierung und postkolonialen Perspektiven. Diese Chance wird jedoch nur zu Beginn des Romans wirklich genutzt, da sich Yrsa immer mehr ihrer Wut hingibt. Sie beginnt als eine Form der Selbstjustiz, Männer zu töten, die sich übergriffig verhalten. Dadurch bewegt sie sich permanent zwischen Widerstand und Gewalt. Was eine interessante Schnittstelle zwischen mehreren Genres sein könnte, wird am Ende zum Verhängnis, da es sich weder um einen echten Thriller noch um überzeugende Gegenwartsliteratur handelt.

Besonders unbefriedigend ist für alle Thiller-Fans vermutlich das Ende, welches viele Fragen offenlässt und der originellen Ausgangsidee nicht gerecht wird. Möglicherweise lässt sich diese Entscheidung aber damit begründen, dass es Thomson genau darum geht, dass die Leser*innen erleben, was es bedeutet, wenn Ungerechtigkeit keine Konsequenzen hat.

„Die Biene fand ihren Weg ganz allein zu Limonade. Natürlich, sie hätte sie verscheuchen können. Hätte einen Krankenwagen rufen könne. Die Natur fragen, bist du sicher – er heute? Aber andererseits, warum sich einmischen.“

Anfangs hat das Buch ein sehr schnelles Erzähltempo und man wird direkt in den Plot hineingezogen. Nach den ersten hundert Seiten verliert die Handlung jedoch deutlich an Fahrt und da das Buch keinerlei Sympathieträger*innen beinhaltet, fällt es zunehmend schwer, dranzubleiben. Der Schreibstil hingegen ist sehr stimmig zum Inhalt und wechselt situativ passend zwischen akademisch und alltagsprachlich. Auch die Erzählweise ist geprägt von dieser Kontrastierung. So gibt es einige Szenen, die interessante Einblick in den Wissenschaftsbetrieb bieten, während andere aus Chatverläufen bestehen. Besonders überzeugend waren die Einblicke in Yrsas Dissertation, sowie deren intersektionale Perspektive.

Insgesamt handelt es sich beim Honey um ein Buch mit einer unglaublich starken Grundidee, aus der leider enttäuscht wenig gemacht wurde.

von Jasmin Fuchs

Imani Thomson
Honey
Aus dem Englischen von Asal Dardan
Rowohlt Hundert Augen 2026
416 Seiten
25,00 Euro
ISBN ‎ 978-3-498-00789-8

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