Kunst(-geschichte) für Jung und Alt
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CW: Alkoholismus, Trauma, Tod
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„Mona war blind.“ – Und das für mehr als eine Stunde. Der Grund dafür ist den Ärzt*innen unbekannt. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, soll die zehnjährige Mona einmal wöchentlich zu einem Kinderpsychiater gehen und ihr Großvater Henry soll sie begleiten. Dieser hält nichts von der Idee und beschließt, Mona auf eine andere Art zu helfen. Falls Mona wieder und endgültig erblindet, soll sie sich wenigstens schöne Erinnerungen hervorrufen können. Thomas Schlessers Monas Augen – Eine Reise zu den schönsten Kunstwerken unserer Zeit begleitet Mona und Henry, wie sie verschiedene Kunstwerke in Pariser Museen – vom Louvre über das Musée D’Orsay bis ins Centre Pompidou – betrachten, und geht dem Grund für Monas Erblinden auf den Grund.
„Sie spürte, wie sich ein schwerer Schatten auf ihre Augen legte, als würden sie dafür bestraft, so blau, so groß und so klar zu sein.“
Monas Erblindung wird sehr poetisch beschrieben, vielleicht etwas zu poetisch für einen so erschreckenden Zustand. Die Gedanken und Gefühle Monas und ihrer Familie während und nach ihrem Anfall wirken im Gegensatz dazu viel realistischer: Ihre Mutter, die mit jedem Krankenhausbesuch ängstlicher wird oder Monas Zerrissenheit ihrer Familie noch mehr Sorgen zu bereiten und deshalb nicht von einem erneuten Anfall erzählt. Die Thematik von Hell und Dunkel, Licht und Schatten, Sehen und Nicht-Sehen findet sich in dem Roman immer wieder, von Beschreibungen über Monas Zustand, wenn sie erblindet, bis zu kleinen Wortspielen beim Betrachten von Kunstwerken. Die Frage nach der Ursache von Monas plötzlicher Erblindung steht zwar nicht immer im Fokus, zieht sich aber durch den Roman hindurch. Verschiedene mögliche Gründe werden miteingeworfen und fügen sich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammen.
„Es tauchten Linien auf und bald auch Volumen – vor Monas Augen entstand die Welt.“
Die Erzählung nimmt die Lesenden gemeinsam mit Mona und Henry an die Hand und führt sie durch die Kunstgeschichte. Hierbei sticht besonders hervor, dass in einem kurzen Text die jeweiligen Kunstwerke beschrieben werden und auch in dem Klappumschlag des Buches kleine Abbildungen zu finden sind. Man kann sich also erst die Beschreibung des Kunstwerks durchlesen und vor dem inneren Auge vorstellen, bevor man das Kunstwerk sieht – genau entgegengesetzt wie Henry es sich für Mona vorstellt.
Nachdem Mona und Henry die Kunstwerke für mindestens zehn Minuten betrachtet haben, fangen die beiden an darüber zu sprechen. Bei den Diskussionen bringt Mona eigene Gedanken und Interpretationen mit ein und es wird immer wieder auffällig, wie erwachsen sie für ihr Alter wirkt und von Henry als ebenbürtige Gesprächspartnerin behandelt wird. Die dialogische Form dieser Analysen ermöglicht es wichtige Informationen und Fachbegriffe, die Mona und der Leser*innenschaft fremd sein könnten, geschickt zu erklären. Während diesen Museumsbesuchen lernt Mona – und auch die Lesenden – etwas über Hintergründe der Künstler*innen und die Bedeutung der jeweiligen Kunstwerke. Auch eine historische Einordnung sowie gesellschaftliche Themen werden thematisiert und gerade bei den Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts auf die Rolle der Frau und geschlechtsspezifische Erwartungen eingegangen.
„Lass dir alle Zeit, die du brauchst, um dir das Bild anzusehen. Es wirklich anzusehen.“
Monas Augen – Eine Reise zu den schönsten Kunstwerken unserer Zeit bietet genau das, was der Titel verspricht: Einen Ausflug in verschiedene Museen und Einblicke in die Kunstgeschichte. Für Kunstkennende oder diejenigen, die gerne mehr über Kunst (-geschichte) erfahren wollen aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen, ist der Roman sehr zu empfehlen.
von Sina Gutöhrlein

Thomas Schlesser
Monas Augen – Eine Reise zu den schönsten Kunstwerken unserer Zeit
Aus dem Französischen von Nicola Denis
Piper 2026
494 Seiten
18,00 Euro
ISBN 978-3-492-06800-0