Stephen Fry – Odyssee. Von Abenteuern, Irrfahrten und Heimkehr
Stephen Fry – Odyssee. Von Abenteuern, Irrfahrten und Heimkehr

Stephen Fry – Odyssee. Von Abenteuern, Irrfahrten und Heimkehr

Eine moderne Nacherzählung voller Witz

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CW: Gewalt,Krieg, Mord, Tieropferungen und -leid, Tod, Vergewaltigung, Verletzungen

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Stephen Fry erzählt im letzten Teil seiner griechischen Mythos-Tetralogie von der Odyssee. Von Abenteuern, Irrfahrten und Heimkehr. Also von der Geschichte von « „Odysseus! Es geht schon wieder um den verdammten Odysseus.“ ». Spätestens seit der Verfilmung The Odyssey von Christopher Nolan ist dieser wieder ein Held in aller Munde.

« „Freie Fahrt? Sieht das hier etwa wie freie Fahrt aus?“ »

Fry nimmt die Leser*innen mit auf Odysseus‘ zehnjährige Irrfahrt nach dem Ende des Trojanischen Krieges auf dem Weg nach Hause, nach Ithaka. Odysseus muss sich also Insel für Insel gegen bekannte Figuren aus der griechischen Mythologie behaupten. Etwa gegen die Nymphe Kalypso, die ihn sieben Jahre lang auf ihrer Insel festhält, die Zauberin Kirke, die seine Männer in Schweine verwandelt, und den einäugigen Zyklopen Polyphem, den „Niemand“ durch eine List blendet und sich und seine Männer aus dessen Höhle befreit.

Odysseus gerät durch Einflussnahme der Götter und menschliche Versuchungen (seiner Männer und durch seine eigenen) von einem Abenteuer ins andere, von einem Sturm in den nächsten. Selbst als er endlich seine Heimatinsel erreicht hat, steht er noch vor einem großen Hindernis: der gewaltigen Menge an Freiern, die sein Zuhause übernommen haben und seine Ehefrau Penelope dazu zwingen wollen, einen von ihnen zu heiraten. Er muss sich als Bettler ausgeben, zusammen mit seinem Sohn Telemachos und einigen wenigen Verbündeten seine Herrschaft zurück erkämpfen und eine letzte Aufgabe von Penelope erfüllen. Endlich ist Odysseus heimgekehrt. „Aber natürlich liegen die Dinge nicht so einfach.“, so teasert Fry am Ende an, dass noch weitere Abenteuer auf Odysseus warten. Von diesen wird in einem verlorenen Epos, der Telegonie, erzählt, dessen Urheberschaft umstritten ist und dessen Inhalt nur durch die Chrestomathie des Philosophen Proklos erhalten ist.

« „In dieser Geschichte gibt es keine Helden, nur Männer und Frauen. Und Götter … stets die Götter.“ »

Der Erfolgsautor bleibt mit seiner Nacherzählung dem Original von Homer im Kern treu, geht aber noch einen entscheidenden Schritt weiter. Fry schreibt nämlich in einem hohen Erzähltempo nicht nur über Odysseus‘ Heimkehr, sondern auch über die von anderen berühmten mythologischen Figuren. So geht es auch um die Bestrafung des Ajax nach der Vergewaltigung von Kassandra in einem Tempel, in dem sie Zuflucht gesucht hat. Die Leser*innen erfahren, wie Agamemmon von seiner Ehefrau Klytaimnestra und ihrem Liebhaber nach seiner Ankunft getötet wurde. Auch von der ‘schönsten Frau der Welt‘ Helena und ihrem Ehemann Menelaos hören sie, genauso wie von dem Trojaner Aeneas, der eine neue Heimat für seine Nachfahren im späteren Rom sucht und findet. All diese Handlungsstränge werden geschickt miteinander zu einer großen Geschichte verflochten, die auch kleinere Exkurse in den Fußnoten bereithält zu Namen, realen Bezugsorten für die fiktive Welt oder sogar einzelnen Figuren und ganzen Mythen.

Teilweise verweist Fry auch auf die Vorgängerbände der Mythos-Tetralogie, aber für das Verständnis ist auch ohne diese vorherige Lektüre gesorgt. Nicht nur gibt es zu Beginn eine Erklärung der Ausgangslage der Odyssee und Karten zur Übersicht über den Weg von Aeneas, Ajax, Agamemnon, Menelaos und Helena sowie die Welt der Griechen. Es finden sich am Schluss auch weitere Informationen im lohnenden Anhang und dem umfangreichen Personenverzeichnis sowie ein Vergleich der griechischen und römischen Namen der Gottheiten. Jeder Name ist bei der Erstnennung fettgedruckt, was das Nachschlagen zusätzlich erleichtert. Einige wichtige Figuren und Szenen reihen sich auf ein paar bebilderten Seiten mitten im Buch aneinander, was ein schönes Detail der Ausgabe ist.

„Odysseus hielt sich für einen geduldigen Mann, aber diese durchgedrehte, tobende Oma, die ihm ins Gesicht spuckte, war ihm doch zu viel.“

Diese Nacherzählung lebt von einer sehr modernen Ausdrucksweise, dem Fokus auf Verständlichkeit und einer ordentlichen Portion Witz. An ein paar Stellen fühlt es sich so an, als ob der Autor die Leser*innen direkt an die Hand nehmen und ihnen die große mythologische Welt stückchenweise zeigen würde. Insbesondere für diejenigen von ihnen ohne oder mit nur geringen Vorkenntnissen ist Odyssee von Stephen Fry daher eine hervorragende Wahl, um sich nicht auf eine Irrfahrt aus traditionellen Übersetzungen und akademischen Auseinandersetzungen zu begeben. Sein Ziel, die heutige Leser*innenschaft durch diesen Stil abzuholen, erreicht er mit seinem Buch allemal.

Eine Empfehlung für alle mit Lust auf eine modernisierte, witzige Nacherzählung des berühmten Epos. Wenn sie seit 20 Jahren im Odyssee-Fieber sind, aber auch und vor allem wenn sie sich gerade erst durch Nolans Verfilmung angesteckt haben.

von Alina Köhler

Stephen Fry
Odyssee. Von Abenteuern, Irrfahrten und Heimkehr
Aus dem Englischen von Matthias Frings
Aufbau 2025
352 Seiten
28,00 Euro
ISBN 978-3-351-04212-7

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