Volker Schlöndorff – Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte
Volker Schlöndorff – Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte

Volker Schlöndorff – Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte

Hundert Jahre deutsche Geschichte erzählt durch ein Haus

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CW: Kriegsverbrechen, Suizid, Tod, Vergewaltigung

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Auf einem Grundstück am Märkischen Meer bauen der Architekt (Lars Eidinger) und seine Frau (Susanne Wolff) ihren Traum vom Haus am See. Ein paar Jahre später baut ein jüdischer Tuchfabrikant (Ulrich Matthes) auf dem benachbarten Grundstück ein kleines Badehaus für den Sommer. Mehrere Jahre verbringt diese Familie Zeit am See, bis sich nach und nach die Lebenssituation für Juden in Deutschland durch das NS-Regime verändert. Um seiner Enkelin Doris (Ava Weisbrod, Pelle Bo Winckler) und ihren Eltern (Matthias Hungerbühler und Stella Denis-Winkler) die Flucht nach Kappstadt zu ermöglichen, verkauft er sein Grundstück samt Badehaus an den Architekten – aber auch für diesen bleibt das Haus nicht für immer sein Heim. Volker Schlöndorffs Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte erzählt von dem Haus am Märkischen Meer, dessen Bewohner*innen, ihren Schicksalen und thematisiert dabei die Geschichte Deutschlands ab Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur Wiedervereinigung.

„Denn die Weltgeschichte hat am Ufer des Märkischen Meeres nicht Halt gemacht…“

Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte ist eine Adaption des Romans Heimsuchung von Jenny Erpenbeck (2007), der mittlerweile zur Abiturlektüre geworden ist. Einige Stellen des Romans wurden zwar abgeändert, beispielsweise wurde aus der achronischen Erzählstruktur eine chronologische, jedoch behält der Film die Tiefe und Emotionalität der Geschichte bei. An anderen Stellen wurden filmische Mittel dafür genutzt, die verschiedenen Zeitpunkte der Geschichte darzustellen. So finden sich Einblendungen von Original-Film- und Tonaufnahmen des NS-Regimes, der Nachkriegszeit und des geteilten Deutschlands wieder und ermöglichen es, einen tieferen Einblick in die jeweilige Zeit zu erlangen. Und auch der Wechsel der Jahreszeiten wird durch fließende Übergänge veranschaulicht und schafft ein atmosphärisches Gesamtbild. Wer genau hinschaut, findet diese Details auch im Kleinen wieder.

Einige Szenen der Buchvorlage wurden zwar weggelassen, vielleicht um die Härte der Themen nicht auf der Leinwand direkt darzustellen, dafür springt aber die Erzählstimme Marija (Maria Matschke Engel), die Enkelin der Schriftstellerin (Martina Gedeck), ein. Diese wohnt während der DDR-Zeit in dem Haus und berichtet bzw. deutet an, was mit den jeweiligen Bewohner*innen passiert ist. Neben Marija als Erzählstimme ist auch der mysteriöse Gärtner (Wigand Witting) ein durchgängiger Begleiter, der von Anfang bis Ende den Garten des Hauses betreut und dabei scheinbar nicht altert.

Zwischen all den Schicksalen und schrecklichen Ereignissen, die den Bewohner*innen des Hauses und Badehauses drohen, finden sich immer wieder entschleunigende Elemente im Film. Das Märkische Meer wird von allen Bewohner*innen als willkommener Ort zum Baden und Schwimmen gesehen und gerade hier finden sich Sequenzen, in denen wenig passiert – ohne viele Geräusche oder Dialoge werden einfach das Wasser und die Natur genossen. Das gibt den Szenen eine fast schon katharische Wirkung, ohne aber die tragischen Geschehnisse zu überspielen.

„So gehen die Jahre und sind wie ein Jahr.“

Mit Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte schafft Volker Schlöndorff nicht nur eine gelungene Adaption, sondern auch einen Film, der sich stark mit den Schicksalen der einfachen Leute beschäftigt. Der Film ist nicht nur für Kenner*innen des Buches von Jenny Erpenbeck zu empfehlen, sondern auch für diejenigen, die sich die Geschichte des eigenen Landes aus einem anderen, ungewöhnlichen Winkel erzählen lassen wollen – einem Haus am Märkischen Meer.

Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte läuft täglich um 16:15 Uhr und 20:35 Uhr im Odeon und ab dem 22.10.2026 täglich um 16:10 Uhr und 20:30 Uhr.

von Sina Gutöhrlein

Volker Schlöndorff
Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte 
D 2026
121 Minuten
FSK 12

Fotos © Studiocanal / Ziegler Film

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