Jan Weiler – Das Vogelhaus
Jan Weiler – Das Vogelhaus

Jan Weiler – Das Vogelhaus

Kann man mit der Vergangenheit abschließen, indem man sie kauft?

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CW: Demenz, Homophobie, physische Gewalt, Rassismus, sexualisierte Gewalt, Tod

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Leonard Beck hat gerade seinen Job am Theater in Berlin verloren, als er eine ungewöhnliche Post in seinem Briefkarten findet. Seine Mutter hat ihm eine Annonce von einer Immobilie in seiner Heimat geschickt. Als junger Mann hasste er es, wenn er im Rahmen seines Zivildienstes bei der mobilen Hilfe in dieses Haus musste. Angst erfüllt ihn, wenn er daran zurückdenkt. Aber wie lernt man, die Vergangenheit zu vergessen? Oder muss man sich ihr stellen?  Genau über diese Fragen schreibt Jan Weiler in seinem neuen Roman Das Vogelhaus.

„Was er am Ende gelernt hat: Demut vor der Bedürftigkeit anderer Menschen. Ganz einfach.“

Durch die Thematik des Zivildienstes und Leonards Begegnungen mit den älteren Menschen, bietet der Roman viel Raum, um zahlreiche gesellschaftliche Fragen aufzuarbeiten. Dabei merkt man an einigen Stellen, dass die Zielgruppe des Buches vermutlich eher Menschen sind, die in den 90er Jahren Zivildienst geleistet haben. Aber auch alle, die Erfahrungen mit Kanarienvögeln haben, werden sich vermutlich angesprochen fühlen.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen und wechselt zwischen der Gegenwart und der Zeit, in der Leonard Zivi war, hin und her. Dabei gelingt es Weiler sehr gut, klare Übergänge zu schaffen und beide Ebenen miteinander zu verknüpfen. Durch die sorgfältige Einführung der Figuren, fällt es leicht, ein realistisches Bild von ihnen zu bekommen. Schade ist jedoch, dass an einigen Stellen mit starken Stereotypen gearbeitet wird. Besonders kritisch ist die Reproduktion von rassistischen Narrativen ohne Einordnung.

Sehr gelungen sind hingegen die treffenden Beschreibungen der Räumlichkeiten, sodass leicht Bilder im Kopf entstehen. Außerdem ist Weiler sehr gut darin, das Erzähltempo situationsgerecht zu verändern, indem er zwischen Dialogen und Beschreibungen wechselt. Dadurch fliegt man nur so durch die Seiten und das Buch entfaltet von Anfang an eine starke Sogwirkung.

Insgesamt handelt es sich um einen lesenswerten Roman mit originellen Ideen und einem spannungsreichen Handlungsverlauf, der bis zur letzten Seite noch Überraschungen bereithält.

von Jasmin Fuchs

Jan Weiler
Das Vogelhaus
Heyne 2026
352 Seiten
24,00 Euro
ISBN 978-3-453-44371-6

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