Eliza Clark – Boy Parts
Eliza Clark – Boy Parts

Eliza Clark – Boy Parts

„Er hat nie erzählt, dass du Akt fotografierst.“

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CW: Erbrechen, Erwähnung von Abtreibung, explizite Sprache, Körperverletzung, Mord, Selbstverletzung, schwerer Drogen- und Alkoholkonsum, sexuelle Belästigung, sexuelles Verhältnis zu Minderjährigen, Vergewaltigung 

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Wenn Irina nicht gerade in einer Bar arbeitet und sich dort die Belästigung ihrer männlichen Kundschaft gefallen lassen muss, arbeitet sie als Fotografin. Grenzüberschreitungen stehen dabei auf der Tagesordnung: Ihre Models sind auf der Straße angesprochene Männer, solche, die nicht dem klassischen Schönheitsideal entsprechen, und nicht selten gefährlich werden. Die Motive sind obszön und nicht selten gewaltsam…

Als Irina schließlich eine Einladung für eine Ausstellung ihrer Fotografien in einer Londoner Galerie bekommt und sich dafür mit ihrer Vergangenheit und früheren Werken auseinandersetzen muss, beginnt ein Sog des Wahnsinns, der exzessiven Drogen- und Alkoholkonsum mit sich bringt. Es wird für sie und ihr Umfeld immer schwieriger, zwischen Wirklichkeit und Einbildung zu unterscheiden. 

„Stimmt es, dass Foodfotografen nasse Tampons in der Mikrowelle aufwärmen, um beim Essen diesen Dampfeffekt zu erzeugen?“

Mit Boy Parts hat Eliza Clark einen äußerst düsteren, feministischen Psychothriller geschaffen. Die Protagonistin wird als widerliches, manipulatives Arschloch dargestellt, das nur auf den eignen Kick und Vorteil aus zu sein scheint. Doch worum geht es wirklich? Zunächst um die Obsession um Macht, das Abtasten von Grenzen, female rage und die Ausnutzung von Männern und der sogenannten „Männlichkeit“. Hinter diesem Geflecht verbergen sich jedoch Fragen an die Kunst selbst: Wie weit darf Kunst gehen oder eher: Wo fängt Kunst überhaupt an? Außerdem entstehen Zweifel an der Wirklichkeit, was sich wunderbar in dem Thema der Fotografie spiegelt und eine unzuverlässige Erzählerin zum Vorschein bringt. Das Ganze mündet senkrecht in die Verzweiflung Irinas darüber, ob ihr gesamtes Verhalten überhaupt Spuren hinterlässt. Schreie hallen damit auch gegen die Kunst.

Insgesamt hat man einen heftigen, aber überraschend klugen Roman vor sich, der zur Übertreibung neigt und damit vordergründig an manchen Stellen, beispielsweise wenn Irina Drogen nimmt, enerviert. Mit fortschreitendem Lesefluss wird jedoch klar, dass diese Übertreibung Teil des Gesamtwerks ist und damit sogar einen Platz in dessen Mitte einnimmt. 

von Hannah Orth

Eliza Clark
Boy Parts
Aus dem Englischen von Elena Helfrecht
Festa Verlag 2025
368 Seiten 
24,99 Euro
ISBN 978-3-9867620-1-8

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