Maike Schöfer – Nö
Maike Schöfer – Nö

Maike Schöfer – Nö

Am Anfang war das Nö.  Und das Nö war bei Gott?

CW: Ableismus, Essstörung, Klassismus, Queer-Feindlichkeit, Rassismus, selbstverletzendes Verhalten, Sexismus

Mit ihrem feministischen Sachbuch möchte die Berliner Pfarrerin Maike Schöfer Menschen und insbesondere FLINTA* zum Neinsagen anstiften. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen und den Neins von vielen prominenten Personen zeigt Schöfer auf, welche große Bedeutung das Wort Nein hat. Von Spice Girls über Rosa Parks bis Sinéad O’Conner erzählt sie von den verschiedenen Facetten des Neins. Dabei verknüpft sie historische Ereignisse mit aktuellen Fragestellungen und reflektiert diese vor dem Hintergrund von Bibel und Kirche. Sie bespricht  unter anderem feministische Deutungsansätze zu verschiedenen Bibelgeschichten. Statt als Sündenfall bewertet sie Evas Griff zur Frucht vom Baum der Erkenntnis beispielsweise als ersten fulminant feministischen Akt.

„Neinsagen hat eine Kraft. Es bewegt mich. Und kann dann die ganze Welt bewegen.“

Systematisch arbeitet sie sich an Themen wie geschlechtergerechter Sprache und intersektionalen Diskriminierungserfahrungen ab, wobei sie vorwiegend auf Queer-Feindlichkeit eingeht. Außerdem setzt sie sich kritisch mit Phänomenen wie Mansplaining, People Pleasing und Imposter-Sydrom auseinander. Dabei fragt sie immer wieder: Wie kann ein Nein zu einem Akt der Emanzipation werden?

„Nein also zu Periodenshaming, zur kapitalistischen Marktlogik, die Geld über Menschen stellt, zu rassistischen Strukturen in unserer Gesellschaft, zu patriarchalen Gott*esbildern und binärem Geschlechterdenken.“

Schöfer greift viele Debatten auf, die bereits seit einigen Jahren geführt werden, und ergänzt sie durch ihre theologische und kirchliche Expertise. Leider gelingt es ihr nicht durchgehend, ihre Argumentation nachvollziehbar zu machen. Teilweise beschreibt sie ihr Nein mehr, als es zu erklären. Sicherlich darf Widerstand auch einfach laut und undifferenziert sein. Dabei wird aber auch in Kauf genommen, dass Leser*innen, die sich mehr für Argumente als für Meinungen interessieren, etwas unzufrieden zurückbleiben.

Schöfers Schreibstil ist sehr locker und direkt, weshalb sich das Buch sehr schnell liest. Ihre teils umgangssprachlichen Formulierungen und alltagsnahen Beispiele machen es leicht zugänglich und man lernt die Autorin im Laufe der Lektüre immer besser kennen.

eignet sich besonders für Menschen, die sich für feministische Themen interessieren und offen für theologische Fragestellungen sind. Es enthält zahlreiche Denkanlässe für alle, denen es nicht reicht, dass alles so bleibt, wie es ist.

von Jasmin Fuchs

Maike Schöfer

Piper 2025
224 Seiten
16,00 Euro
ISBN 978-3-492-06880-2

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