Julia und Lisa Hermes – Out there. Zwei Schwester auf der Suche nach einer besseren Welt
Julia und Lisa Hermes – Out there. Zwei Schwester auf der Suche nach einer besseren Welt

Julia und Lisa Hermes – Out there. Zwei Schwester auf der Suche nach einer besseren Welt

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CW: Drogen, Menschenhandel, sexuelle Gewalt, Umweltzerstörung

Auf ihrer mehrjährigen Reise von Deutschland über den Atlantik, durch Südamerika bis nach Mexiko suchen die Schwestern Julia und Lisa Hermes nach gelebten Utopien und alternativen Gemeinschaftsformen. Dabei lernen sie zahlreiche Aussteiger*innen und Ökodörfer kennen und lassen sich von ihrer Abenteuerlust treiben, obwohl ihnen immer wieder klar wird: „Im Moment des Erlebens sind sie meist eine Tortur. Abenteuer lebt man nicht, von Abenteuern erzählt man nur.“

Zwischen den vielen wertvollen Momenten und inspirierenden Begegnungen geraten die beiden Autorinnen auch regelmäßig in große Schwierigkeiten, sei es wegen Unstimmigkeiten untereinander, endlosen Anforderungen von Behörden oder unzuverlässigen Aussagen von Einheimischen. Trotz allem verlieren sie nie ihren Humor und ihre Lebensfreude, geben aber auch authentische Einblicke in herausfordernden Zeiten.

„Von deiner Scham wird meine Vergangenheit auch nicht besser!“

Besonders spannend sind dabei ihre kritischen Reflexionen zur westlichen Sozialisation und den damit verbundenen Lebensstandards. Sie hören den Menschen vor Ort aufmerksam zu und geben interessante Gedankenanstöße weiter, die sie von Einheimischen erhalten: „Wenn ein weißer Mann in einer Lehmhütte wohnt und im eigenen Garten sein Gemüse anbaut, ist das gelebte Utopie. Aber wenn wir in Lehmhütten leben und unseren Garten bestellen, bekommen wir Entwicklungsprogramme aufgedrückt, und niemand kann nachvollziehen, warum wir diese Programme ablehnen.“ Immer wieder wird vom gemeinsamen Ringen darum erzählt, Probleme klar zu benennen und neue Lösungen zu finden. Dabei stellen sich Julia und Lisa Hermes nicht als Expertinnen, sondern auf angenehme und treffende Weise als Suchende dar.

Verschiedene Positionen lassen sie nebeneinander stehen, ohne das Eigene zu vernachlässigen. Dadurch gelingt es ihnen eine inspirierende Sammlung aus unterschiedlichen Überzeugungen zusammenzustellen und die Leser*innen zur eigenen Meinungsbildung anzuregen. Oft enden die Kapitel mit prägnanten Zitaten von Weggefährt*innen, die genau dies unterstützen: „Es mag sein, dass unsere Träume verspottet, unsere Anstrengungen als naiv und weltfremd belächelt werden. Die Welt mag uns für komplett inkompetent, verrückt oder unverantwortlich halten. Nun, wenn es genau diese Eigenschaften braucht, um an eine Welt zu glauben, die schöner ist als diese, dann werden wir uns wohl niemals ändern.“

„Die Menschen hier kommen zusammen mit einem gemeinsamen Ziel: in Frieden und Harmonie miteinander leben. Auch das ist ein Experiment, bei dem sicherlich nicht alles perfekt läuft.“

Die Kapitel von Julia und Lisa wechseln sich permanent ab, wobei sie eine gemeinsame Sprache finden, die alles zu einer einzigen Erzählung verschmelzen lässt, ohne ihre individuellen Charaktereigenschaften zu übergehen. Im Laufe des Buches merkt man trotz aller Harmonie und Ähnlichkeit ihre Einzigartigkeit und persönlichen Interessen. Im hinteren Teil folgen auch Abschnitte, wo sich ihre Wege für einige Wochen trennen.

„Je mehr wir den Bezug zu der Welt wiederherstellen, in der wir leben und von der wir durch und durch abhängig sind, desto sinnhafter wird unser Dasein.“

Insgesamt handelt es sich bei Out there um eine unterhaltsame und vielseitige Lektüre, die sich für alle eignet, die bereit sind groß zu träumen, an eine bessere Welt zu glauben und auf globale Lösungen zu bauen.

von Jasmin Fuchs

Julia und Lisa Hermes
Out there
Malik 2025
304 Seiten
12,00 Euro
ISBN 978-3-492-40707-6

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