Einfach machen – wird schon!
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CW: Blut
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Zwei Jungs sitzen ängstlich auf ihrem Segelboot, während dreißig Meter neben ihnen ein Blitz in den Pazifik einschlägt. Mit dieser Szene wird der Dokumentarfilm Segeljungs von Tim Hund und Tobias Steinigeweg eröffnet, welcher die fünfjährige Weltreise von Vincent Goymann und Tim Hund zeigt.
Ohne Plan und ohne Segelerfahrung machen sich die beiden gemeinsam mit zwei Schulfreunden auf den Weg. Aufgrund zahlreicher Herausforderungen und Probleme mit dem Boot müssen sie die Weltumsegelung jedoch in der Karibik abbrechen und starten mit einem neuen Boot vom Mittelmeer aus erneut Richtung Amerika. Vorher halbiert sich die Crew jedoch, aus persönlichen Gründen, was für alle zu Turbulenzen führt.
Der Film setzt sich zusammen aus wunderschönen Landschaftsaufnahmen und Szenen, in denen einer der beide Abenteurer über die aktuelle Lage berichtet und direkt in die Kamera spricht. Dabei wechseln sich häufig Krisenberichte und Einblicke in euphorische Momente ab. Besonders beeindruckend sind die vielen Unterwasservideos, welche die Jungs während ihrer Tauchgänge aufgezeichnet haben. Gerade diese Szenen kommen auf der Kinoleinwand besonders gut zur Geltung. Einige Aufnahmen sind mit professionellem Equipment und auch Drohnen gefilmt, andere jedoch mit dem Handy. Zu Beginn des Films ist man möglicherweise von der teils sehr schlechten Videoqualität und dem YouTube-Style irritiert, da es ein Zusammenschnitt aus Social Media-Beiträgen ist, was im Film leider völlig unerwähnt bleibt. Andererseits sieht man daran, dass es sich tatsächlich um eine Dokumentation handelt, und man erhält authentische Einblicke in die echte Reise. Da der Film komplett ohne Voice-Over auskommt, wird dieser Effekt verstärkt. Der Stil passt außerdem wunderbar zur Lebensfreude, Leichtigkeit und Naivität der Jungs.
Lobend hervorzuheben sind an dieser Stelle auch die gelungenen Animationen zur Reiseroute und die passende Hintergrundmusik, welche das Lebensgefühl unterwegs direkt im Kinosaal spürbar macht.
Passend zum Film gibt es auch ein gleichnamiges Buch von Vincent Goymann, welches sich jedoch wesentlich davon unterscheidet. Während der Film teils sehr fragmentarisch erzählt ist, erfährt man im Buch beispielsweise mehr darüber, wie Konflikte und Herausforderungen gelöst werden. Stattdessen wird eine Wohlfühlatmosphäre kreiert, die massive Risiken verharmlost und Privilegien ausblendet. Insgesamt fehlt es dem Film an einem klaren Erzählstrang und reflexiver Tiefe, was die überragende Ästhetik von verschiedensten Landschaften, Fischen und Wellen nur teilweise retten kann. Schade ist auch, dass es an Transparenz über die Finanzierung fehlt und beispielsweise die Unterstützung durch die Online-Community nicht thematisiert wird. Ein weiterer zentraler Unterschied zum Buch besteht darin, dass der Film sich sehr auf die Zeit auf dem Wasser konzentriert. Landgänge und Begegnungen mit der Bevölkerung der verschiedenen Regionen werden nur am Rande erwähnt. Dadurch fühlt es sich mehr wie eine durchgängige Reise an.
Insgesamt handelt es sich um einen sehenswerten Film, welcher die YouTube-Videos der Segeljungs auf eine Art und Weise verdichtet, die vor allem für Menschen zugänglich ist, die bereits einiges Vorwissen oder die Reise medial verfolgt haben. Aber auch alle anderen, die sich für beeindruckende Naturszenen interessieren, werden auf ihre Kosten kommen.
Weitere Vorstellung gibt es am 18.04. und 19.04. jeweils um 16:25 Uhr im Lichtspiel.
von Jasmin Fuchs

Tim Hund und Tobias Steinigeweg
Segeljungs
Deutschland 2025
FSK 12
118 min







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