Ein sächsischer Ausnahmekletterer auf Weltreise
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CW: Gewalt, Tod, Unfälle
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In drei Bänden zeichnet Peter Brunnert das Leben des sächsischen Kletterers Bernd Arnold nach und hat dafür intensive Recherchen betrieben. Nach Ein Grenzgang (2018) und Barfuß im Sand (2020) ist Riders on the Storm der abschließend Band und erzählt von den Kletterreisen zwischen 1989 und 2024.
Das Buch gliedert sich in 22 Kapitel, wobei in fast jedem Kapitel eine eigene Kletterreise beschrieben wird. Es gibt aber auch eindrückliche Texte, in denen von Arnolds Sportladen und seinen Hohensteiner Kletterfesten erzählt wird. Arnold bereiste, nachdem es ihm durch den Mauerfall endlich möglich war, zahlreiche Klettergebiete in alle Welt. Die meisten seiner Reise führten ihn jedoch nach Patagonien. Trotz der Wiederholungen seiner Reisen ins gleiche Gebiet bleibt es jederzeit spannend und man lernt Stück für Stück, Arnolds Faszination für dieses Gebiet zu teilen. Außerdem zeichnen die Reiseberichte über Patagonien interessant Arnolds Charakterentwicklung nach. Während er anfangs getrieben war von sportlichem Ehrgeiz, wird er zunehmend gelassener und legt mehr Wert auf angenehme Stunden in guter Gemeinschaft.
„Das klingt tatsächlich blödsinnig. […] Aber ist das nicht großartig?“
Viele der Reisen sind sehr preisintensiv, besonders Mali wird zu einem teuren Vergnügen. Arnolds Freund Kurt Albert fasst zusammen: „Fünfmal Patagonien ist gleich acht Monate Selbstknechterei und Zermürbungspädagogik. […] Und das alles kostet 30 000 DM. Führt man die Rechnung weiter, so bleibt unterm Strich ein Klettertag pro Woche. Für diesen Klettertag bezahle ich folglich 10 000 DM, muss circa 1500 Höhenmeter zum Berg und 400 Höhenmeter mit Steigklemmen und das Fixseil hinauf – und das alles freiwillig!“ Trotzdem sind sich beide einig, dass sie sich nichts Schöneres vorstellen können.
Besonders interessant ist auch Arnolds Reise mit seiner Tochter Heike, welche die beiden 1992 durch die USA unternahmen. Durch Ergänzungen aus Heikes Tagebuch erlangt man interessante Einblicke in die Kletterabenteuer, Familiendynamik und Charakterzüge von Arnold. Später wird das Bild ergänzt durch Aussagen von Freund*innen und Weggefährt*innen, sodass man den Kletterer intensiv kennen und schätzen lernt.
Brunnerts wechselhafter Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig. Teilweise hält er sich sehr im Hintergrund, dann kommentiert er den Text wieder deutlich und gibt Einblicke in den Rechercheprozess. Es gibt auch einige Passagen, bei denen Ausschnitte aus Arnolds Tagebuch ohne redaktionelle Überarbeitung abgedruckt sind. Diese Mischung sorgt gleichermaßen für Irritation und angenehme Abwechslung. Lobend hervorzuheben ist jedoch, wie sehr sich Brunnert darum bemüht, ostdeutsche Perspektiven treffend einzufangen, was von zentraler Bedeutung ist, weil Arnolds Leben maßgeblich von der DDR geprägt wurde.
Die eigenwilligen Fotografien, welche das komplette Buch durchziehen, sind eher authentisch als ästhetisch, aber ergänzen das Gesamterlebnis auf passende Weise. Unverständlich und verwirrend hingegen sind auf vielen Seiten die Bildunterschriften, weil kaum Informationen zum Bild liefern und zum Teil Insiderwitze enthalten, die Leser*innen nicht zugänglich gemacht werden. Insgesamt handelt es sich jedoch um ein sehr hochwertiges Buch, welches mit liebevollen und hilfreichen Details ausgestattet ist, wie beispielsweise den Karten auf dem Vorsatzpapier.
Riders on the Storm ist ein unterhaltsames und lesenswertes Buch über Arnolds Kletterreisen seit dem Mauerfall. Besonders zu empfehlen ist es für alle Kletterfans, denen Authentizität wichtiger ist als Perfektion. Wer sich von dem unkonventionellen Stil nicht abschrecken lässt, wird mit einem herrlichen Lesevergnügen belohnt.
von Jasmin Fuchs

Peter Brunnert
Bernd Arnold. Riders on the Storm
Panico Alpinverlag 2025
304 Seiten
29,80 Euro
ISBN 978-3-95611-158-7