Gamesymphonic – Bamberger Symphoniker und Eímear Noone
Gamesymphonic – Bamberger Symphoniker und Eímear Noone

Gamesymphonic – Bamberger Symphoniker und Eímear Noone

Fagott trifft Fortnite

Seien es die Spirituals der Sklav*innen des 17. Jahrhunderts, die Shanties der Seefahrer im 19. Jahrhundert oder der Weihnachtsfrieden von 1914. Die Menschheitsgeschichte liefert unzählige Beispiele für die verbindende Kraft der Musik. In der heutigen globalisierten Welt ist ein neues Medium hinzugetreten, das Menschen ebenfalls kulturübergreifend miteinander verbindet: Das Videospiel.

Am 05.05.2026 traf in der Konzerthalle Bamberg dieser jahrhundertealte Zauber der Musik auf die moderne Klangwelt der Videospiele. Das renommierten Orchester der Bamberger Symphoniker setzte seine Reihe der „Video Games in Concert“ fort. In Zusammenarbeit mit dem Universitätschor Bamberg und dem Videografen Philipp Geist entstand mit der bekannten irischen Komponistin Eímear Noone als Dirigentin ein zweistündiges Programm für alle Musikliebhaber*innen und Videospielenthusiast*innen.

„Musik ist ein moralisches Gesetz. Sie gibt dem Universum eine Seele, dem Geist Flügel, der Fantasie Flugkraft und dem Leben und allem anderen Charme und Heiterkeit“ – Platon

Kommen Jung und Alt an einem Dienstagabend zusammen, ist eines sicher: Das Programm muss besonders sein. Es muss unterschiedliche Generationen gleichermaßen ansprechen und eine Ebene kreieren, die die klassischen Klänge mit den actionreichen Welten der Videospiele verbinden kann. Den vorgestellten Arrangements gelang dies ohne Zweifel. Der Abend konnte wohl nicht wirkungsvoller beginnen als durch die Vorstellung des Unichors mit dem Theme des Shooters Halo. Gänsehaut pur! Durch Elemente des Jazz Noirs in Vampire Bloodlines 2 oder einem überraschendem, großartigem und viel zu kurzem Gitarrensolo aus Spyro the Dragon wird Abwechslung und Neugier geschaffen. Jedes Stück lädt zum Entdecken ein und liefert diesen wunderschönen „Ach, die Melodie kenne ich doch“-Moment. Mit „Legends Never Die“ aus League of Legends brachte die Gaming-Hymne schlecht hin das Programm schließlich eindrucksvoll zum krönenden Abschluss.

„When you’re lost in the darkness, look for the light.“ – The Last of Us

Getragen wird ein derart vielschichtiges Konzept von einem ebenso herausragenden Orchester. Die Bamberger Symphoniker bestätigen einmal mehr ihren Ruf als Ensemble von internationalem Format und zeigen eindrucksvoll, welches musikalische Niveau in Bamberg beheimatet ist. Auf die Sekunde genau harmonierende Violinen, geniale Cellosoli und perfekt akzentuierte Paukenschläge sind hierbei nur die Spitze des Eisbergs. Ergänzt wird das Ensemble wirkungsvoll durch Gitarre, Klavier und Bass, die den Melodien zusätzliche Farben verleihen.

Ein Orchester dieser Qualität steht und fällt jedoch auch mit seiner Leitung. Die musikalische und organisatorische Gesamtverantwortung lag bei der mehrfach ausgezeichneten irischen Komponistin Eímear Noone, die vor allem durch ihre Arbeiten zur Musik von World of Warcraft bekannt ist. Mit Charme und Humor verstand sie es, auch das Publikum nicht nur zu dirigieren, sondern aktiv einzubinden. Durch kurze Anekdoten und Moderation wurde sie zeitweise zur Vermittlerin zwischen Bühne und Publikum und machte den Abend zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis. Eine bemerkenswerte Leistung.

Ebenfalls hervorzuheben ist der Videograf Philipp Geist, dessen Projektionen die Konzerthalle visuell in die Welten der jeweiligen Spiele verwandelten und so die musikalische Ebene wirkungsvoll erweiterten. Ebenso überzeugte die irische Sängerin Carly Smithson, die vor allem durch ihre Teilnahme an American Idol bekannt wurde und mit großer Stimmkraft und Ausdrucksstärke beeindruckte.

Bei all den starken solistischen und visuellen Elementen geriet der Universitätschor der Universität Bamberg stellenweise etwas in den Hintergrund. Obwohl im Vorfeld mit seiner Mitwirkung geworben wurde, hätte ihm an manchen Stellen mehr Raum gutgetan, um seine klangliche Wirkung voll zu entfalten. Wo er jedoch eingesetzt wurde, überzeugte der Chor mit Klarheit und einer gelungenen Ergänzung des Orchesters.

„It’s-a me, Mario!“ – Super Mario 64

Von Nintendo über Fortnite zu World of Warcraft und League of Legends. Das Programm setzte sowohl thematisch als auch musikalisch Ausrufezeichen und bleibt in Erinnerung. Nach drei Europapremieren und gleich zwei Zugaben wurde klar, dass die Symbiose aus klassischem Orchester und den Videospielwelten mehr als nur gelungen ist. Ein spannender, lustiger und gefühlvoller Abend, der klar Lust auf mehr macht. Es kann nur gehofft werden, dass die Reihe „Video Games in Concert“ fortgesetzt wird.

von Vincent Berwind

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