„Ich bin in einer außerirdischen Fernsehshow. Heilige Scheiße!“
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CW: Blut, Drogen, Gewalt, Mord
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Das Ende der Welt als mörderisch außerirdische Gameshow und du bist nur bewaffnet mit Lederjacke, Unterhose, schlechtsitzenden Crocs und einer hochnäsigen Show-Katze. Da ist Unterhaltung vorprogrammiert.
Als ursprüngliche self-published Webnovel gehört Dungeon Crawler Carl zu einer Reihe von Büchern, die es nach ihrem digitalen Erfolg auch ins Programm von print-Verlagen und schließlich auch ins Deutsche geschafft haben. Angesiedelt ist die Geschichte im LitRPG-Genre, in dem Elemente eines Computerspiels, wie das Leveln, Achievements und Skills in Buchform umgesetzt werden.
Eigentlich wollte Carl nur Prinzessin Donut, die ausgebüxte Katze seiner Exfreundin, einfangen. Draußen auf den eisigen Straßen entkommt er dadurch jedoch einem tödlichen Schicksal: Sämtliche Gebäude, eigentlich alles mit einem Dach, wird vor seinen Augen dem Erdboden gleich gemacht.
Die noch sehr nebulöse Borant-Corporation hat als Regent über unser Sonnensystem den Planeten umgewandelt, um ihn für seine Rohstoffvorkommen zu nutzen. Großzügigerweise ermöglichen sie den verbliebenen Menschen durch Treppen ins Innere des Planeten und einen von ihnen konzipierten Dungeon zu gelangen. Auf insgesamt 18 Ebenen muss die Menschheit fortan ums Überleben kämpfen und immer tiefer gelangen. Natürlich tut Borant das nicht aus Nächstenliebe. Sie besitzen die Nutzungsrechte der Veranstaltung und strahlen das Scheitern und die Erfolge der sogenannten Crawler als neue Staffel der Serie „Dungeon Crawler World“ in die ganze Galaxie aus. Unterhaltung wird dabei großgeschrieben. Carl und die anderen Crawler erwarten nicht nur tödliche Fallen, Monster und Bosse, sondern auch ein Countdown und immer weniger Treppen, die in die nächste Ebene führen.
Vieles im Dungeon besitzt bewusste Bezüge zu unserer Welt. Schließlich soll das intergalaktische Publikum etwas über den Planeten lernen. So gibt es Incel Goblins, die weibliche Crawler zuerst angreifen und böse Lamas, von denen man Meth in Trailerpark-Qualität looten kann. Diese Art von Humor muss man mögen und auch die KI, die die Belohnungen im Dungeon steuert, macht für den Unterhaltungsfaktor überaus versaute Witze. Schnell entwickelt sie Carl gegenüber einen Fußfetisch und beschreibt beispielsweise den ätherischen Zauber mit dem Namen Irrlicht Rüstung als toll, „wenn du ein Club Kid bist oder eine Veganerin flachlegen willst.“
„Wozu sollte ich überleben, wenn ich nicht mit mir selbst leben könnte?“
Trotz des für manche gewöhnungsbedürftigen Humors, der Brutalität und dem Ekel, welche mit dem mörderischen Spiel einhergehen, gibt es auch emotionale und tiefgründigere Momente im Dungeon. Carl bemüht sich, moralisch zu handeln, auch wenn es ihm nicht immer gelingt. Unerwartet berührend ist auch die Rolle einiger Monster, die von Frieden auf einer tieferen Ebene träumen. Ebenso versprechen die Hintergründe rund um die Borant-Corporation und das politische System noch interessant zu werden.
Obwohl das Buch sich sehr schnell lesen lässt, ist es, seinen Ursprüngen als Webnovel geschuldet, etwas langatmig. In diesem Band werden nur das erste und zweite Level des Dungeons behandelt. Bei 18 möglichen Leveln verwundert es nicht, dass bald der achte und immer noch nicht finale Band der Reihe erscheint. Obwohl der Aufbau recht repetitiv ist, wirkt er sich nicht negativ auf die Spannung und Unterhaltung aus. Ähnlich einem Computerspiel weiß man oft schon, was einen als nächstes erwarten wird, das Interessante ist aber, wie die jeweilige Situation oder der Kampf gemeistert wird.
Nicht nur das leider sehr plötzliche Ende, sondern auch die spannende Welt und exzellente Umsetzung des LitRPG-Genres machen Lust auf den nächsten Band rund um Carl und Prinzessin Donut.
von Victoria Dimeo

Matt Dinniman
Dungeon Crawler Carl
Übersetzt aus dem Englischen von Ruggero Leo
Fischer Tor 2026
448 Seiten
18,00 Euro
ISBN 978-3-596-71249-6