WildWuchs Theater – Elemente gut, alles gut 
WildWuchs Theater – Elemente gut, alles gut 

WildWuchs Theater – Elemente gut, alles gut 

Vier Stimmen der Natur

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CW: Darstellungen von körperlicher Gewalt, Stroboskoplicht, Tod, vulgäre Sprache

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In Elemente gut, alles gut gibt das WildWuchs Theater der Natur vier Stimmen. Die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft treiben entlang der Evolutionsgeschichte ihren Schabernack mit den Menschen: Sie überfluten, verbrennen, stürmen die Welt und lassen sie erbeben.

„Erzähl‘ uns die Geschichte! Ja, die Geschichte!“ So lauten die ersten Worte der neusten Inszenierung des WildWuchs Theaters. Obwohl sie die Geschichte schon so oft gehört haben, verlangen die jungen Elemente (Eugeniya Ershova, Selina Früchtl, Kristina Greif, Emelie Töpfer) erneut danach. Deshalb begeben sich die Elemente auf ihre Anfangsposition und zeigen anhand ausgewählter Ereignisse, wie die Menschheit im Verlauf ihrer Geschichte die Elemente eingefangen und nach und nach für ihre eigenen Zwecke missbraucht hat: zum Beispiel von der Entdeckung des Feuers über die Eingrenzung im Lagerfeuer bis hin zur Verwendung als Zündquelle für dieses ‘schwarze Pulver’.

Nur logisch, dass die Elemente das nicht länger einfach auf sich sitzen lassen. Sie nutzen all ihre Kräfte, um die „komischen Tiere“ für ihr Fehlverhalten zu bestrafen. Wenn diese daraufhin an Keuchhusten sterben, ist das für sie kein Problem, sondern ein Grund zur Freude und Belustigung. Die Menschen haben es schließlich verdient, unter den Ruinen ihrer Überheblichkeit begraben zu werden, und ein Neuanfang der Welt durch den Phönix steht bevor.

Im Verlauf der Handlung wird immer wieder deutlich, dass die Elemente die Evolutionsgeschichte blitzlichtartig, ohne Sinn für zeitliche Abfolge aus ihrer ganz besonderen Perspektive nachspielen: Wenn sie durch ausdrucksstarke Mimik und Gestik, Stimmanpassungen durch Technik und minimale Kostümwechsel (Greta Ruppert) in verschiedene Rollen schlüpfen, die nächsten Szenen planen oder sich für die eigene schauspielerische Leistung loben oder kritisieren. Gerne wird auch mal die vierte Wand durchbrochen, um nach einem Feuerzeug zu fragen, das für eine Szene benötigt wird, oder indem die Zuschauer*innen dazu aufgefordert werden, gemeinsam dem von einem Element gespielten ‘Erklärbär’ für das Teilen seines Wissens zu danken.

Eine bühnenreife Inszenierung

Elemente gut, alles gut spielt mit dem Einsatz von verschiedensten Lichtquellen (Boli), die das Stück prägen und wesentlich zu seiner Wirkung beitragen. Besonders die Lampe, die die Schauspielerinnen im Zuge der Gute-Nacht-Geschichte unterhalb ihrer Gesichter halten und unter der Decke anmachen, erzeugt genau das eindrucksvolle Bild, das sich das Publikum für eine solche Szene vorstellt. An der Stelle der Hinweis, dass es im Stück stroboskopische Effekte gibt, worauf das WildWuchs Theater dankenswerterweise gemeinsam mit den anderen Content Warnings vor Ort hinweist.

Hervorzuheben ist auch die Live-Musik von Dominik Tremel, die bei den Zuschauenden eine passende Stimmung für die einzelnen Handlungsschritte hervorruft und die Gesangseinlagen der Schauspielerinnen begleitet. Tremel hat aber auch bei einer Reise der Elemente einen kleinen Gastauftritt, denn er verkündet ihnen (schwer verständlich, weil er währenddessen einen Kloß isst), dass sie auserwählt wurden, um den bösen Homo sapiens zu bekämpfen, und besondere Fähigkeiten besitzen.

Elemente gut, alles gut blüht aufgrund von durch und durch theatralischem Spiel und witzigen Handlungselementen, wie das Auftreten vom zunehmend genervten ‘Erklärbär’, der einfach nur Kippen rauchen und etwas trinken möchte, erst so richtig auf. Es handelt sich damit um den einzigen richtigen roten Faden des Stücks, der geschickt mit den visuellen und auditiven Elementen verbunden wird. Das sorgt immer wieder für viel Gelächter im Publikum und bewirkt somit eine angenehme Mischung aus Unterhaltung und der Verhandlung des gesellschaftskritischen Kerns des Stücks, des Umgangs der Menschheit mit der Natur.

Ein ungewöhnlicher Aufführungsort und ein noch ungewöhnlicheres Programmheft

Das Palais Schrottenberg bietet als Aufführungsort zwar nur eine kleine Bühne und keinen großen Zuschauendenraum, aber das WildWuchs Theater nutzt die Möglichkeiten dessen vollumfänglich aus und erntet dafür tosenden Beifall vom Publikum.

Und wenn die Zuschauer*innen gut aufgepasst haben, kann das ungewöhnliche Programmheft nach der Vorstellung endlich wirklich genutzt werden. Denn es gibt zwar ein paar wenige Infos zu den Personen, die am Stück mitgewirkt haben, aber statt der typischen inhaltlichen Einführung werden darin dem Publikum Fragen gestellt wie: Was steht auf den Stirnen unserer vier Elemente? Und ist der von Geilheit Getriebene, der samt seiner Gefolgschaft ins Wasser zurückgezogen wird, Aquaman, der Hammelbock, Odysseus oder einfach jemand, der Bock hat, zu schwimmen?

Insgesamt handelt es sich bei Elemente gut, alles gut um ein wildes und witziges Theaterstück, welches die Elemente davon erzählen lässt, wie die Menschen sie misshandelt haben und dafür bitter büßen müssen. Eine (leider!) hochgradig aktuelle Inszenierung des WildWuchs Theaters.

Weitere Aufführungen finden am 28.05. und 29.05. um jeweils 20 Uhr im Palais Schrottenberg statt. 

von Alina Köhler

Fotos: © Alexander Roßbach

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