„Kein Haus, kein Leben.“
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CW: Erpressung, Hausfriedensbruch, Mord, Stalking
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Der Wohnungsmarkt ist eine absolute Katastrophe. Klar, das weiß jeder. Eine Wohnung oder ein Haus zu finden, wird immer mehr schwieriger, zeitintensiver und teurer. Und je älter man wird, desto mehr sehnt man sich nach einem Eigenheim, das groß genug für eine Familie ist. So weit können sich Leser*innen ohne Probleme in Margo hineinversetzen, die verzweifelt auf der Suche nach dem perfekten Haus in D.C. ist. So hoffnungslos wie Margo sind sie aber ganz sicher nicht. Denn als diese endlich ihr Traumhaus in ihrer Traumgegend mit ihrer Traumausstattung findet und erfährt, dass es bald zum Verkauf ausgeschrieben werden wird, weiß sie: Sie muss es bekommen, egal, mit welchen Mitteln.
„Ich war wie ein Teenie mit seinem ersten Schwarm: Ich wollte jeden einzelnen Zentimeter des Hauses studieren und mir vorstellen, dass es mir gehörte.“
Kashino nutzt in ihrem Debütroman Tödliches Angebot ihre journalistische Expertise bezogen auf Immobilien und Wohndesign für den Entwurf eines Psychothrillers mit einer vielversprechend klingenden Ausgangsfrage: Wie weit geht man für das perfekte Haus? Für Margo ist es Liebe auf den ersten Blick und auch auf den zweiten und den dritten und alle weiteren, die noch folgen. Sie beginnt, das Haus immer wieder ganz genau zu erkunden und kann gar nicht genug davon bekommen. Erst von außen, dann doch ein schneller Blick in den Garten, es ist ja niemand da. Und dann von innen, weil sie es schafft, die Besitzer so auszuspionieren, dass sie Margo und ihren Ehemann Ian zum gemeinsamen Abendessen einladen. Gedanklich ist sie schon eingezogen, die ersten Möbel sind bestellt, doch dann verplappert sich Ian und die Besitzer durchschauen Margos Plan. Enttäuscht von diesem Vertrauensbruch scheint es nun ausgeschlossen, dass sie ihr Angebot annehmen werden.
„Das Haus ist inzwischen ein Teil von mir. Und ich will es nur ganz kurz sehen. Einfach nur, um zu wissen, dass es immer noch so perfekt ist, wie ich es in Erinnerung habe.“
So schnell gibt sich Margo jedoch nicht geschlagen. Die nette Methode hat nicht funktioniert, also müssen jetzt härtere Maßnahmen ergriffen werden. Hier ein bisschen Stalking, da ein wenig Erpressung. Und jede Menge Lügen, um ihre Freund*innen und Familie, aber auch Fremde dazu zu bringen, ihr unbewusst zu helfen. Margo greift zu immer extremeren Mitteln, denn: „Solange ich denken kann, bin ich in Eile. Ich hatte es eilig, erwachsen zu werden und von zu Hause wegzukommen. Ich hetze mich ab, um Deadlines zu erreichen. Um genug Geld zu verdienen. Eine Familie zu finden. Für das Gefühl, es geschafft zu haben.“ In Rückblenden erfahren Leser*innen immer mehr darüber, warum Margo immer besessener von einem genauen Lebensplan und insbesondere der Idee wird, ein eigenes Haus zu besitzen. Tatsächlich spielt ihr ständiges Gedankenkarussell für einen Großteil des Buches eine wesentlich größere Rolle als ihre eigentlichen Versuche, das Haus mit allen Mitteln erwerben zu können. Das Potential der Idee hinter Tödliches Angebot hätte an der Stelle deutlich besser für einen Spannungsaufbau genutzt werden können.
„Scheiße. Wenn wir dieses Haus nicht kriegen, wird mich das buchstäblich umbringen.“
Trotzdem oder gerade deswegen liest man eins der kurzen Kapitel nach dem nächsten, die Neugierde ist zu groß. Denn als Leser*in möchte man unbedingt erfahren, was Margo als nächstes plant und vor allem: ob sie ihr Ziel nun erreicht oder nicht. Für einen Thriller steigt die Spannung erst sehr spät an. Der insgesamt als unrealistisch einzuordnende Handlungsverlauf stört in diesem Buch keineswegs. Das Ende ist gut gelungen, weil es unerwartet kommt.
Tödliches Angebot liest sich flüssig mit Ausnahme einiger seltsamer Übersetzungen, über die man stolpert, wie zum Beispiel die wörtliche Übersetzung von „rabbit hole“ als „Kaninchenloch“ oder die Formulierung, dass ein Server „unten” ist. Ein ruhiger Psychothriller über menschliche Gier, dessen Potential nicht vollständig ausgeschöpft wurde.
von Alina Köhler

Marisa Kashino
Tödliches Angebot
Aus dem Englischen von Sybille Uplegger
Ullstein 2026
336 Seiten
16,99 Euro
ISBN 9783864933752