Fritz Lang – M – Eine Stadt sucht einen Mörder
Fritz Lang – M – Eine Stadt sucht einen Mörder

Fritz Lang – M – Eine Stadt sucht einen Mörder

 Morden müssen?

—  

CW: Kindsmorde

—  

In der Filmreihe Classic Sneak werden im Lichtspiel-Kino zeitlose Klassiker und bedeutende Werke aller Genres gezeigt. Welcher Film jeweils auf dem Programm steht, bleibt bis zum Vorstellungsbeginn geheim. Davor sorgt ein Quiz für Unterhaltung: Hier können die Besucher*innen ihr Filmwissen unter Beweis stellen und erhalten zugleich erste Hinweise auf den Film des Abends.

Bei der dritten Vorstellung der Reihe wurde am 15.06.2026 der deutsche schwarz-weiß-Klassiker M – Eine Stadt sucht einen Mörder von Fritz Lang aus dem Jahr 1931 gezeigt. Dabei handelte es sich um die 2011 restaurierte 111-minütige Fassung mit französischen Duplikationsnegativen.

„Jeder Mensch auf der Straße kann der Mörder sein.“

In M hält ein Kindermörder ganz Berlin in Atem. Mit Elsie Beckmann (Inge Landgut) ist bereits das neunte Kind innerhalb von acht Monaten verschwunden und die Bewohner*innen sind beunruhigt. Die Kriminalpolizei verfolgt akribisch, aber bisher ergebnislos, jede noch so kleine Spur – von Zigarettenstummeln bis hin zu Konfektpapier. Mit Razzien und umfangreichen Ermittlungen versucht sie so, den Täter zu fassen.

Die verstärkten Polizeikontrollen beeinträchtigen zunehmend die Geschäfte der organisierten Kriminellen, weshalb diese beschließen, selbst aktiv zu werden. In einer eindrucksvollen Parallelmontage werden die Beratungen von Polizei und Unterwelt gegenübergestellt. Beide Gruppen sitzen an großen Tischen in von Zigarettenrauch geschwängerten Räumen und diskutieren ihr weiteres Vorgehen. Während die Polizei entscheidet, sich auf Hinweise aus psychiatrischen Einrichtungen zu konzentrieren, mobilisieren die Kriminellen die Organisation der Bettler, die die Straßen der Stadt systematisch beobachtet.

Schließlich kommen beide Seiten dem Mörder langsam auf die Spur …

Der Film vor dem Hintergrund seiner Zeit

Für M ließ sich Fritz Lang von dem realen Fall des Serienmörders Peter Kürten inspirieren, der als „Vampir von Düsseldorf“ bekannt wurde und während der Weimarer Republik als meistgesuchter Verbrecher Deutschlands galt. Der Film behandelt zentrale Themen wie Angst, Kontrolle, Verantwortung und Gerechtigkeit. Er fordert das Publikum dazu auf, über Moral sowie über gesellschaftliche und staatliche Ordnung nachzudenken – insbesondere vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen seiner Entstehungszeit.

Fritz Langs erster Tonfilm überzeugt mit seinem durchdachten Drehbuch (Thea von Harbou und Fritz Lang) und die innovative filmische Gestaltung. Durch Kamerafahrten, Perspektivwechsel und Schnitt-Gegenschnitt-Verfahren entstehen nicht nur spannungsreiche, sondern stellenweise auch humorvolle Momente, etwa wenn die Bewohner*innen Berlins einander misstrauen und sich gegenseitig verdächtigen. Darüber hinaus prägen wirkungsvolle Licht- und Schattenkontraste die Atmosphäre des Films. Die Spannung bleibt dabei bis zum Schluss erhalten, obwohl das Publikum das Gesicht des Täters bereits zu einem frühen Zeitpunkt im Film sieht. Eine besondere Bedeutung kommt zudem den Medien innerhalb der Handlung zu. Immer wieder rücken Fahndungsplakate, Zeitungsmeldungen und Polizeidokumente in den Fokus der Kamera. Durch diese Nahaufnahmen vermittelt Lang den Eindruck unmittelbarer Teilhabe am Geschehen und macht die allgegenwärtige Suche nach dem Mörder für die Zuschauer*innen erfahrbar.

M ist ein Film, der auch nach fast 100 Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat. Er überzeugt noch heute durch seine technische Raffinesse, seine gesellschaftliche Relevanz und seine eindringliche Inszenierung. Gerade solche Vorführungen zeigen, wie beeindruckend es ist, Filmklassiker (nochmal) auf der großen Leinwand zu erleben.

Die Vorstellungen der Classic Sneak finden jeden dritten Montag im Monat (voraussichtlich also das nächste Mal am 20.07.2026) um 20:30 Uhr in Originalfassung mit Untertiteln im Lichtspiel statt.   

von Hannah Bockemühl 

Fritz Lang
M – Eine Stadt sucht einen Mörder
D 1931
111 min
FSK 12

Fotos © Films sans Frontières, D. R.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert