THEMA Theater – THIS IS A ROBBERY!
THEMA Theater – THIS IS A ROBBERY!

THEMA Theater – THIS IS A ROBBERY!

Eine schillernde Idee

„Meine Damen und Herren und everything in between“, es ist eine neue Theatergruppe in der Stadt. THEMA Theater hat bereits am 19. Juni 2026 die Premiere ihres Debutstücks THIS IS A ROBBERY! gefeiert, am 25. Juni legten sie nochmal nach. An einem sengend heißen Donnerstagabend luden sie in den Gewölbekeller des Ahörnla ein, der Hitze und dem Alltag zu entkommen, sich der ikonischen Räuberinnenbande um KA Moor anzuschließen. Basierend auf der Neufassung von Martina Clavadetscher, aber mega frei nach Friedrich Schillers Die Räuber.

Man stelle sich vor: Eine privilegierte reiche Erbin, die das System anzünden will. KA Moor (Lucie Homan) entscheidet sich während ihres Studiums, ihr Erbe abzulehnen und stattdessen was an der ungerechten Verteilung von Reichtum zu ändern. Kurzerhand bildet sie mit ihren Kommilitoninnen eine Räuberinnenbande, überfällt Veranstaltungen der Elite, schwingt sich zu einem modernen Robin Hood auf. Dies beobachtet entrüstet die jüngere Schwester Franny (Tessa Friedrich) aus dem Elternhaus, würde sie doch alles dafür tun, KAs Erbe zu erhalten, um das Familiengeschäft weiterhin erfolgreich in die Zukunft zu führen. Franny Moor liegt irgendwo zwischen Trustfund Baby und performativer Powerfrau, die in männlich dominierten Bereichen Vorreiterin sein will. Sie ist bereit, die Welt zu erobern mit dem ihr gegebenen Erbe, ohne das Gewicht dessen in seiner Gänze anzuerkennen wollen.

Doch Mutter Moor (Nicole Heinemann) will sich nicht in die Erbschaftsfolge reden lassen. Mutter Moor hadert mit ihrer Gesamtsituation, sieht sie doch ihr jüngeres Selbst im stürmischen Drängen auf Veränderung ihrer Tochter KA, aber weiß auch um die Verantwortung für das Familienerbe, das sie selbst tragen musste. In einigen Momenten bewilligt sie sogar den Feldzug der Tochter, lässt durchblicken, dass sie sie das System abfackeln lassen würde. Geprägt von der Rolle der Mutter, der Bürde einer Frau im Patriarchat ist sie innerlich noch zerrissener als KA Moor selbst.

Frannys Manipulationen zur Wahrnehmung der Erstgeborenen gehen kaum auf, dafür gerät die Räuberinnenbande zunehmend in extremere Situationen. Spiegelberg (Anna Lena Westphal) ist dabei die treibende Kraft zu noch mehr Revolution, noch mehr Räubereien, noch mehr Risiken. Mit der zunehmenden Zahl an Kollateralschäden steigen auch KA Moors Zweifel an der Richtigkeit ihres Handelns. Nun zeigt sich die innere Zerrissenheit KAs zwischen ihren Idealen und ihrer Erziehung, den Methoden und Erfolgen der Räuberinnenbande.

Das Stück wird vom Bühnenrand erzählend begleitet, später stellt sich heraus, dass dies Amalia (Carina Aul) ist, die vierte Person im Gespann um KA Moor. Amalia dient als einordnende Stimme aus dem Off, nicht im Geschehen involviert, aber tongebend was die Interpretation dessen angeht. Die Ironie dieser Rolle entgeht Amalia dennoch nicht, die Versinnbildlichung der liebeskranken Frau, die nur am Rande des Geschehens existiert.  

Die Umverteilung von Glück

Die Inszenierung des Stücks ist leuchtend, aber schlicht gehalten, ein minimalistisches Bühnenbild, die Schauspielerinnen oft in Doppelrollen. Dennoch ist die Leistung raumeinnehmend, laut, explosiv. Der Umgang mit Licht und Neonfarben stärkt die Illusion des Spiels, der Gewölbekeller wird in all seinen Winkeln genutzt, um räumliche wie emotionale Distanz darzustellen. Die Performance der Schauspielerinnen ist fesselnd, manchmal ungemütlich laut in dem kleinen, hallenden Raum. Jedoch passt auch dies gut zur unterliegenden Botschaft des Stückes, dass Frauen jegliche Arten von Positionen einnehmen dürfen und müssen, auch die lauten, ungemütlichen.

Das Stück ist zwar modernisiert, aber behält die ausschweifenden Reden Schillers und die zwiespältigen Predigten der Figuren bei. Es ist gelungen in seinem Feminismus, dabei mitreißend theatralisch. Auch in modernem Gewand bleibt dieses Stück Schillers Grundgedanken des „moralischen Theaters“ treu, übersetzt die Themen des Klassikers in unsere Gegenwart, ohne Nuancen einzubüßen, stattdessen wird an diesen durch die feministische Linse gewonnen. Es geht eben nicht nur um einen missglückten Klassenkampf, sondern stellt die Frage zu ethischem Umgang mit Erbschaften, Verantwortung und Revolution.

Der wichtigste Unterschied zum Original von Schiller liegt vielleicht im Ende des Stücks: Die Frauen konnten zum Schluss ihr Ego loslassen, etwas, das die Männer in der Originalfassung nicht geschafft haben, welches in signifikant weniger Todesfällen endet.

Um die Botschaft der Reichtumsumverteilung zu unterstreichen, wurde wiederholt mit dem Familienname Moor gespielt, der sich ausgesprochen nur wenig vom englischen ‚more‘ unterscheidet. Eine clevere Auseinandersetzung auf Meta-Ebene.

THIS IS A ROBBERY! zeigt, dass man für mitreißende Kunst kein großes Budget braucht. Kreativität und Einfallsreichtum können genauso bezaubern wie ausschweifende Kulissen.

Weitere Vorstellungen folgen noch am 02. Juli, 03. Juli und 09. Juli 2026, Beginn jeweils 19.30 Uhr im Gewölbekeller des Ahörnla in der Sandstraße.

von Friederike Brückmann

(v.l.n.r.) Nicole Heinemann, Tessa Friedrich, Lucie Homan, Carina Aul, Anna Lena Westphal

Foto © Werner Lorenz

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