Sarah Penner – Die Seehexen von Positano
Sarah Penner – Die Seehexen von Positano

Sarah Penner – Die Seehexen von Positano

Schiffwracks, Limoncello und ein magisches Geheimnis

CW: Entführung, Gewalt gegen Frauen, Tod

Sarah Penners dritter Roman Die Seehexen von Positano erzählt von zwei Frauen, zwischen denen zwar 200 Jahre liegen, die aber durch den gleichen Ort verbunden sind: Positano, ein kleines Fischerdorf im Süden Italiens. Unter der Oberfläche des unscheinbaren Dorfes, versteckt sich jedoch etwas Besonderes, etwas Magisches.

1821 lebt Mari in Positano und ist die Anführerin der streghe del mare – Seehexen, die auf magische Weise mit dem Meer verbunden sind und dieses kontrollieren können. Doch Mari hütet ein großes Geheimnis: Sie plant zusammen mit ihrem Geliebten Holmes das Dorf zu verlassen. Als aber eines Tages die Mazza-Brüder hinter das Geheimnis der streghe kommen, ist ihre Zukunft – und die der anderen Frauen im Dorf – in großer Gefahr. 200 Jahre später leitet Meeresarchäologin Haven das Forschungsprojekt Project Relic in Positano, um Schiffwracks zu erkunden, doch bei ihrer Ankunft sinkt eine Jacht und ein Vulkan droht auszubrechen. Als dann auch noch Conrad, der beste Freund ihres verstorbenen Vaters, ihr das Forschungsprojekt wegnimmt und zwingt, ihre Arbeit abzubrechen, entdeckt Haven, dass der Ort etwas viel größeres als ein materieller Schatz verbirgt – eine Geschichte, die ihr ganzes Weltbild auf den Kopf stellt.

Wie Feuer und Wasser

Mari und Haven könnten nicht unterschiedlicher sein. Nicht nur, dass sie zu verschiedenen Zeiten leben, auch das Element, das sie verbindet – das Wasser – sorgt bei der einen für Freude, während die andere es über alles hasst. Die zwei Erzählstränge, die sich kapitelweise abwechseln, sorgen dafür, dass sich ein hoher Spannungsbogen durch den gesamten Roman hält. Die Cliffhanger am Ende einiger Kapitel führen dazu, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen will. Wer genau hinschaut merkt auch, dass die beiden Erzählstränge verschiedene Perspektiven haben, die dem Buch nochmal eine besondere Tiefe verleihen: Während Haven die Geschehnisse aus der Ich-Perspektive erzählt, wird Maris Geschichte aus auktorialer Erzählweise wiedergegeben. Maris Geschichte wirkt dadurch wie ein Ausflug in vergangene Zeiten, eine Reise in eine magische Welt. Auch die hin und wieder auftauchenden Briefe und Tagesbucheinträge von Holmes, beantworten nicht nur offene Fragen, sondern geben weitere Einblicke und Perspektiven.

„Manchmal […] ist der größte Schatz, den man finden kann … die Liebe.“

Eine angenehme Abwechslung ist ebenfalls, dass obwohl beide Frauen Liebe finden, die Männer nicht als Retter ihrer Situationen dargestellt werden oder sich die Liebesgeschichten zu sehr in den Vordergrund drängen. Vielmehr werden ihre Partner zu Unterstützern und helfen Mari und Haven, ihre Ziele zu erreichen. Die beiden Frauen bleiben somit stark sowie unabhängig und werden nicht zu Frauen in Nöten reduziert.

Trotz dieser positiven Darstellung der Frauen werden die streghe an einigen Stellen stigmatisiert und Stereotype aufgegriffen: Sie haben rote Haare, treffen sich nachts, um (nackt) Magie zu praktizieren und bilden eine Art Hexenzirkel. Jedoch werden Stereotype auch reflektiert und kontextualisiert, denn sie sind aus Angst von Männern vor mächtigen Frauen entstanden. Wenn die Männer ihre Angst vor den streghe überwinden würden, wären die Frauen in noch größerer Gefahr: „Denn sobald die Männer die Wahrheit erfahren, würde es Komplikationen geben. […] Und innerhalb kürzester Zeit werden die Bewohner der gesamten Küste die Frauen ausbeuten und aus ihren Fähigkeiten Gewinn schlagen.“

Zauberhafte Idylle

Die Beschreibungen von Positano und dem Meer sind so schön formuliert, dass man sich wünscht, selbst dort einmal Urlaub zu machen. Nicht nur die unberührte Natur, sondern auch die Ortschaft wirkt wie ein kleiner idyllischer Platz: „Von [der Terrasse aus] hatte man einen Panoramablick über das Städtchen Positano mit seinen vielen Gebäuden, die sich in Rosa, Orange und Weiß den gegenüberliegenden Hang hinaufzogen wie Schichten einer Torte. […] Und dahinter: das Tyrrhenische Meer, in allen Blauschattierungen schillernd.“ Havens Tauchgänge machen neugierig auf Meeresflora und -fauna, die die Schiffwracks verbergen. Wer sich von der italienischen Idylle inspiriert fühlt, findet auch am Ende des Romans einige Rezepte für Gerichte und Getränke, die in der Geschichte vorkommen.

Die Seehexen von Positano ist ein toller Roman für den Sommer, für diejenigen, die Fans von Geschichten sind, die auf unerwartete Weise miteinander verbunden sind oder sich eine kleine Auszeit aus dem Alltag zu gönnen und in eine magische Welt reisen möchten.

von Sina Gutöhrlein

Sarah Penner
Die Seehexen von Positano
Aus dem amerikanischen English von Ursula Rasch und Julia Walther
HarperCollins 2026
384 Seiten
24,00 Euro
ISBN 978-3-365-01153-9

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert