Willkommen auf der nächsten Ebene
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CW: Blut, Gewalt
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Diese Rezension bespricht den zweiten Teil der Dungeon Crawler Carl-Reihe und beinhaltet deswegen kleinere Spoiler zum ersten Band.
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Carl und Prinzessin Donut haben im Gegensatz zu Millionen von anderen Menschen erfolgreich die zwei Trainingslevel ihres Crawls überlebt. Lange darauf ausruhen können sie sich jedoch nicht, denn die dritte Ebene ist umso tödlicher und bietet allerlei Überraschungen.
Die Stars der intergalaktischen Gameshow müssen sich nicht mehr durch dunkle Verliese mit steinernen Wänden kämpfen. Stattdessen brennt am falschen Himmel dieser urbanen Ebene eine ebenso falsche Sonne und inmitten riesiger monsterverseuchter Ruinengebiete wurden hunderte von kleinen Dörfern errichtet. Bewohnt sind diese Siedlungen von intelligenten NPCs, die sich trotz ihres künstlichen Ursprungs überaus lebendig anfühlen. Sie sind dafür verantwortlich, die neu eingeführten Quests an die Crawler heranzutragen. Was wäre ein Unterhaltungsformat ohne seine spannenden Geschichten und unerwarteten Wendungen?
Der Schwerpunkt von Carl’s Doomsday Scenario verschiebt sich, dieser Devise getreu, ebenfalls. Natürlich müssen weiterhin gefährliche und neue Monster besiegt werden, doch ehemals schwere Herausforderungen wie Kämpfe mit Gebietsbossen werden nur noch kurz am Rande erwähnt, während das Lösen der Quests an Bedeutung gewinnt.
Trotz dieser Umorientierung fühlt sich die Geschichte immer noch wie Dungeon Crawler Carl an. Bissiger Humor ist neben Elemente des LitRPG Genres weiterhin ein fester Bestandteil des Buchs. Beispielsweise müssen Carl und Prinzessin Donut sich mit Betreten der dritten Ebene für neue Ethnien und Klassen entscheiden und erinnern dabei an die Charaktererstellung in einem Videospiel.
Wie viele Aspekte des Buches, ist auch dieser Moment tiefgründiger, als man auf den ersten Blick vermutet. Carl und Prinzessin Donut müssen nicht nur einen Kompromiss zwischen ihrer körperlichen Selbstbestimmung und einem effizienten Build finden, sondern auch die Ansprüche des Publikums beachten. Hobgoblins gehen zwar versiert mit Sprengstoff um, sind aber „so hässlich, dass sogar Gorgonen bei ihrem Anblick das Mittagessen wieder auskotzen.“ Da die Gunst des Publikums fürs Überleben ebenso wichtig ist, wie einer von Prinzessin Donuts Zaubersprüchen, ist klar, dass die Wahl anders ausfallen muss.
Carl’s Doomsday Scenario führt das spaßige Leseerlebnis seines Vorgängers fort und erweitert es um verschiedene Ebenen. Die politische Dimension außerhalb des Crawls wird stärker betrachtet und das bloße Abschlachten von Monstern ist dem Lösen von Mysterien gewichen. Eine gehörige Priese tödlicher Gefahr gehört natürlich weiterhin dazu, schließlich will das intergalaktische Publikum, wie auch die Leser*innen, unterhalten werden.
von Victoria Dimeo

Matt Dinniman
Carl’s Doomsday Scenario
Übersetzt aus dem Englischen von Ruggero Leo
Fischer Tor 2026
448 Seiten
18,00 Euro
ISBN 978-3-596-71249-6